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"Wir sind doch keine Hupfdohlen"

05.12.2007 | 10:39 Uhr
"Wir sind doch keine Hupfdohlen"

Musicalstar Uwe Kröger spielt zurzeit in Wien "Rebecca". Am 10. Dezember tritt er in Mönchengladbach auf.Kröger war im Starlight-Express der erste Rusty. Seine Paraderolle jedoch ist der Tod

Essen. Diese Tage sind keine guten für Künstler. Uwe Kröger räuspert sich. Viren liegen in der Luft. Heute hat er singfrei, aber morgen, da muss er bei Stimme sein. Und, wie sich Menschen irren könnten: "Nein", sagt er ein bisschen pikiert, "auch für uns gibt es keine Wunderspritze vom Arzt."

Doch vom Herumkrächzen wie jedermann ist er weit entfernt. Volumen hat die Stimme, seidig ist die Stimme und voll - eine Kombi, die man hier gut kennt. Kröger war der legendäre erste "Rusty" beim "Starlight-Express". Am 10. Dezember ist er jetzt als "Uwe Kröger & Friends" in Mönchengladbach. Heimspiel.

Er lebt in Wien. Hier, wo er einst in seiner Paraderolle als "Tod" brillierte. Dann brachte er den Erfolg mit nach Essen, als er dort bei der Deutschland-Premiere von "Elisabeth" den Todesengel gab.

Wie passt denn der Tod in die Glitzerkulisse der Showbühne? Gut, schließlich gehe es beim Tod um große Gefühle. Kröger redet viel über den Tod. "Ich lebe mit einem sehr renommierten Kardiologen zusammen. Bei Ärzten ist Leben und Sterben ein großes Thema." Nein, er habe keine Angst vor dem Tod. "Höchstens Angst vor Schmerzen."

Genau verfolgt er zurzeit die Debatte um Sterbehilfe, sagt, dass Ärzte dafür da sind, Leben zu retten, nicht Leben zu nehmen. "Jemanden in die Situation zu bringen, dass er Sterbehilfe leisten soll, halte ich für anmaßend."

Der Tod hat nicht nur Schrecken. Er ist oft Erlösung, im Leben. Oft Magie auf der Bühne. So sehr, dass sich ein junges Mädchen in einer Wiener Aufführung vom dritten Rang stürzen wollte. "Viele suizidgefährdete Menschen nehmen Kontakt zu mir auf."

Uwe Kröger hat gelernt, was man dann tun muss, sagt er. Damals, als Zivi in der Jugendpsychiatrie in seiner Heimatstadt Hamm. Man müsse die Probleme erkennen, "aber man darf nicht Besitz dieser Menschen werden". Das könne schnell passieren. Nicht nur in der Psychiatrie, auch im Theater. "Man ist für die Fans halt jeden Abend greifbar. Man gibt Autogramme. Die Leute finden einen nett. Aber sie erwarten auch, dass man jeden Abend nett ist. Wenn nicht, sagen sie einem dann: Heute warst du aber nicht so nett." Fans wollen persönlich sein. Kröger will Respekt vor seiner Person. "Das gehört zur guten Kinderstube."

Seine Kinderstube in Hamm nennt er "cosy", gemütlich. Schöne Landschaft, ein offenes Haus, viele Freunde. Man lebte auf Großfamilie. Der Vater, Frührentner, streng. Die Mutter, Kröger lächelt: "eine tolle Mutter." Schneidermeisterin war sie, "konsequent ja, aber sehr offen". Gemalt hat sie, und überhaupt - man habe viel gesungen im Haus. Das erste Lied, da war er wohl drei, "das war irgendwas aus einem Disney-Film, ich erinnere mich noch, ein Stier kam drin vor. Aber das Wichtigste war die Performance. Ich hatte dafür ein Schaukelpferd und einen großen Spiegel arrangiert".

Was noch nicht viel hieß für die Berufswahl. Mathe und Physik waren sein Thema, Architekt oder Psychiater sein Traumjob. "Bis ich Blut geleckt hatte." Backstage von einer Laienspielschar in Hamm. "Ich war begeistert von dem, was ich sah." Tanzen, Singen, Performance. Dann ging er in eine Band. Sang etwas über Spießer und Revoluzzer. Er lacht. Vergangenheit. Die Gegenwart heißt "Rebecca" von Daphne du Maurier. Er, der in Wien den Maxim de Winter spielt, nennt es "Psychothriller" oder "die Selbstfindung einer Frau". Theatralisch sei das Ganze. Wobei das Theater ja sehr oft von oben aufs Musical schielt. "Es gibt grundsätzlich diesen typisch deutschen Makel. Dabei ist Musical große Kunst. Wir sind doch keine Hupfdohlen." Musicalstar, "das ist die hohe Kunst, singen, schauspielen und tanzen unter einen Hut zu bringen. Höchstleistungs-Kunst."

Uwe Kröger gehört heute zu den besten der Szene, sagt er. "Ich bin 43 Jahre" (gestern hatte er Geburtstag, Glückwunsch!). Er hat die großen Musicals gespielt (Elisabeth, Miss Saigon, Joseph, Les Miserables u. a.). "Wie lange noch? Das weiß ich nicht." Er fährt sich durchs Haar. Schaut. Sagt: "Ich sehe auf der Bühne etwa zehn Jahre jünger aus." Aussehen ist wichtig - selbst für die Paraderolle, den Tod.

Von Petra Koruhn

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