Wolfgang Wagner - Bodenständige, beharrliche Macher von Bayreuth
29.08.2009 | 11:14 Uhr 2009-08-29T11:14:00+0200
Bayreuth. Wolfgang Wagner, der über ein halbes Jahrhundert lang die Geschicke auf dem Grünen Hügel felsenfest in der Hand hielt, wird am Sonntag 90 Jahre alt.
57 Jahre hielt er die Geschicke der Bayreuther Festspiele felsenfest in Händen. Erst ein Jahr vor seinem 90. Geburtstag, den er am morgigen Sonntag begeht, räumte Wolfgang Wagner seinen Chefsessel. Um Macht ging es ihm, mehr aber um die Berufung für ein Werk, das er nach 1951 ins Leben zurückrief und so lange und enthusiastisch betreute wie kein anderer.
Die Querelen um seinen schleppenden Rückzug versperrten den Blick auf die Verdienste des Wagner-Enkels. Ohne die Beharrlichkeit des ebenso bodenständigen wie weltläufigen Franken hätte es die neuen Festspiele nicht gegeben. Das durch das Dritte Reich heruntergewirtschaftete Familienunternehmen mit zerbombter Spielstätte gegen starke internationale Widerstände nur sechs Jahre nach der Kapitulation wieder aufleben zu lassen: Ohne Wolfgangs Macherqualitäten hätte selbst sein älterer Bruder Wieland mit seiner erheblich größeren künstlerischen Potenz bei der Umsetzung der Vision auf verlorenem Posten gestanden. Und es spricht für Wolfgang, dass er 1966 das Flaggschiff deutscher Festspieltradition auch über die durch Wielands frühen Tod entstandene Krise hat retten können.
Der mytische Abgrund
Und er holte mit klug kalkuliertem Risiko Regisseure ersten Ranges auf den Grünen Hügel: Patrice Chéreau für den „Jahrhundert-Ring”, Götz Friedrich für einen skandalösen „Tannhäuser”. Heiner Müller und Christoph Schlingensief glänzten mit hochwertigen Produktionen. Von der Dirigenten- und Sänger-Elite, die für ein Taschengeld in und über dem „mystischen Abgrund" schwitzten, ganz zu schweigen.
„Hier gilt's der Kunst”. Der Wahlspruch, mit dem die Neu-Bayreuther Festspiele 1951 eingeläutet wurden, bestimmte Wolfgangs Handeln und Denken bis zum Schlüsseljahr 2008, das eine neue Ära der Festspiele einläutete.
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