„Wir dürfen uns nicht mit Klagen aufhalten“

Hamburg..  Es ist nicht der erste Versuch, die Klassik fernsehreif zu machen, aber der erste von Thomas Hengelbrock. Drei Fragen an den deutschen Dirigenten (57), der am Sonntag als telegener Musikvermittler antritt.


Was sind die Chancen von Klassik im Fernsehen?
Hengelbrock: Musik im Fernsehen ist erstmal ein begrenzter Genuss, es sind Ausschnitte, der Zuschauer ist nicht live im Konzert. Aber wir können doch ein breiteres Publikum an diese Musik heranführen. Ich kann etwas erklären, wir wiederholen Dinge oder nehmen sie auseinander, die man dann später im Großen wiederentdeckt. So entsteht Hörgenuss.

Sie haben für die Pioniersendung das berühmteste Liebespaar der Welt gewählt: „Romeo und Julia“. Also eine „Brücke“, jedem bekannt...

Ja, die Brücken brauchen wir. Der Klassik und ihren Künstlern wird so oft vorgehalten, im Elfenbeinturm zu leben. Da sind Geschichten und Bezüge enorm wichtig. Wenn ich in Schulen bei Workshops zu Besuch bin, stößt klassische Musik gelegentlich erst auf Ablehnung, weil es keine Berührungspunkte gibt. Aber wenn man schafft, den Menschen zu zeigen: „Das hat etwas mit deinem Leben, deinen Gefühlen zu tun“, dann fällt diese Schranke, erwacht etwas. „Romeo und Julia“ schreckt zumindest nicht ab (lacht).

Als Sie jung waren, gab es im ZDF das angesehene „Sonntagskonzert“. Auf dem gleichen Sendeplatz beackern heute Schlagersänger den Fernsehgarten. Macht Sie der veränderte Kulturauftrag hochsubventionierter Medien nicht traurig?

Selbst wenn ich es wäre, nützte es nichts. Ich sehe es als meine Aufgabe, für die Welt klassischer Musik zu werben – zu zeigen, wie sehr es unser Leben bereichert, wenn es kulturell grundiert ist. Wir dürfen uns nicht mit dem Klagen aufhalten. Und was ich an wachsender Musikliebe weltweit sehe, von Südamerika bis zum Orient, ist sehr ermutigend.