Open-Air-Konzert
Wie uns die Alten sungen: Carmina Burana
07.07.2010 | 13:56 Uhr 2010-07-07T13:56:00+0200
Mittelalter trifft Moderne: Eine Neu-Inszenierung der „Carmina Burana” präsentiert nun auch historische Klänge. Unter freiem Himmel kann man den Klassiker wieder live erleben – in Duisburg (9.7.), Essen (16.7.), Gelsenkirchen (15.8.) und Dortmund (25.8.).
Erst mit der Zeit erweist sich, was ein echter Klassiker ist. Carl Orffs Vertonung der „Carmina Burana” ist dafür ein prominentes Beispiel: So verunglimpfte Igor Strawinsky das 1937 uraufgeführte Werk ob seiner effekthaschenden Musik z.B. als „Neo-Neandertalismus” – gleichwohl gilt es heute als populärstes Chorwerk des 20. Jahrhunderts.
Die Veranstalter der aufwändigen Tourneeproduktion geizen in ihrer Ankündigung nicht mit werbewirksamem Vokabular. Von „atemberaubender Kulisse” oder „imposanten Einmärschen” ist die Rede, auch reichlich pyrotechnischer Einsatz wird versprochen. Klassikpuristen mögen da mit den Augen rollen, doch die „Carmina Burana” sind ohnehin längst im Mainstream angekommen. Den wuchtigen Chorsatz „Oh Fortuna” etwa kennt man aus zahlreichen Film-Soundtracks und Werbespots, sogar bei Heavy-Metal-Legende Ozzy Osbourne fand er Verwendung.
Carmina Burana 2010
9.7. Duisburg Landschaftspark Nord, 16.7. Essen Grugapark, 15.8. Gelsenkirchen Schlosspark Berge, 25.8. Dortmund Westfalenpark.
Karten (ca. 38-55 €) unter Tel.: 01805/280123 oder www.DerWesten.de/tickets
Freunde opulenten Klassik-Entertainments dürften bei der szenischen Neu-Aufführung des Orff-Klassikers also voll auf ihre Kosten kommen. Neben der Musik (interpretiert vom North Bohemian Philharmonic Orchestra und dem Chor der Prager Philharmonie) erwarten das Publikum Ballett-Choreografien sowie artistische Einlagen.
Eine Besonderheit der Produktion fasst der künstlerische Leiter Norbert Baxa unter dem Motto „Carmina contra Carmina” zusammen: Zur Aufführung kommen nicht nur die Kompositionen Carl Orffs; zu hören ist auch, wie einst die ursprünglichen Lieder geklungen haben mögen.
Hintergrund: Als Basis für sein Meisterwerk diente Carl Orff in den 1930er Jahren eine mittelalterliche Liedersammlung, die aufgrund ihres bayrischen Fundorts im Jahr 1803 den Namen „Carmina Burana” (dt.: „Lieder aus Benediktbeuern”) erhielt. Die meist lateinischen Texte aus dem Mittelalter vertonte Orff nach seinem Geschmack neu.
Nachempfindungen der Original-Melodien, die nur fragmentarisch überliefert sind, präsentiert im Rahmen der Open-Air-Tournee nun die Rosenberger Kapelle. Das tschechische Ensemble wird dabei auf originalgetreuen Instrumenten den Sound des Mittelalters wieder zum Leben erwecken. Dabei ergeben sich mal reizvolle Kontraste zum Veranstaltungsort – etwa wenn die „Carmina Burana”, wie am morgigen Freitag im Duisburger Landschaftspark, im spektakulären Industrieambiente zu erleben sind. Mal ergänzt aber auch eine historische Kulisse, wie im Gelsenkirchener Schlosspark Berge, stimmig das Gesamtbild.
Für Abende mit reichlich Atmosphäre sollte also gesorgt sein. Und wer weiß – vielleicht hätte daran sogar der kritische Igor Strawinsky seinen Spaß gehabt...
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