Wo ist der Geist des Aufbruchs für Ruhr.2010?
27.05.2009 | 10:30 Uhr 2009-05-27T10:30:00+0200
Essen. Nölende Skepsis im Pott: dass Ruhr und Kultur zusammengehören, wird von vielen belächelt. Dabei wird die Wichtigkeit des Projektes Ruhr.2010 für die Region nicht verstanden. Die Kulturhauptstadt macht Industriegelände zu Kunst- und Erlebnisräumen. Aber nicht alle Projekte sind gesichert.
Alle reden vom Geld, die Kulturhauptstadt auch. Es bleibt ihr gar nichts anderes übrig; dabei spricht sie viel lieber über ihre Erfolge.
Das ist nicht einfach, denn getreu der alten Ruhrgebiets-Mentalität, die sich selbst mehr misstraut als anderen, herrschen Zweifel und nölende Skepsis statt aufgekratzter Vorfreude. Dass Kultur und Ruhr zusammengehören, wird mancher noch belachen, wenn die Neujahrsraketen 2011 schon zischen, und ein paar Oberschlaue, die sich um nichts gekümmert haben, werden sagen: Siehste, war nix.
Geist des Aufbruchs, der Zuversicht und der Begeisterung
Die Kulturhauptstadt 2010 hat es schwer: Weil sie einen Geist schaffen will, den sie für ihr Gelingen noch vor dem Start braucht. Einen Geist des Aufbruchs, der Zuversicht und der Begeisterung. Wo er schon da ist, entwickelt er großartige Ideen, und sie sind, so sehr die kulturellen Lager auch jaulen, weder einseitig elitär noch stramm populistisch. Neben dem großartigen Kompositionswerk Hans-Werner Henzes steht die schöne, alle umarmende Idee eines Singtags im Juni, mit Gesangvereinen, Kirchenchören, Laien und Profis.
Neben solchen flüchtigen Projekten gibt es erfreulich viele, die beinhart auf Zukunft kalkuliert sind. Nachhaltigkeit heißt das dann und meint dauerhafte Touristenströme; oder mehr Lebensqualität für diejenigen, die dort wohnen.
„Emscherinsel” ist so ein ehrgeiziges Projekt. Es nennt sich auch, leicht provokant, „Emscherkunst” und bedeutet, dass die Renaturierung des schäbigen Industrieflusses nicht nur für Pflanzen und Tiere Raum schafft, sondern auch für Menschen. Industriebrachen werden zu Wohn- und Grünflächen, und Ruhr 2010 vollendet die Umwandlung mit einer Kunstsammlung unter freiem Himmel – 20 Skulpturen und Installationen entstehen zwischen Oberhausen und Castrop-Rauxel, auf einer Strecke von 34 Kilometern; mit dem Fahrrad erreichbar, kostenlos – ein Projekt vor allem für diejenigen, die hier leben. Und es entsteht Erstaunliches. Der Niederländer Piet Oudolf, der die Gärten für Ground Zero plant, macht aus den Klärbecken in Bottrop-Ebel eine Parklandschaft – einen versunkenen Garten teils auf, teils unter Wasser.
Zweite Stadt unter Tage
Für die Außenhülle des Faulturms am stillgelegten Klärwerk in Herne baut Silke Wagner ein 60 Meter langes Wandmosaik, das die Arbeiterproteste im Ruhrgebiet von 1889 bis 2007 thematisiert. Und für die „Wilde Insel” an der Schleuse Gelsenkirchen entsteht ein „singender Fels” am Wegrand: man hört ihn, wenn man das Ohr daran legt.
„Emscherkunst” ist ein vorbildliches Projekt; es gibt der Region ein neues Gesicht, wo es am nötigsten ist. Und es ist komplett gesichert: Die Finanzierung schafften Emschergenossenschaft und Regionalverband Ruhr, Land NRW und Kulturhauptstadt gemeinsam.
Auf Zukunft angelegt, aber ungleich spektakulärer ist „Die Zweite Stadt”, die unter Tage auf Zeche Zollverein in Essen entstehen soll – wenn die fehlenden 500 000 Euro zusammen kommen. Eine fast lächerliche Summe angesichts der Attraktivität des Plans, Grubenfahrt und Kunsterlebnis zu verbinden: In 1000 Metern Tiefe sollen die Besucher einfahren, einen Rundgang durch den Streckenverlauf machen und eine Installation von Olafur Eliasson erleben.
Projekt der Superlative
Dass sie vor der Einfahrt in der Kaue eingekleidet werden; dass sie im Förderkorb an alten Füllörtern vorbei in die Tiefe sausen – es wird nicht nur Kindern gefallen. Und zum Schluss gibt's Kunst, was auch nicht schaden kann.
Eliassons „Projekt der Superlative”, vier künstliche Wasserfälle im East River in New York im vergangenen Sommer, brachte der Stadt übrigens 55 Mio Dollar durch zusätzliche Touristen ein. Aber das nur nebenbei.
„Die Zweite Stadt” vereint viele Reize: Erstens ist das Weltkulturerbe Zollverein an sich einen Besuch wert. Zweitens kann man nirgendwo sonst 1000 Meter tief in ein Besucherbergwerk einfahren. Und drittens gibt es beim Rundgang unter Tage etwas zum Staunen: eins der größten Wasserpumpwerke Europas.
Genau durchkalkuliert
Das Projekt wurde von einem Expertenbüro durchkalkuliert und für gut befunden: Je nach Künstler werden bis zu 400 000 Besucher jährlich erwartet, bei Eliasson könnten es sogar 600 000 sein.
