Wim Wenders trauert in drei Dimensionen

James Franco
James Franco
Foto: picture alliance / dpa
Der 3D-Film „Every Thing Will Be Fine“ dreht sich um einen tragischen Unfall – und zeigt dabei Bilder, deren Opulenz auch in zwei Dimensionen großartig funktionieren.

Das Interesse von Wim Wenders, das galt in den letzten Jahren vor allem der 3 D-Technik und ihrer Verwendung im Bereich des Dokumentarfilms („Pina“). Nun hat er zum ersten Mal seit 2008 mit „Every Thing Will Be Fine“ wieder einen Spielfilm realisiert, mit dem er uns beweisen will, dass dreidimensionale Bilder auch im Kammerspiel ihre Berechtigung haben können. Doch so ganz überzeugen kann er uns mit seiner Leidenschaft diesmal nicht, strebt Kameramann Benoit Debie („Spring Breakers“) doch oft genug Bilder an, deren Opulenz auch in zwei Dimensionen großartig funktionieren.

Von der Stimmung her ist es ein düsterer, grüblerischer Film um ei­nen Schriftsteller geworden, der es trotz erwiesener Unschuld nicht verwinden kann, dass er einem Kind das Leben genommen hat. Tomas (James Franco) war nur einen Moment lang abgelenkt, aber die Kollision mit einem Kinderschlitten hätte er auf keinen Fall verhindern können. Der Betroffene aber leidet nicht weniger als die Mutter (Charlotte Gainsbourg), er vermag kaum noch zu schreiben, seine Beziehung zu Sara (Rachel McAdams) zerbricht.

Wenders lässt die Folgezeit in großen Schritten passieren, um erst nach zwölf Jahren wieder einzuhalten. Die Wunden scheinen geheilt, Tomas hat Erfolge auf dem Buchmarkt, hat inzwischen eine Familie mit Ann (Marie-Josee Croze) gegründet. Doch seltsame Zeichen – mal eine dünne Eisdecke, mal ein mit der Spielzeugpistole zielender Junge auf dem Riesenrad – scheinen zeigen zu wollen, dass Ungutes in der Luft liegt. Aber Wenders wäre fürs Genrekino ein viel zu sanfter Filmemacher, der zwar seine Freude hat am Spurenlegen, von dem man einen Thriller aber nicht erwarten sollte.