Wie der Hellweg von Unna bis Lippstadt zum Lichtweg wurde

Das  Lichtkunstwerk „Netzkarte“ von Licht- und Klangkünstler Rochus Aust an der Präsidentenstraße in Bergkamen.
Das Lichtkunstwerk „Netzkarte“ von Licht- und Klangkünstler Rochus Aust an der Präsidentenstraße in Bergkamen.
Foto: Frank Vinken / dwb
Was wir bereits wissen
Eine Region setzt auf Kunst: Leuchtende Landmarken lassen von Unna bis Lippstadt die Nacht erstrahlen. Entstanden ist eine zusammenhängende Route.

Unna/Lippstadt.. „Hellweg“ hieß der alte Handelsweg von Duisburg nach Höxter seit dem Mittelalter, weil er in Breite einer Speerlanze von Bäumen und Büschen frei gehalten wurde. Dass er stets aufs Neue wieder gelichtet wurde, war das „Helle“ daran – und heute ist ein Teil dieses alten Hellwegs wieder ein Lichtweg. Seit ihrer Gründung 2002 verbindet die Initiative „Hellweg – ein Lichtweg“ die Lichtkunstwerke, die in der Region zwischen Lünen und Schwerte im Westen und Lippstadt im Osten entstanden sind, zu einer zusammenhängenden Route.

Pulsierende Lichteffekte

Dazu gehören einige Licht-Landmarken des Reviers wie Mischa Kuballs „Ostpol“ mit gelben Leuchtstreifen am 68 Meter hohen Förderturm der stillgelegten Zeche Königsborn in Bönen, das Gegenstück zum „Westpol“ in Kamp-Lintfort. In Bergkamen haben die Ruhrgebietssöhne Maik und Dirk Löbbert den „Impuls Bergkamen“ gesetzt, ein „Ehrenmal für die Bergleute Bergkamens und ein Denkmal für alle Kumpel weltweit“ auf der „Adener Höhe“, einer Bergehalde, 33 Meter hoch. 14.400 LED-Leuchten sorgen auf dem höchsten Punkt der Stadt für einen pulsierenden Lichteffekt – beginnend mit dem Einbruch der Dämmerung, bis nachts um ein Uhr.

Verlosung: Rundreise zu Stationen des Lichtwegs Wie denn überhaupt Besucher, die möglichst viel Lichtkunst sehen wollen, sich am besten in der dunklen Jahreszeit auf den Hellweg-Lichtweg machen – an lauen Sommerabenden mit viel Muße erschließen sich wohl dagegen eher einzelne Werke in ihrer Schönheit. Eine Projektion des Isländers Egill Sæbjörnsson auf den Neubau des Kunstmuseums Ahlen etwa taucht das Gebäude in eine Wellenkaskade und verändert seine Erscheinung vollkommen.

In Hamm hat der Duisburger Horst Rellecke die „Regenbogenbrücke“ geschaffen; an der Hafenstraße läuft Licht in allen erdenklichen Farben in zwei großen Halbbögen über der Radbod-Brücke.

Erleuchtet von innen

Strahlend weiß gleißt hingegen Kazuo Katases „Helle Kammer“ auf dem Rohrmeisterei-Plateau in Schwerte, ein Würfelgitterwürfel, und ganz wie der Glaube in Asien erleuchtet von innen. Fast um die Ecke hat die inzwischen in Köln ansässige und in Schwerte aufgewachsene Rosemarie Trockel einen Brunnen mit Fontänen, Düsen, Wassernebel und Schwallrohren gestaltet, so dass Wasser und Licht im Rhythmus eines Schwerter Heimatliedes sprudeln können.

Glasgewächshaus mit Neonzeichen

Manche Städte wie Soest und Fröndenberg sind nur mit einem Werk bei „Hellweg - ein Lichtweg“ vertreten. Andere wie Lippstadt haben gar eine ganze Lichtkunst-Promenade eingerichtet, die mittlerweile zehn verschiedene Kunstwerke umfasst. Christoph Hildebrand hat dort ein Glasgewächshaus mit Neonzeichen auf ein Floß aus rohen Stämmen gebaut („Arche“), Claudia Wissmann hat aus einer riesigen Kastanie einen „Glitzerbaum“ gemacht, indem sie hunderte von Spiegelketten wie ein zweites Laub hineinhängte. Gunda Förster lässt im Dunkeln die Schriftzüge „SCHWIMMEN“ und „FLIEGEN“ aufscheinen – und durch Überlagerung wird irgendwann ein „SCHWEIGEN“ daraus. Verbunden mit einem offenen Mund ist das ja oft die Folge von Lichtkunst.