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Interview TFHO

„Wir sind zwei testosterongeladene Profilierungsbomben“

29.10.2012 | 16:00 Uhr

Essen.   Die Comedy-Band „The Fuck Hornisschen Orchestra“ im Interview und Videoporträt bei ihrem Auftritt im Kulturzentrum Grend in Essen.

Das musikalische Comedy-Duo „The Fuck Hornisschen Orchestra“, kurz TFHO, beherrscht Kinderspielzeuginstrumente wie Harry Potter seinen Zauberstab und James Bond seine Walther-PPK. Die beiden (Ex-)Poetryslammer Julius Fischer und Christian Meyer, Stammgäste bei Nightwash und dem Quatsch Comedy Club, sind zurzeit mit ihrem dritten Show-Programm „Hoffnung 3000“ auf Tour.

Wir sprachen mit den beiden Humor-Galoppierern über billige Witze, uniformierte Kasper und darüber, wann und warum gelacht werden darf. Im Video-Porträt von ihrem Auftritt im Kulturzentrum Grend in Essen erklären uns die Leipziger, wie man mit Spielzeug Rave-Musik erzeugt und warum sie den Quatsch eigentlich machen.

Warum ist etwas oder jemand lustig?

TFHO: Ich glaube, das kann nur das Publikum wirklich erklären. Gags auszuprobieren und spontan zu entwickeln auf der Bühne, das ist das Schönste für uns. Und wenn dann absolut keiner lacht, ist das extrem unangenehm und auch irgendwie wieder lustig. Aber für so was muss das Publikum auch bereit sein.

Es kann ja auch lustig sein, wenn ein Witz so überhaupt nicht lustig ist und deswegen wiederum lustig. Wenn man sagt: So, jetzt kommt gleich ein total beschissener Witz. Mein Liebling ist der, wenn ich ankündige: Julius spielt gleich ein Gitarren-Riff, das ist so schön, das könnte noch nicht mal eine Koralle besser.

Häh? Versteh ich nicht.

TFHO: Korallenriff. Korallen, die im Meer. Die können doch auch gar nicht Gitarre spielen.

Ah. Lustig.

TFHO: Ja, der dauert manchmal …

Und was ist noch lustig?

TFHO: Slapstick. Christian tanzt ja zum Bespiel viel und gerne auf der Bühne, und wedelt dabei wie verrückt mit seinem Kopf. Letztens ist ihm dabei die Brille runtergefallen und in der Mitte zerbrochen, seitdem läuft er mit einer kaputten Brille rum. Das finde ich schon sehr lustig. So Situationen, die man nicht wirklich nacherzählen kann. Das versuchen wir auf der Bühne auch zu provozieren, Situationskomik eben. Dazu gibt einem das Publikum oft Anhaltspunkte. Wir versuchen, Dinge zu absurdirisieren.

Ich glaube, das Wort „absurdirisieren“ gibt es gar nicht …

TFHO: Na ja, das machen ja auch die klassischen Comedians, die nehmen was aus dem Alltag, etwas, das die Leute kennen, und stellen es überspitzt dar. Frauen-Männer-Konflikte, Autos, Bahnfahren und so weiter. Die Standardcomedians, die fackeln eben die Stereotypen ab. Und Christian, der ist das Gegenteil eines Stereotyps.

Hat das etwas mit euren Outfits zu tun? Oder wärt ihr auch mit Jeans und schwarzem T-Shirt witzig?

TFHO: Die Outfits unterstreichen den Show-Charakter. Mit der Tracht zeigen wir aber auch Respekt vor dem Publikum. Im Kostüm sind wir in unserer Rolle. Ich hatte letztens in der Pause meine Trachtenjacke ausgezogen, weil die verschwitzt war und eine Jeansjacke angezogen – mich hat keiner erkannt. In Alltagskleidung sind wir nicht die uniformierten Kasper und die Trachten zeigen die Zusammengehörigkeit. Und beim Publikum signalisiert es: Achtung, es darf gelacht werden. Die Kostüme setzen den Schnitt zwischen privat und Ulknummer.

Video
Christian Meyer und Julius Fischer sind das Fuck Hornisschen Orchestra. Die beiden Künstler sprechen mit uns über ihre Art Musik zu machen und berichten über ihre derzeitiges Programm "Hoffnung 3000".

 

Wenn ihr Mädchen wärt, denkt ihr, das würde genauso gut funktionieren?

TFHO: Ich denke schon. Da gab es ja zum Beispiel die „Missfits“ in den 80ern, ein Frauenduo, die haben etwas gemacht, was unserem Programm sehr ähnlich ist. Das hat auch sehr gut funktioniert. Wir sind relativ geschlechtslos auf der Bühne, wir werden ja nicht wie Männer bei den Auftritten wahrgenommen. Wir behaupten zum Beispiel bei der Show immer, dass Christian gerade auf der Suche nach einer Freundin ist, da schreien die nicht alle sofort hier. (Christian widerspricht) Das ist Quatsch! Wir sind nicht geschlechtslos, wir sind zwei testosterongeladene Profilierungsbomben.

Woher bekommt ihr eigentlich eure Instrumente oder, na ja, Spielzeuge?

TFHO: Die kommen einem auf der Straße entgegengelaufen. Wenn man sucht, findet man so etwas wie einen Kinderspielzeug-Disco-Mixer nicht.

Seid ihr eigentlich eine Band? Oder ein Comedy-Duo? Was seid ihr denn überhaupt?

TFHO: Klar sind wir eine Band! Wir spielen verschiedene Instrumente. Beziehungsweise: 60 Prozent von uns, Julius, spielen Instrumente, und 40 Prozent, Christian, sind verrückt. Wir haben aber auch den Anspruch, dass es gut klingt.

Könnt ihr davon überleben, was ihr da macht?

TFHO: Seit gut einem Jahr schon, ja. Wir krebsen uns so durch.

Ihr habt Germanistik und Geschichte studiert. Und gerade die Germanisten sind ja nicht gerade für ihren Humor bekannt …

TFHO: Ach, es gibt solche und solche. Man kann sich als Germanist ja auch mit Ringelnatz beschäftigen. Oder mit der Glocke von Schiller, die ist extrem lustig.

Ihr kommt aus Ostdeutschland. Gibt’s es dort einen anderen Humor?

TFHO: Ja, im Osten verstehen sie den Korallen-Gag schneller. Nee, mal ernsthaft. Wir sind letztens in Franken aufgetreten, und da sagte jemand zu uns: „Im Ruhrpott, da kommt ihr ja wahrscheinlich verdammt gut an, mit eurem derben Humor“. Okay, aber die Franken sind da auch anders. Grundsätzlich gibt es aber überall Unterschiede in der Publikumsdynamik. Bei unserem Programm sind nur die Lieder fest, alles andere wird improvisiert. Und wenn nichts geht, dann geht es immer noch, dass ich Christian disse.

 

Jule Körber



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