„Wir sind keine verstaubten Idealisten“

Stuttgart..  „Heute wollen natürlich alle Hüte haben, wegen der Sonne.“ Für einen kurzen Moment schaut die Arnsbergerin Edith Malzer über ihren Fair Trade-Stand auf dem Markt der Möglichkeiten. Taschen, Decken, Schürzen, Schmuck, Püppchen und anderes hängen und liegen dort bereit. Aber eben keine Hüte. Die gehören offenbar nicht zum Programm der Partnerwerkstätten in Indien und Nepal, mit denen Edith Malzer nun schon seit zwei Jahrzehnten zusammen arbeitet.

Jetzt aber hat ohnehin erst einmal die jüngste Erdbeben-Katastrophe alle mittelfristigen Pläne über den Haufen geworfen. „23 Familien unserer Handwerksbetriebe haben ihre Häuser verloren, viele sind gestorben, noch mehr verletzt“, berichtet die Sauerländerin – und ist schon gleich wieder voller Tatkraft. Gemeinsam mit anderen Hilfseinrichtungen will sie in den nächsten Wochen 100 000 Euro nach Nepal überweisen; alles für festgelegte Projekte. „Wir achten sehr genau darauf, was mit dem Geld dort passiert“, erklärt sie und ist zugleich stolz auf ihr Netzwerk in Deutschland wie auch in Fernost, was dies alles nur möglich macht.

Hilfe zur Selbsthilfe als Motto

„Hilfe zur Selbsthilfe“, das ist ihr Motto, nach dem auch der Arnsberger Fair Trade-Laden ausgerichtet ist. „Wir sind keine verstaubten Idealisten, sondern gehen ganz modern und zielorientiert in unserer ehrenamtlichen Arbeit vor“, betont die Entwicklungshelferin der etwas anderen Art.

Auf eine ebenfalls ganz andere Form der Hilfe stößt man am Stand des Westfälischen Verbandes für Kindergottesdienst. Hier schieben gerade der Marsberger Pfarrer Markus Pape und die Mendener Predikantin Kerstin Buchbinder ihren Dienst. Sie verkaufen Pixi-Bücher zu Themen wie Beten, Taufe oder Gott und geben direkte Beratungen bei Fragen der Kindergottesdienstgestaltung. „Heute haben wir ja unendlich viele Formen des Kindergottesdienstes“, meint Pfarrer Pape und verweist darauf, dass beispielsweise beim ihm rund um Marsberg zweimal monatlich die Kinder am Samstagmorgen zu Gottes Wort spielerisch eingeladen werden.

Kerstin Buchbinder präsentiert dazu einen pfiffigen „Taufbeutel“. Mendener Frauengruppen nähen diese zauberhaften Stoffverwandlungen und haben bislang schon mehr als 400 Stück in den letzten drei Jahren verkauft. „Mit Hilfe der sechsfach durch Umkrempeln veränderbaren Beutel kann man herrlich biblische Geschichte für Kinder erzählen“, weiß die Mendenerin und ist stolz darauf, dass diese wundervolle Gottesdiensthilfe auch schon als Exportschlager nach Lima, Singapur und Skandinavien gegangen ist.

Eine Art „Importschlager“ können dagegen Nicole Binnewitt und Lisa-Maria Scherer vom Olper Kinder-Hospiz Baltasar für sich verbuchen. „Es ist uns gelungen, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, zu einem Besuch an unserem Stand hier zu gewinnen“, freuen sich die beiden Olperinnen über ihren gelungenen Coup, den sie schon vor Monaten eingefädelt haben. Der höchste Protestant des Landes interessiert sich sehr für die segensreiche Hospizarbeit und wird nun vielleicht sogar nach Olpe kommen, um sich die Einrichtung direkt vor Ort anzuschauen.

Segensreiche Hospizarbeit

Derartige Werbung kann der Hospiz-Verein auch gut gebrauchen. „Es wird für uns finanziell immer schwieriger“, sagt Nicole Binnewitt ganz offen. An ihrem Stand informieren sich übrigens kaum Eltern über die Hospizarbeit, wohl aber viele junge Menschen, die nach beruflichen und ehrenamtlichen Perspektiven bei diesem anspruchsvollen Engagement fragen, Derzeit sind in Olpe 20 Ehrenamtliche und weitere 16 Aktive im Hospizverein tätig.

Mit 20 Ehrenamtlichen und Angestellten präsentiert sich die Jugendarbeit der westfälischen Landeskirche auf dem Markt der Möglichkeiten. Die in Schwerte angesiedelte Einrichtung hat einen großen Erlebnis- und Abenteuerstand regelrecht inszeniert. Ausgebildete Theaterpädagogen laufen als Waldgeister verkleidet herum, es können Erinnerungsfotos in unterschiedlichen Kulissen gemacht werden, und auch Informationen zum Anti-Gewalttraining oder zur Trauma-Behandlung junger Menschen werden thematisiert. Anja Lukas-Larsen von der seit vielen Jahren so rührig-erfolgreichen Schwerter Institution: „Wir wollen uns hier den jungen Menschen wie ebenso den Ausbildern in der Jugendarbeit vorstellen und unsere Programme bekannter machen.“

Dazu gehört auch eine sogenannte Worship-Akademie, bei der Nachwuchsbands professionell auf Auftritte vor großem Publikum und Kirchengemeinden vorbereitet werden. Christliche Pop- und Rock-Musik mit modernster Technik und erfahrene Dozenten; dieser Mix erfreut sich hoher Beliebtheit bei den kirchlich orientierten Jugendlichen in ganz Westfalen.

Es sind insgesamt mehrere hundert Stände auf dem Markt der Möglichkeiten des Stuttgarter Kirchentags vertreten; die Vertreter aus Südwestfalen gehören ganz sicher nicht zu den langweiligsten.