Winter-Helden

Endlich Winterwunderland! Bäume und Sträucher tragen putzige weiße Kappen, die Flocken glitzern augenbetörend auf den Feldern, und unsereins fragt sich angesichts der hügeligen heimischen Traumwelt, warum man überhaupt noch in die Alpen fährt.

Vermutlich, weil im Urlaub der Pensionswirt für das Räumen und Streuen zuständig ist und man sich als Gast morgens beruhigt noch einmal umdrehen kann, wenn draußen das liebliche Kratzen der Schneeschaufeln erschallt.

Im Akkord an der Schneeschaufel

Persönlich kann ich dem Winterwunderland nicht viel abgewinnen. Denn der Schnee fragt nicht, ob man gerade Rücken hat oder lieber spazieren gehen möchte, er will geschüppt werden. Die Erfahrung lehrt, dass es sich bitter rächt, wenn man mal eine Runde mit der Schippe aussetzt, weil der Berg dann hoch und höher wird und sich immer schwerer bändigen lässt.

Was ich im Sommer überhaupt nicht vermisse, ist die tägliche Zitterpartie auf den Straßen, das schrille Durchdrehen der Reifen auf vereistem Asphalt. Normalerweise nimmt man es als gegeben hin, gesund wieder nach Hause zu kommen. Im Winter ist das jedoch ein Geschenk, und ich bin nicht die einzige, die sich mit einer alten Decke im Kofferraum gegen das Festfahren bewaffnet und extra Westen und Mützen für den Fall mitführt, dass man den Rest der Strecke zu Fuß erledigen muss. Alles schon dagewesen.

Auch der ganz normale Alltag ist doppelt so lästig wie sonst. Eben mal schnell auf Schlappen zum Mülleimer laufen, das funktioniert nicht, jeder Gang zur Biotonne erfordert Expeditionsausrüstung, zumindest aber die Stiefel. Die Schuhe kann man nach dem Winter sowieso vergessen, denn selbst mit Omas besten Tricks kriegt man die Schneeränder nie wieder vom Leder. Und was man sich jeden Tag an Salzmatsch ins Haus trägt...

Blinkend um die Ecke

Doch der Winter kennt auch Helden. Meine sitzen auf dem Streuwagen. Manchmal höre ich schon um fünf Uhr morgens, wie der Schneepflug bei uns blinkend und mit ratternder Schar um die Kurve biegt. Die Fahrer sind echte Virtuosen, sie kommen auf engen Wegen ebenso elegant an geparkten Autos vorbei wie sie rückwärts in schmale Sackgassen setzen können. Am meisten imponiert mir, dass die Männer auf den Streuwagen immer dann da sind, jedenfalls bei uns, wenn der Schnee kommt. Sie stellen sich den Wecker je nach Wetterbericht sogar in der tiefsten Nacht und halten ihre Maschinen parat. Damit die Kinder sicher zur Schule kommen und wir heile zur Arbeit.

Ohne die „Schneemänner“ wäre bis zum Frühjahr kein Durchkommen. Danke!