Westfalen feiert Geburtstag – in Dortmund

Dortmund..  Was ist Westfalen? „Mehr als nur Pferde, Pils und Pumpernickel“, sagt Matthias Löb. Der Mann muss es wissen. Er ist Chef des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Sein „Reich“ erstreckt sich bis zu den Grenzen der alten Preußenprovinz Westfalen. Die wurde vor 200 Jahren von König Friedrich Wilhelm III. gegründet, am 30. April 1815 und als Ergebnis des Wiener Kongresses, der Europa nach den Napoleonischen Kriegen neu aufteilte. Und sie brachte den Fortschritt – sagen die Historiker. Also feiert das moderne Westfalen in diesem Jahr Geburtstag. Gefeiert wird am 27. Juni mit dem Westfalentag in Münster – und dann wird Dortmund zum Mittelpunkt der Party.

Dortmund als „Gelenk-Stadt“

Mit einer großen Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) will man dem Geburtstagskind ein wenig besser auf die Spur kommen: „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ Das brachte Oberbürgermeister Ullrich Sierau gestern dazu, an Ort und Stelle vor der versammelten Presse die zweite Strophe des „Westfalenliedes“ anzustimmen. Johannes Rau fasste deren Sinn ja so zusammen: „Die Westfalen halten, was die Rheinländer versprechen.“

Nein, sagt Brigitte Buberl, die Kuratorin der Ausstellung, die am 28. August anläuft, die westfälische Identität werde man im MKK weder stiften noch zeigen können. Es gehe vielmehr darum, Facetten des westfälischen Lebens und seine 200-jährige Geschichte zu zeigen; in verkleinerter Form wird die Ausstellung später noch an acht weiteren Orten Westfalens zu sehen sein. Natürlich wird dabei die eine oder andere Kiepe zu sehen sein, „ein Transportmittel für Innovationen aus Holland“, sagt Brigitte Buberl. Es geht aber auch um Liebesschlösser aus Wetter, um Kaffeefilter aus Minden und dann doch um Pumpernickel, von dem Voltaire in seiner Satire „Candide“ behauptete, die Westfalen äßen „harte, schwarze Steine“.