Die Programmgestalter sind guten Mutes, dass die Eröffnung im Oktober 2010 stattfinden kann. Zur Zeit werden sicherheitstechnische Fragen geklärt, das Land hat finanzielle Hilfe zugesagt, und jetzt werden Gespräche mit der RAG-Stiftung geführt – auch, damit der Betrieb dauerhaft gesichert werden kann.
23:13
Wo ist der Geist des Aufbruchs für Ruhr.2010?
wo wird denn der Geist geweckt?
wenn man nicht hier lesen würde, wüßte man es doch gar nicht, selbst der hochgelobte WDR ist im vertuschen und zensieren tätig..
14:56
das heißt natürlich gepriesenen ;-)
14:52
Also dann will ich als im Ruhrgebiet Kulturschaffender mal Troro Schützenhilfe leisten. gegen die Bedenkenträger-Idioten. Man kann ja ruhig anderer Meinung sein, aber wie #1 gleich zu behaupten, es würde keiner ins Ruhrgebiet kommen ist schlichtweg nicht wahr. Ich habe selbst im letzten Jahr schon etliche Gäste von Außerhalb unter meinen Fittichen gehabt und das waren keine Chichi-Kunden, sondern ganz normale Leute aus der ganzen Republik, die mal statt Nordsee oder Alpen Städtetourismus im Ruhrgebiet gemacht haben. Ob es nötig ist, die Leute auf Zollverein unter die Erde zu schicken weiß ich nicht, aber ich habe in den Kommentaren hier kaum eine konstruktive Sache gelesen. Und jetzt kommt mir nicht mit: Harz IV und anderem. Kultur ist Teil der viel gepiesenen Bildung. Und dagegen kann doch wohl keiner was haben.
13:15
Hömma, troro, auf welche Benimm-Schule wars du denn? Von wegen, die Bedenkenträger als Idioten darstellen, dat geht ma ga nich. Wenn dat deine Eltern hören, wie du so sprichs, dann hat der Popo abber Kirmes. Reiß dich ma zusammen, du Kultur-Prinz...
13:05
@TRORO
Na, Du bist ja ein/e ganz ein Ausgebuffter / eine Ausgebuffte!
Törrröööööö - Benjamin Blümchen wäre da angebrachter.!
ÜBRIGENS, DU RUFST IN EINEN MENSCHENLEEREN WALD...
Aber, ich kann es nicht verdenken. Du verdienst wahrscheinlich Dein Geld mit stumpfsinnigen Idioten, die zu intellektuellen Kulturgelagen ihre Pseudohochbegabung zur Schau stellen.
Jedem das Seine !
12:43
liebe kulturhauptstadt-besucher!
bitte kommt reichlich und laßt mich mit den stumpfsinnigen bedenkenträger-idioten hier nicht allein.
danke.
12:36
Entweder packen die Kumpels an und machen wat draus, oder et wird eben nix.
Für die paar Supergescheite so einen Firlefanz zu machen is n Graus.
Liebe hochkulturell Bessere, schwingt Eure Calvin Klein geschmückten Ärschchen zu dä Leute, die hier dä Pott sind. Und dann machen wir ein Kunstprojekt daraus und nennen es Symbiose Kultur und Subkultur am Beispiel der Einfachheit, und weisse wat, dat kost nix...Dat is dat wahre Leben.
Und dann könnt Ihr ordentlich auffe Kacke hauen und Euch mit ich hab ma n Malocher annet Hemd gepackt und uiiihhhh, ich hab ma innen Schrääbergarten gesessn rühmen und Euch weiter der wirklichen Kunst widmen, in der Gewissheit, wir haben diesen dümmlichen Menschen die da im Pott dat Kulturleben ma gezeicht.
Ich tät mich freuen.
Kommt ma zu dä Onkel....
12:28
Unnötiger und teurer Firlefanz, der nichts einbringt. Die Sorgen der Bürger liegen heute ganz wo anders. Es wird gespart.
12:15
Die Autorin stellt meiner Ansicht nach zu sehr die Kunst in den Vordergrund, wenn es um Kultur geht.
Das ganze Ding scheitert schon deshalb, weil hier im Revier die Deutung des Begriffes Kultur äußertst vielfältig ist - aber die Macher nun mal ihr zementenes Verständnis einer Kulturhauptstadt als allein seligmachend durchsetzen werden - und damit auf die Nase fallen.
Das hat nix mit Oberschlau zu tun, Frau Norbisrath!
11:47
Bitte diesen einen Satz aus o.g. Artikel nochmal lesen:
Eliassons „Projekt der Superlative”, vier künstliche Wasserfälle im East River in New York im vergangenen Sommer, brachte der Stadt übrigens 55 Mio Dollar durch zusätzliche Touristen ein. Aber das nur nebenbei.
Dieser Satz hätte die Überschrift sein sollen, Frau Norbisrath! Kultur bleibt solange ein luxuriöses Schmuckstück, wie man den Aspekt „Davon kann man leben!“ nicht ernst nimmt. Gerade jetzt in der Krise!
Denken wir doch mal umgekehrt: Würde irgendeine der ETABLIERTEN Metropolen sich ihre Kulturindustrie wieder nehmen lassen? Wo es sie gibt, ist Kulturindustrie von allen akzeptiert und beliebt.
Man sollte viel mehr veröffentlichen, welche Erfolge die Kulturindustrie an anderen Orten bereits hat, damit dieses Ziel auch bei uns als erstrebenswert verstanden wird.