Wie Martin Luther die deutsche Sprache unters Volk brachte

Martin Luther (1483-1546) hat mit seiner Bibelübersetzung die Grundlage der heutigen deutschen Sprache geliefert.
Martin Luther (1483-1546) hat mit seiner Bibelübersetzung die Grundlage der heutigen deutschen Sprache geliefert.
Foto: getty
In der ersten Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ in Dresden wird klar: Eigentlich sprechen wir Deutschen alle sächsisch.

Dresden.. Martin Luther war nach Ansicht des Kunsthistorikers Dirk Syndram zu seiner Zeit eine starke Leitfigur für Deutschland. „Er war basisdemokratisch, ohne Anarchismus zu wollen“, sagt der Kurator der ersten Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ (15. Mai bis 31. Oktober) zum Reformationsjubiläum 2017 im Grünen Gewölbe von Dresden. Und auch in der Sprache hinterließ der rebellische Mönch interessante Spuren.

Welche besonderen Aspekte beleuchtet die Schau, die Sie kuratieren?

Dirk Syndram: Wir können nur einen Teil der Person Luther abbilden. Ein wichtiger Bereich ist die Sprache in der Verwaltung, wobei Luther das Sächsische kultivierte. Bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert war das die beste deutsche Sprache, danach die Sprache der Literaten.

Die obersächsische Kanzleisprache, die Luther für seine Bibelübersetzung nutzte, ist die Grundlage der heutigen deutschen Sprache. Wir sprechen im Grunde alle sächsisch.

Welche Rolle spielte die Sprache in seinem Tun?

Syndram: Es war die Sprache der Kanzlei, Amtssprache der Reichstage, eine Normsprache und überall verständlich. Luther hat sie durch Worte vergrößert, von Friedfertigkeit bis Mahnmal. Wer die Sprache hat, hat die Macht. Und Luther war ein großer Sprachschöpfer sowie ein Bestsellerautor. Ein Viertel der gesamten Veröffentlichungen dieser Zeit stammen von ihm.

Er war ein Promotion-Genie, der die damals neuen Medien nutzte: Was Twitter oder WhatsApp heute, waren damals Flugschriften. Luther hat geschrieben und es sofort zur Druckerei gebracht. Damit entschied er sich für Transparenz und Öffentlichkeit, auch in der Verwaltung. Er wendete sich sofort an alle, wollte die öffentliche Meinung, und die beeinflusste auch die Fürsten.

Wie ist sein Erfolg zu erklären?

Syndram: Luther war ein hervorragender Prediger und Lyriker, er verfasste Kirchenlieder wie „Eine feste Burg ist unser Gott“. Es geht darum, dass man für seinen Glauben einsteht, kämpft und stirbt, wenn es nicht anders geht. Er hat sich als der verstanden, der reformiert, den Glauben auf alte Grundsätze zurückführt und den Missbrauch beendet. Er war basisdemokratisch, ohne Anarchismus zu wollen.

Jede Generation bahnt sich einen Weg in die Zeit. Luther war damals das für Deutschland, was Mandela im 20. Jahrhundert für Südafrika war – eine starke Leitfigur.

Zur Person

Dirk Syndram (59) ist seit 1993 Direktor des Grünen Gewölbes und seit 2006 auch der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Für den Museumsverbund verantwortet er zudem seit 2002 den Ausbau des Residenzschlosses zum Museumszentrum.

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