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„WILDwest“ – ein Festival des Seniorentheaters in NRW

18.06.2012 | 16:47 Uhr
„WILDwest“ – ein Festival des Seniorentheaters in NRW
Tief im Westen, wo die Spiellust keine Altersgrenzen kennt: Das Foto mit dem rotbemützten Vogelfänger im U-Bahn-Schacht wirbt für das erste NRW-Seniorentheater-Treffen in Gelsenkirchen: "Wildwest".Foto: Lisa Meinen/Consol Theater

Gelsenkirchen.   „Rauhreif“, „Spätlese“, „Tempo 100“: Ihre Namen sprechen Bände. Jetzt zeigen Seniorentheater beim ersten NRW-Festival, was sie außer reichlich Jahren drauf haben. Anfang Juli heißt es „WILDwest“ an Gelsenkirchens Consol Theater.

Wie war das noch bei Goethes Faust? „Zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.“ Die alternde Gesellschaft gibt ihre eigene Antwort. Nein, sie ist nicht zu alt, um zu spielen. Und einen Wunsch erfüllt sich die Generation 60Plus offenbar auch: Seniorentheater boomen.

Sie heißen wie sie sich fühlen: „Tempo 100“ und „Doppelherz“, „Bühnengeister“ oder „Rauhreif“. Dass sie sich jetzt treffen – nicht zum Kräftemessen, sondern in der künstlerischen Begegnung – ermöglicht Gelsenkirchens Consol Theater. Es ist der Schauplatz für Helden mit grauen Schläfen. Es zeigt: „WILDwest“.

Ensembles von Bonn bis Bielefeld

„WILDwest“ heißt das erste Seniorentheatertreffen, das NRW erlebt. Dass sie „wild“ sind, wenn man sie nur lässt, werden Ensembles von Bonn bis Bielefeld dort unter Beweis stellen. „West“ ist wohl weniger Cowboy-Hommage als Widmung an den Spielort. Tief im Westen eben, werden „Go.old“ oder „Bühne 55“ zeigen, was es heißt, den Vorhang zu öffnen für das Leben im letzten Drittel.

Sie sind „frech, komödiantisch, tiefsinnig“

Es ist die Stärke dutzender Seniorentheater-Formationen in NRW, dass sie sich grundsätzlich und vom Alter erst recht nicht begrenzen lassen auf der Bühne. „Wild und frech, komödiantisch und tiefsinnig, mahnend und erfinderisch“ – so beschreibt Organisator und Auswahljuror André Wülfing die Truppen, ihre Stoffe, ihre Stücke.

Wülfing und seine Jury-Kollegen haben quer durchs Bundesland Ausschau gehalten. Nun laden sie, unterstützt vom NRW-Familienministerium, ein. Vom 5. bis 8. Juli ist also alles richtig alt auf der Bühne des Consol: das Senioren-Tanztheater aus Bonn („Vom Suchen und Finden“, 5.7., 18 h). Oder die trauriglustige Lyrik-Collage der Münsteraner „Weisheitsszene“ (5.7., 20.30 h). Auf dem „WILDwest“-Festival gibt es noch Helden, die Gustav heißen. Manche folgen dem Ruf „Ruhe bitte“ (6.7., 19 h), wenn es auch nicht gerade die letzte sein muss. Eine Kölner Truppe führt Generationen zusammen und das Theater Uhu traut sich gar an Weltliteratur – Kafkas „Amerika“ mit alten Mimen.

„Wildwest“ will aber doch mehr sein als eine Parade szenischer Möglichkeiten. Obwohl auch das schon nicht wenig wäre: die steigende Kreativität einer völlig anderen Alten-Generation zu dokumentieren. Zwischen ihr und der ihrer Eltern liegt ja eine Welt.

Kostenlose Workshops

Doch steuert das „Consol“ noch mehr bei. „Lebenslust“ heißt die Bilderschau im Foyer, mit der Ilona Nolte von all dem erzählt, was das neue Altsein ausmacht. Workshops für Interessierte öffnen drei Tage lang die „Schatztruhe des Lebens“ oder zeigen, dass man auch mit Herzschrittmacher oder falscher Hüfte „Bodysounds“ bringen kann. Es gibt moderierte Diskussionen, Vorträge über Kreativität im Alter. Der 74-jährige Wilhelm von Hoegen singt Paolo Conte – auf deutsch (6. Juli 21 h). Am 8. Juli, 14.30 h, steht Rosa Rasanta ihre Clowsnfrau.

Und die Hausseniorentheatergruppe des Consol lädt „von der Kaktuszucht bis zur Sommerfrische“ zum offenen Improvisieren (7. Juli, 21h). Deren Name übrigens erzählt von jener Geschmeidigkeit, die Theater einem auch im fortgeschrittenen Alter schenkt: Denn „Synovia“ heißt eigentlich Gelenkschmiere.

Lars von der Gönna


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