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Wie die Kunst zu den Politikern kommt

18.04.2008 | 18:29 Uhr

Bonn/Düsseldorf/Berlin. Die Bundesrepublik Deutschland sammelt Kunst. Eine halbe Million Euro gibt sie jährlich dafür aus. Ab und zu zeigt sie die Erwerbungen – wie jetzt in der Bonner Bundeskunsthalle. Auch andernorts wird von Staats wegen Kunst gesammel

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der erste sozialdemokratische Bundeskanzler, Willy Brandt, 1970 den Brauch absolutistischer Fürsten aufleben ließ und eine staatliche Sammlung zeitgenössischer Kunst begründete. Man sammelte und sammelte: Bekannte Namen wie Gerhard Richter und Rebecca Horn, Katharina Sieverding und Martin Kippenberger, Katharina Fritsch und Neo Rauch stehen im Magazinverzeichnis neben etlichen weniger bekannten. Ein fünfköpfiges Gremium berät den „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien” (derzeit Kulturstaatsminister Bernd Neumann), der den Empfehlungen meist folgt.

Kanzler Willy Brandtließ den altenBrauch aufleben

Die Zusammensetzung des Beratergremiums wechselte häufig, und so ergab sich eine recht bunte Mischung. „Die Sammlung hat keinen roten Faden”, bestätigt der neue Bundeskunsthallen-Chef Christoph Vitali trocken. Aber auch das kann seinen Reiz haben, zumal ein rotes Fädchen ja doch erkennbar bleibt – man sammelte eben, was jeweils angesagt war in den vergangegen 38 Jahren.

Was prägt sich besonders ein? Die Antworten werden verschieden ausfallen, doch fraglos ist Gerhard Richters Foto-Teilübermalung „Sekretärin” (1964) herausragend. Das Bild ziert folgerichtig Plakate, Katalog und Faltblatt der Bonner Schau. Auf einem raumgreifenden Triptychon erleben Anna und Bernhard Johannes Blume dramatische Szenen in einem blattlosen Wald und nennen das Ganze beziehungsreich „Hänsel und Gretel” (1990/91). Isa Genzken schuf eine überdimensionale Stehlampe und spielt mit heimeligen Empfindungen („Lampe”, 1994). Hanne Darbovens Schriftreihen, genannt „16., 17. und 18. Variation” (1975) hängen, verteilt auf 48 Bildtäfelchen, säuberlich an der Wand. Natürlich gibt es auch Beuys zu sehen, Wolfgang Tillmans und einen klitzekleinen Immendorff.

Auch im Land Nordrhein-Westfalen wird gesammelt, von (mindestens) zwei öffentlichen Stellen, von der Landesregierung und vom Landtag. Hier, im großen Rundbau am Rhein, ist Wolfgang Gärtner als Chef der Zentralen Dienste sozusagen auch des Landtags oberster Sammler. Der Landtag sammelt schon seit 1949, hat aber mit 50 000 Euro einen vergleichsweise schmalen Ankaufsetat. Um teuer einkaufen zu können, spart man mitunter mehrere Jahre. So wurde schließlich auch ein Immendorff für weit über 100 000 Euro erschwinglich, der (vor dem Plenarsaal!) einen Affen am Rednerpult zeigt. Ein riesiges Nagelbild von Günter Uecker ziert die gerundete Wand. Bilder hängen in großen Sälen und schmalen Fluren. „Vier Fünftel zeigen wir”, sagt Gärtner.

NRW-Bestände inAachener Abteials Streitpunkt

Um die Kunstsammlung des Landes ist vor einiger Zeit Streit entbrannt, als Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sozusagen laut darüber nachdenken ließ, sie aus der Abtei Kornelimünster bei Aachen nach Brauweiler bei Köln zu verlagern. Begründet wird der Umzug unter anderem mit der Möglichkeit, die Kunst dort besser zeigen zu können. Die Aachener würden die Sammlung jedoch gern in Kornelimünster behalten. Noch ist nichts entschieden.

Auch die Bundeskanzlerin sammelt. 50 000 Euro pro Jahr sind im Bundeshaushalt jährlich für Kunst im Kanzleramt vorgesehen. Das ist nicht viel, weil das Geld auch für (repräsentative) Hängungen und Restaurierungen reichen muss. Wenn doch mal etwas angeschafft wird, stehen Berater der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zur Verfügung, doch seit 1999 war das erst zweimal der Fall. Die Kanzlerportraits der Ahnengalerie müssen übrigens nicht von diesem Betrag bezahlt werden. Und die letzten kosteten gar nichts: Helmut Kohl (von Albrecht Gehse) und Gerhard Schröder (von Jörg Immendorff) waren geschenkt.

Rolf Pfeiffer

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