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Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk" in Düsseldorf

12.01.2013 | 15:34 Uhr
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk" in Düsseldorf
Die Mitglieder der Band Kraftwerk, Ralf Hütter (v.l.), Henning Schmitz, Fritz Hilpert und Stefan Pfaffe, stehen am Freitag in Düsseldorf auf der Bühne. Foto: dapd

Düsseldorf.  Die Gruppe "Kraftwerk" hat nach mehr als 20 Jahren das erste Konzert in ihrer Heimatstadt Düsseldorf gespielt. Im Publikum: Kulturschickeria, viel Szene und ein paar junge Hipster. Die Kult-Combo spielt an diesem ersten von acht „Kraftwerk“-Abenden nicht nur das legendäre „Autobahn“-Album.

„Guten Abend, meine Damen und Herrrren“, schnarrte die Automatenrülpsstimme um punkt acht Uhr, und wenige Minuten später würde sie singen „Wirrrr sind die Robotärrrr“. Damit war schon die größte Befürchtung des Abends in der Kunstsammlung NRW zerstreut: Nein, die Kult-Combo „Kraftwerk“, die zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder in ihrer Heimatstadt Düsseldorf auftrat, spielte an diesem ersten von acht „Kraftwerk“-Abenden in Folge nicht nur das legendäre „Autobahn“-Album. Am Ende war es denn doch eine runde „Best of“-Sammlung, das „Model“ durfte wieder gut aussehen, der „Trans Europa Express“ groovte stampfend durch den hohen Saal am Foyer des Museums, die „Computerwelt“ ratterte mit „1,2,3,4,5,6,7,8“ herunter und im  Titelsong des Debüt-Albums „Radioaktivität“ war die Strecke von Hiroshima bis Tschernobyl um Fukushima verlängert. Die optimistische Grundmelodie wirkt zynisch zu den Namen, die sich längst zu Chiffren für Katastrophen ausgewachsen haben.   

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Genialer Elektropop oder „Futuristenkitsch“? Im 43. Jahr seines Bestehens feiert das Düsseldorfer Quartett "Kraftwerk" größere Erfolge denn je: acht Auftritte in der Kunstsammlung NRW und eine Fotografie-Ausstellung im NRW Forum Kultur und Wirtschaft.

Und auch die einfachen, aber effektvollen 3D-Projektionen des gesamten Abends verströmten jene Zweischneidigkeit, die „Kraftwerk“ ausmacht: Es könnte alles so schön sein, wenn die Technik so wäre, wie sie zu sein verspricht. Die Eleganz der Elektronen und Moleküle, ihr  scheinbar reibungsloses Funktionieren wirkt wie eine Utopie, von der auch die Schönheit der Kunst zeugt. Überhaupt: Dieser „Kraftwerk“-Abend war eine 3D-Skulptur, nicht gerade wegen der vier Kraftwerker im Sci-Fi-Kostüm mit Spinnenmuster oder wegen der beeindruckenden Projektionen, die in den Raum ragten, sondern auch wegen des dreidimensional aufgebauten Sounds, der auch schon mal Geräusche und Klänge von hinten oder von der Seite kommen ließ.

Kulturschickeria, viel Szene und ein paar junge Hipster

Ein kleines bisschen Kulturschickeria, viel Szene und ein paar junge Hipster waren angetreten, echte Künstlerin wie Rosemarie Trockel oder ihr Kollege Mischa Kuball aber auch - ein „Kraftwerk“-Club, der die vielen Security-Kräfte im Museum überflüssig machte: Um ein Konzertpublikum zu finden, das noch weniger zu sicherheitsgefährdenden Exaltationen neigt, muss man wahrscheinlich in der Friedhofskapelle suchen.

Geduldig verfolgen die 870 Glücklichen, die anders als Zehntausende von Konkurrenten eine Karte ergattern konnten, Sound-Variationen und sauber durchgeplante  Improviationsimitationen. Zuweilen dehnen sie sich, wie man das eher von Klaus Schulze oder anderen meditativen „Kraftwerk“-Kollegen aus der Synthesizer-Steinzeit kennt.

Und „Autobahn“? Ein herrlicher Schmachtfetzen aus der Zeit, in der ein Käfer dort minutenlang allein unterwegs sein konnte. In der 3D-Illustration ist alles rein und klar, der Himmel blau, die Sonne gelb, die Hügel grün, der Asphalt grau – und Autofahrn, fahrn, fahrn ein einziges Dahingleiten, das sich anfühlt wie Freiheit. Heute kommt einem der Song langsamer vor als damals. Dabei hat die Band das Tempo gar nicht verändert – aber unsere Zeit ist schneller geworden. Aus den 22 Minuten des Album-Titelstücks von 1974 sind nun 12 geworden. 

Jens Dirksen


Kommentare
14.01.2013
15:20
Auffällig ist
von Frubbi74 | #9

wie sehr der Bericht über Kraftwerk, die mehr Musikgeschichte als jede andere deutsche Band geschrieben haben, ins polemische gefärbt ist. Merkwürdig, daß sowas die Redaktionsräume verläßt, während in einem anderen Artikel dem über jeden künstlerischen Zweifel erhabenen Justin Timberlake gehuldigt wird.

