Das aktuelle Wetter NRW 0°C
Kino

"Wolfsbrüder" - Film nach einer echten Geschichte

05.06.2012 | 21:13 Uhr
Funktionen
"Wolfsbrüder" - Film nach einer echten Geschichte

Essen.   Der neue Kinofilm bestätigt, dass sich das Leben immer noch die besten Stories ausdenkt. Wie die Geschichte von Kaspar Hauser hat auch „Wolfsbrüder“ von Gerardo Olivares ein Vorbild in der Wirklichkeit: Marcos Rodríguez Pantoja lebte zwölf Jahre unter Wölfen. Aber der Film reicht an die Realität nicht heran.

Das Leben schreibt die unglaublichsten Geschichten. Das stimmt, wenn man bedenkt, dass etwa Kaspar Hauser als Kind im Wald ausgesetzt wurde und erst als junger Mann entdeckt wurde. Nicht minder denkwürdig ist die Geschichte, nach der Gerardo Olivares Film „Wolfsbrüder“ entstand. Marcos Rodríguez Pantoja ist sieben Jahre als, als ihn 1946 seine schwer verschuldeten und verarmten Eltern an einen Grundbesitzer verkaufen. Er wird einem alten Ziegenhirten in den Bergen als Begleiter zugewiesen. Als diese neue Vaterfigur unvermittelt stirbt, bleibt Marcos allein in der Wildnis. Er lernt die Überlebensstrategien der Natur, rettet einem Wolfsjungen das Leben und freundet sich mit dem Tier an. Zwölf Jahre lang lebt Marcos in der Wildnis unter Wölfen – ohne irgendeinen Kontakt zu Menschen.

Diese wahre Geschichte hat sich in der Provinz Cordoba, in einem entlegenen Tal in der Sierra Morena zugetragen. Während das Land unter der Diktatur des Generals Francisco Franco schwärzeste Jahre erlebte, verschmolz Marcos mit der Natur. In Texttafeln zu Beginn und am Schluss wird in dem Film auf diesen historischen Umstand hingewiesen. Für die Filmerzählung bleibt das ohne Bewandnis, wie überhaupt eine Menge Dinge in „Wolfsbrüder“ schiere Behauptung bleiben.

Und es zeigt sich wieder einmal, dass außerordentliche Geschichten aus dem Leben noch lange nicht zu einem guten Film taugen, wenn Buch und Regie es nicht schaffen, das reale Drama glaubwürdig auf die Leinwand zu übertragen. Es gibt derart haarsträubende Zeitsprünge und wilde Behauptungen in diesem Film, dass man manchmal den Eindruck bekommt, eine mehrstündige TV-Miniserie sei hier auf knapp zwei Kinostunden verkürzt worden.

Der Film hat schöne Landschaftsbilder, als Leinwand-Abenteuer beweist er nur das Unvermögen seiner Macher. Es hätte schon genügt, ein paar Seiten in Jack Londons „Wolfsblut“ zu lesen und man hätte einen richtig guten machen können. Hat man aber nicht.

Uwe Mies

Kommentare
Aus dem Ressort
Ehemaliger Zwangsarbeiter stellt in Oberhausen Buch vor
Geschichte
Die Oberhausener Gedenkhalle hat die Erinnerungen des ukrainischen Zwangsarbeiters Iwan Tkatsch mit spannenden und bewegenden Berichten herausgegeben.
"Niveau Weshalb Warum" - Im Herzen von Deichkind
Musik
Das neue Deichkind-Album „Niveau Weshalb Warum“ sagt Kluges im Partymodus – und bewegt sich an der Grenze zwischen Irrsinn und Ernsthaftigkeit.
US-Sängerin Anastacia eröffnet das Zeltfestival Ruhr
Musik
Mit dem Konzert der amerikanischen Sängerin Anastacia wird am 21. August das Zeltfestival Ruhr eröffnet. Weitere Gäste sind Rea Garvey und Clueso.
"Chronist der Jugend" - US-Fotograf Will McBride gestorben
Nachruf
Vor Kurzem hat ihn eine Berliner Ausstellung noch gefeiert. Nun ist der amerikanische Fotograf Will McBride im Alter von 84 Jahren gestorben.
Satiriker Fritz Eckenga bringt Gedichtband heraus
Lyrik
Ein gerade erschienener Leinenband versammelt auf 448 Seiten „Alle Gedichte und neue“ von Satiriker Fritz Eckenga. Der ist derweil völlig mit sich im...
Fotos und Videos
article
6736840
"Wolfsbrüder" - Film nach einer echten Geschichte
"Wolfsbrüder" - Film nach einer echten Geschichte
$description$
http://www.derwesten.de/kultur/wolfsbrueder-film-nach-einer-echten-geschichte-id6736840.html
2012-06-05 21:13
Kino,Wolfskinder
Kultur