Wie Deutsche in den Vereinigten Arabischen Emiraten leben
08.12.2007 | 18:59 Uhr 2007-12-08T18:59:00+0100
Beatrix Gutmann berichtet über deutsche Auswanderer, die in Dubai eine neue Heimat gefunden haben.
"Welcome to the Future" - willkommen in der Zukunft verspricht die große Tafel am Flughafen in Dubai. Zur Passkontrolle ist es aber noch ein langer Weg.
An endlos vielen Countern sammeln sich endlos viele Menschen, die geduldig darauf warten, die glitzernde Metropole endlich entern zu dürfen. Nach 40 Minuten ist es geschafft. Die Dame im schwarzen Gewand, mit Kopftuch, stempelt das Visum in den Paß. 60 Tage lang behält es seine Gültigkeit.
Die Männer laufen in der traditionelle Disdasha, dem weißen Gewand, scheinbar planlos hin und her. Irgendwie komme ich mir ein wenig vor wie beim Karneval. In Dubai leben 1,3 Mio. Menschen. Davon sind gerade mal 200.000 sogenannte Locals, Einheimische. Die Bevölkerung wächst jährlich um 20 %.
Karl-Heinz und Elke aus Westfalen leben seit fast 10 Jahren in Dubai. Karl-Heinz ist selbständiger Projektleiter und arbeitet für ein deutsches Unternehmen, dass sich auf Böden aller Art spezialisiert hat. Ich frage Elke, ob Sie sich vorstellen kann, für immer in Dubai zu leben? „Für mehrer Monate im Jahr lebe ich in Deutschland, wir haben dort noch eine Wohnung. Ich fahre im Sommer, wenn es hier mehr als 50 Grad heiß ist, nach Hause. Karl-Heinz kommt mich in der Zeit so oft besuchen, wie es ihm möglich ist. Karl-Heinz ist Ende 50 und er wird in Deutschland kaum noch die Chance auf einen Job haben. Wir müssen also bis zu seiner Rente warten, bis wir wieder zurück nach Deutschland gehen. Als Renter kann man in Dubai nicht leben“ sagt Elke.
Was hat sich in den letzten 10 Jahren hier verändert? „Alles,“ sagen Elke und Karl-Heinz, „die Bevölkerung hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Straßen sind permanent verstopft und der Bauboom nimmt kein Ende."
Tatsächlich, es gibt nirgends auf der Welt so viele Baukräne wie in Dubai. Jeder dritte Hochkran, der weltweit existiert, steht hier. „Ich war im Sommer für 4 Monate in der Heimat, als ich zurück kam, waren ganze Straßenzüge einfach verschwunden“, weiß Elke zu berichten. „Es gibt fast täglich Veränderungen.“ Karl-Heinz fährt jeden Tag die rund 40 Kilometer zu seinem Büro, das in der Freihandelszone Jebel Ali liegt. „Früher habe ich für die Strecke nicht mehr als eine halbe Stunde benötigt, heute sind es auch gerne schon einmal 2 Stunden.“
Was sie an Dubai schätzen und was sie weniger mögen, möchte ich wissen. „Uns fehlt es, einfach mal hinaus in die Natur zu gehen, man muss schon kilometerweit in die Wüste fahren, um ein wenig Stille genießen zu können.“ Ein Teil der Wüste ist abgegrenzt, ein Zaun soll verhindern, dass die in der Wüste lebenden Tiere auf die Straße laufen oder sich in die Städte verirren. Elke berichtet, das sie bei einem Wüstenausflug einen aufgeregten Springbock entdeckte, der verzweifelt versuchte, den Weg zurück ins abgegrenzte Territorium zu finden. Er war durch eine Öffnung im Zaun auf die Straße geraten. „Mir zerreißt es das Herz, wenn ich so was sehe“, sagt Elke.„Auf der anderen Seite bietet Dubai viel Komfort, man kann günstig einkaufen, hat den Strand vor der Tür, es gibt keine Kriminalität. Kein Mensch muss Angst haben, überfallen zu werden.“
Ein großer Vorteil ist, dass in Dubai das Einkommen nicht versteuert wird. Es gibt hier weder Einkommens- noch Vermögenssteuer. Dadurch, dass es zwischen den VAE und Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen gibt, unterliegt das Einkommen weder in Dubai noch in Deutschland einer Steuerpflicht. Voraussetzung dafür ist, dass man mindestens 183 Tage im Jahr in Dubai lebt.
„Kürzlich fuhr ein Wagen in die Wafi-Mall, direkt in ein Juweliergeschäft. Der Fahrer und seine Begleiter haben den Laden ausgeräumt. Keiner hat sie aufgehalten. Die Passanten dachten, es würde ein Film gedreht.“ berichtet Karl-Heinz. Wenige Tage später wurden die Diebe gefasst, es handelt sich angeblich um Osteuropäer.
