„Wir schwitzen ehrlichen Schweiß“

Hagen..  Musiker. Geschäftsmann. Kiss-Bassist: Gene Simmons (65) ist der Motor hinter einer der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten. Und: Er lebt jede einzelne Minute davon. Was sich zuweilen in dezentem Größenwahn manifestiert. Wie zum 40. Dienstjubiläum, das der Mann mit der Riesenzunge zum Anlass nimmt, über einen weiteren Nebenjob nachzudenken – als König von Amerika.

Herr Simmons, wie begehen sie den 40. Geburtstag von Kiss?

Gene Simmons: So, wie es sich gehört: Wir gehen auf Tour. Und wir planen noch ein paar weitere große Sachen. Denn wer hätte vor 40 Jahren gedacht, dass es vier Idioten aus New York, die keine Ahnung haben, wie die Welt funktioniert und die gerade mal 75 Dollar die Woche verdienen, mal so weit bringen würden? 40 Jahre später haben wir ein Imperium. Wozu der Kiss Golf Course in Las Vegas gehört. Das Kiss Café in Myrtle Beach. Gerade habe ich einen Deal für Kiss-Limousinen in Las Vegas abgeschlossen.

Wie darf man sich das vorstellen?

Als einen Limo-Service, bei dem die Fahrer Kiss-Make-up tragen und Mädels als Hostessen fungieren.

Zwischendurch ein bisschen Rock’n’Roll mit den Jungs zu spielen, ist das Ausgleichssport?

Es ist eher, als ob du zur Kirche gehst. Denn dann bist du Gott am nächsten und erkennst, worum es im Leben geht. Alles andere dient nur dazu, deine Existenz auf Erden möglichst spannend zu gestalten. Aber die Sache, die dein Herz am Laufen hält, ist diese Elektrizität zwischen Band und Fans. Wenn wir auf die Bühne gehen, packen wir das wie Arbeiter an. Wir sind pünktlich, wir erledigen den Job und schwitzen ehrlichen Schweiß.

Nach dem Motto „You wanted the best, you got the best“?

Genau. Wenn wir uns damit ankündigen, haben diese Worte eine Bedeutung. Dann sind wir die heißeste Band der Welt. Das ist wie ein Schwur. Was die Legende von Kiss ausmacht. Selbst Leute, die uns hassen, müssen zugeben: „Auf der Bühne sind sie richtig gut.“ Was dafür sorgt, dass wir unsere eigene Marke sind. Eben ein internationales Qualitätsprodukt, das jeder kennt.

Während Ihre Musik – wie Sie es selbst formulieren – dem Anspruch von Fleisch und Kartoffeln folgt?

Die Musik muss real sein. In diesen schicken Restaurants sind die Speisen einfach zu cremig, zu schwer. Das Echte ist Fleisch und Kartoffeln – das war es immer. Unser aktuelles Album ist ähnlich: Wir hatten keine Gäste im Studio, keinen Kinderchor, kein Sinfonieorchester, keine Backgroundsängerinnen und keine Keyboards. Es sind einfach zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Was gut genug für die Beatles und Led Zeppelin war, ist gut genug für uns.

Was ist mit der Schminke und den Kostümen? Wird das niemals alt?

Nein! Das gehört bei uns dazu. Wenn Superman zur Arbeit geht, trägt er Anzug und Krawatte und nennt sich Clark Kent. Aber wenn es Zeit ist Superman zu sein, sieht er spektakulär aus. Er braucht den Umhang, er muss durch die Luft fliegen – und genau das tue ich.

Trotz ihres Drangs nach Freiheit haben Sie bei den US-Präsidentschaftswahlen 2012 Romney unterstützt. Ist das kein Widerspruch?

Da bin ich falsch zitiert worden. Was ich gesagt habe, war: „Es ist nicht sicher, dass Barack Obama zum zweiten Mal ins Amt gewählt wird.“ Was mich längst nicht zum Romney-Sympathisanten macht. Schließlich habe ich beim letzten Mal auch Obama gewählt.

Wie steht es mit Gene Simmons als Präsident?

Eher nicht. Schließlich verdiene ich in einer Woche mehr als der Präsident in einem Jahr.

Das meinen Sie nicht ernst?

Das ist die Wahrheit! Deswegen würde es mich nur reizen, wenn sie mich zum König machen würden. Darüber könnten wir reden. Einfach, weil man Macht braucht, um wirklich etwas zu verändern. Wenn ich keinen guten Job mache – feuert mich. Aber gebt mir zumindest die Chance, etwas zu ändern.

Und was erwartet uns bei den Deutschland-Konzerten?

Die beste Show der Welt – so, wie man es von uns gewohnt ist.