Wie immer unfassbar: der einzig wahre Helge Schneider

Was wir bereits wissen
Und das ist auch gut so: Die Dokumentation „Mülheim Texas“, die in dieser Woche in unsere Kinos kommt, porträtiert den Künstler Helge Schneider als Gesamtkunstwerk.

Mülheim/Texas.. Helge Schneider ist einfach nicht zu fassen. Wer ihm je begegnet ist, wer mit ihm gesprochen hat, wird stets überrascht von einem Mann, den man vielleicht am besten beschreibt mit den Worten: Er ist der, der er ist. Jedenfalls meist. Insofern sollte man sich von der Dokumentation „Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort“ (Kinostart 23.4.) nicht zu viel versprechen. Aber näher wird man Schneider als Phänomen wie als Person wohl nie kommen.

Vier Jahre lang hat die Filmemacherin Andrea Roggon den Mülheimer begleitet, auf einer Tour, beim urkomischen Rangieren mit einem Traktor, beim Filmedrehen, bei einer Paddeltour auf der Ruhr, bei unzähligen Gelegenheiten, die zumindest annähernd den Facettenreichtum von Helge Schneiders Arbeit und Person erfassen.

Rebellion gegen die Normalität

Man erlebt Schneider etwa beim langen, akribischen Proben für eine Nummer, die am Ende wirken soll wie locker dahinimprovisiert. Umgekehrt kann Schneider sich in Windeseile an die Umstände anpassen, wenn sie sich ergeben: „Meine Perfektion kann auch wackelig sein“, sagt er dazu. Und: „Ich rebelliere gegen Normalität, gegen den Irrsinn der Normalität.“

Der Film liefert unter den erstaunlichen Einsichten auch jene, dass Schneider allein durch seine Person wirkt. So filmt Andrea Roggon während eines Auftritts minutenlang das Publikum, das sich kaputtlacht – während auf der Bühne keine greifbaren Pointen dargeboten werden. Die Choreografie dabei? Jazzhaft unberechenbar.

Man lernt den Musiker Helge Schneider besser kennen („Durch die Musik wird das Seelenleben transportiert“) genau wie den Clown und Menschen, hinter dessen lustiger Fassade sich Melancholie und geistige Tiefe finden („Ich akzeptiere das Leben wie den Tod, denn sonst kannst du als Clown nicht stark genug sein“).

„Ich spiele keine Rolle“

Ein starkes, und vielleicht auch notwendiges, Stützgerüst dieser Dokumentation ist ein Interview mit Schneider, das im Studio vor einem schwarzen Hintergrund aufgenommen wurde und das in viele der eindrucksvoll, aber doch auch recht frei montierten Szenen ein wenig mehr Klarheit bringt. Auch mit unvorhergesehenen kleinen Zwischenfällen. So flattert eine Motte durchs Studio, die Helge Schneider dann erschlägt – nicht ohne festzustellen, dass so etwas dann nicht ins Bild gehört: „Ich bin doch tierlieb.“ Nicht weil es sein Image ist, sondern weil es stimmt.

Andrea Roggon ist ein Porträt gelungen, das den Künstler nicht in Richtung eines Images trimmt, sondern versucht, die Person so zu erfassen, wie sie sich im Leben und beim Arbeiten gibt. Schneider dazu pointiert: „Ich spiele keine Rolle – und deshalb spiele ich auch gar keine Rolle.“ Bis jetzt ist es wohl niemandem gelungen, Helge Schneider näher zu kommen, ohne ihm wirklich ganz nahe zu kommen.