Wenn der Autor vielleicht bereits mit einer vorgefärbten Meinung nach Düsseldorf gefahren ist, wäre es dann nicht besser gewesen, den Presseausweis einem der "zehntausend Kokurrenten" zur Verfügung zu stellen, die beim Vorverkauf leer ausgingen? Der/diejenige hätte vielleicht mehr Vergnügen an jenem Abend empfunden.

Und schließlich, wenn Kraftwerk jetzt aus Essen und nicht aus dem schnöselig-reichen, doch eigentlich stinklangweiligen Düsseldorf kämen, hätte der Autor dann auch von "Kulturschickeria" und "Hipstern" geschrieben?

14.01.2013
09:11
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von PepeMusic | #8

Bitte, Leute, sagt mir, dass der Artikel in DIESER Form nicht in der Printausgabe erschienen ist! Wenn doch, macht sich DerWesten lächerlich!

Die Zeit zum Schreiben dieses Artikels hätte der Autor sinnreicher nutzen können. Mit Nasebohren zum Beispiel!

12.01.2013
22:20
Wirr
von ratenn | #7

Hätt ich doch beinahe vergessen,
Autobahn gab es auch als Single
(für den Autor, das waren kleine schwarze Scheiben mit Rillen auf
Vor - und Rückseite);
da war die Autobahn sogar nur knappe vier Minuten lang.

12.01.2013
21:33
Besten Dank an den Autor !!
von K.Putt | #6

Besten Dank an den Autor, ein besseres Beispiel für schlechten Journalismus muss man erst mal bringen. Der Autor hat sich nicht die geringsten Gedanken über die Band gemacht, von Recherche keine Spur, ein Beitrag ohne Sinn und Verstand.
Und das im Zeitalter von Google & Co. ......

12.01.2013
20:05
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von ratenn | #5

@ #1-1 und 1-2
nicht zu vergessen z. B. auch Emerson,Lake & Palmer oder Jean Michel Jarre,
war eine experimentierfreudige Zeit mit den damals neuen "elektronischen
Kisten",wie Vocoder ,Sequenzern usw.
hat sich dann ja leider verlaufen , als sich jeder nen Synthesizer leisten konnte.
Von den "Schwingungen" habe ich irgendwo im Keller sogar noch Sendungen auf
Band.

12.01.2013
19:38
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von Karlot | #4

Und wenn ich mich nicht täusche, ist von der Originalformation nur noch einer
übrig: Ralf Hütter.

12.01.2013
19:38
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von chinaski | #3

Wie kann man so dämlich sein und denken, "Radioaktivität" sei das Debüt? Mann, ist das bitter.

12.01.2013
19:28
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von Highlanders | #2

@#1 KORREKT...eine Kultformation die es nur einmal gibt...zumindest in diesem Genre...die Vaeter desTechno...wie MOBY bei EXIT festival schon sagte: I cant believe that Im playing on the same stage as KRAFTWERK..

12.01.2013
15:58
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von PepeMusic | #1

Autsch! Der Autor hat leider keine Ahnung von Kraftwerks Diskografie. Setzen! Sechs!

Weder ist der Song "Die Roboter" auf dem Album "Autobahn" (das übrigens neben dem Titelsong nur noch die Stücke "Kometenmelodie" Teil 1 & 2, sowie "Mitternacht" und "Morgenspaziergang" enthält) drauf, noch ist das Album "Radio-Aktivität" das Debüt-Album von Kraftwerk. Das wäre nämlich das Album "Kraftwerk" gewesen. Dann kam übrigens noch "Kraftwerk 2" und "Ralf und Florian", bevor die Gruppe mit "Autobahn" endlich so richtig erfolgreich wurde.

Den Rest des Artikels habe ich nicht gelesen. Wenn schon die simpelsten Sachen, die man sich schnell hätte ergooglen können, nicht stimmen, dann kann der Rest auch nur Quark sein. Echt peinlich, das!

2 Antworten
Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von Faehrtensucher | #1-1

Vielleicht wird der Artikel ja nochmal überarbeitet.
Persönlich habe ich Kraftwerk eigentlich immer mehr so nebenbei gehört, es war alles gut, aber nicht unbedingt der Brüller.
Schon früh tauchten dann aber Tangerine Dream auf, und/oder Soloalben, Klaus Schulze, Eberhard Schoener, tja und dann schließlich Winfried Trenkler, legendär mit Schwingungen im damaligen Spartensender WDR1, bevor dieser zur Eins Live mutierte.
Ach ja. Alles Vergangenheit.
Schön, das es noch Kraftwerk gibt.
Gruß

Wirrrr sind die Robotärrrr - „Best of Kraftwerk
von PepeMusic | #1-2

Tangerine Dream ist auch mein Elektro-Favorit. Die Gruppe gibt es auch bis heute, aber die besten Jahre waren meiner Meinung nach die 70er bis Mitte der 80er. Ab "Lily On The Beach" wurde es nicht mehr oft spannend.

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