Sandra und Carsten leben seit fast 3 Jahren in Sharjah, das Emirat liegt ca. 30 KM nördlich von Dubai. Unter anderem vermieten Sie hier Gästezimmer, die fast ausschließlich von Deutschen angemietet werden. Carsten bietet außerdem Ausflüge in die Wüste an. Wer gerne einmal mit dem Quad über die Dünen ahren möchte, oder eine Jeepsafari unternehmen will, der hat hier die Gelegenheit dazu.
„Warum gerade die Emirate?“ lautet meine Frage an Carsten und Sandra. Carsten berichtet, dass er als Jugendlicher bereits mit seinen Eltern in Kairo gelebt hat und sich in Deutschland einfach nicht mehr wohl fühlt. Auch Sandra hat einige Jahre im sonnigen Kalifornien gelebt. „Mir liegt einfach die arabische Mentalität, ich kann hier besser agieren als in Deutschland. Ich vermisse weder das schlechte Wetter noch die schlechte Laune der Deutschen." Der sechsjährige Sohn der Beiden geht auf die Australische Internationale Schule. „Ihm fällt es leicht, deutsch und englisch zu sprechen“, sagt Sandra. „Wir reden zuhause deutsch mit ihm, damit er seine Muttersprache nicht verlernt.“
„Könnt Ihr Euch vorstellen, für immer hier zu bleiben?“ möchte ich wissen. „Bestimmt nicht,“ ist sich die Familie einig. „Aber zurück nach Deutschland gehen wir auf keinen Fall. Costa Rica soll sehr schön sein“ schwärmt Carsten.
Immer mehr Deutsche suchen ihr Glück im Ausland. In Dubai lässt es sich gut leben, solange man für seinen Lebensunterhalt sorgen kann. Wer einen Scheck platzen lässt, wird ausgewiesen. Wer straffällig wird, dem drohen hohe Gefängnisstrafen.
Plakate in Jumeirah kündigen den Baubeginn von Wolkenkratzern an, die deutsche Sportler ehren sollen. Die „Michael-Schumacher-Business Avenue“ und der „Boris-Becker-Tower“ werden in wenigen Monaten in Dubai entstehen. Damit sollen die größten deutschen Sportler geehrt werden. Verrückte Welt.
Das neueste und spekatulärste Projekt von Sheikh Rashid al Maktoum, Kronprinz von Dubai ist „The World Dubai“. Es soll eine Megainsel aus 300 kleinen Inseln bestehend vor der Küste Dubais aufgebaut werden. Auf den Inseln entstehen exklusive Villen und Häuser mit privaten Yachthafen. „Äthopien“ ist bereits für das Promipaar Angelina Jolie und Brad Pitt vorgesehen, die diese Insel zu Ehren Ihrer Adoptivtochter Zahara erstehen werden. Das Kind wurde in Äthopien geboren. Die zwischen 2 und 4 Hektar großen Inseln kosten mehrere Millionen Dollar und stehen somit nur den Superreichen zur Verfügung.
Die Kehrseite der Medaille: Es wurden bereits veränderte Strömungsverhältnisse festgestellt, was weitere Bauarbeiten nach sich zieht. Es gibt ein ähnliches Projekt „The Palm Jumeirah“ eine künstliche Inselgruppe in Palmenform. Zwei weitere Inselpalmen sind geplant. Noch vor Fertigstellung der ersten Inselgruppe muss bereits neuer Sand angeschüttet werden, weil das Meer keine Rücksicht darauf nimmt, was der Mensch zusätzlich erschafft. Bleibt abzuwarten, wie weit sich die Natur vergewaltigen wird und wann der Bauwahnsinn ein Ende hat.
15:35
Hier ein Blog zum Thema - Wafi-Mall:
http://onebigconstructionsite.blogspot.com/2007/04/wafi-heist.html
12:30
Genau, und was die Oasen fuer die Topmanager angeht so kann ich nur sagen, dass wir hier in den emiraten haerter arbeiten muessen als wahrscheinlich irgendwo anders auf der welt um nicht nur erfolgreich zu sein sondern um vielmehr ueberhaupt existieren zu koennen. Ein Arbeitstag von 14 Stunden ist bei mir die Regel, Wochenende gibt es keins da hier grundsaetzlich immer Geschafte betrieben werden, und, und, und.
11:03
Nun ja, Oasen werden da keinesfalls geschaffen. Wer da wohnt, der muss da auch arbeiten. Ohne Job verfällt die Berechtigung zum Aufenthalt. Und ob es erstrebenswert ist, in einem Hochhauspark zu wohnen wage ich auch mal zu bezweifeln....zumal die Mieten dort nicht gerade die niedrigsten der Welt sind.
11:57
Ja, da werden die Oasen für unsere Top-Manager geschaffen, damit diese der von ihnen verursachten Verelendung in Deutschland entfliehen können.
11:34
Auch in der scheinbar heilen Welt, lässt sich Kriminalität nicht vermeiden.
22:52
Saubere Pressearbeit: Erst , keine Kriminalität- niemand wird überfallen,
dann der angebliche Osteuropäer, der den Juwelenjupp beehrte. Watt denn nu?
Costa Rica ginge auch hier: Armee abschaffen- leben!