Werner Herzog präsentiert Hercules Seghers in Köln

Ansicht von Wageningen: Eine Seghers-Radierung in Blau auf gelblichem Papier, grün laviert
Ansicht von Wageningen: Eine Seghers-Radierung in Blau auf gelblichem Papier, grün laviert
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Videoinstallation und viele geniale Drucke: Werner Herzog präsentiert im Wallraf-Richartz-Museum Werke des Rembrandt-Zeitgenossen Hercules Seghers.

Köln.. „Es war mir, als hätte mir über die Tiefe der Zeit hinweg ein Unbekannter den Arm ausgestreckt und die Hand auf die Schulter gelegt, damit ich nicht mehr allein sei.“ So schildert Werner Herzog, seit Filmen wie „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“ ein Klassiker des deutschen Films, seine erste Begegnung mit Werken des genialen niederländischen Kupferstecher Hercules Pieterszoon Seghers (von dem man weder sicher weiß, ob er 1589 oder 1590 geboren wurde, noch, ob er 1635 oder 1638 betrunken eine Treppe hinabstürzte und starb).

Fest steht allemal, dass sich die Schriftstellerin Netty Reiling aus Begeisterung für den Künstler das Pseudonym Anna Seghers zulegte. Und dass Werner Herzog Seghers-Radierungen in seiner bislang einzigen Videoarbeit verarbeitete, im „Hörensagen der Seele“ mit der getragenen Musik des Niederländers Ernst Reijseger. Die Bildfolge ist nun zusammen mit Werken des großen Radierers im Wallraf-Richartz-Museum zu sehen.

Größter Fan war Rembrandt

Der größte Seghers-Fans vor Werner Herzog war übrigens Rembrandt. Er besaß acht der zehn Gemälde, die der so früh gestorbene Seghers zeitlebens schuf. Aber nicht die ließen den Regie-Großmeister Feuer und Flamme sein, sondern Seghers’ Radierungen: Der Mann schuf Landschaften, die nicht nach der Natur gearbeitet waren wie bei seinen Zeitgenossen, sondern wie Seelenspiegel wirkten, schattenhafte Kopfgeburten.

Motivisch scheinen Seghers’ Stadt-, Wald- und Wiesenansichten manchmal die Grafik des Surrealismus vorwegzunehmen, so viel unterschwellige Drohung und Gefahr ist ihnen eingearbeitet. Da taucht in einigen Landschaften unvermittelt die Takelage eines Segelschiffes auf, da ragen abgestorbene Baumstämme ins Bild. Gespenstische Idyllen, wenn es so etwas gibt, und für Werner Herzog mindestens Fenster ins eigene Innere.

Pure Experimentierfreude

Technisch war Seghers von einer Experimentierfreude, die ebenfalls erst wieder in späteren Jahrhunderten erreicht wurde. Er lavierte das Druckpapier mit Aquarellfarben oder übermalte die fertigen Drucke, er druckte auf dem Leinenzeug seiner Bettwäsche, wenn ihm das Geld für das damals so teure Papier fehlte. In Köln sind – neben einzelnen Werken von Zeitgenossen – zudem einige Drucke in mehreren Zuständen zu sehen: Der Prozess, in dem Seghers seine eigenwilligen Färbungsverfahren entwickelte, liegen so klar zutage, auch wenn die Ausstellung im abgedunkelten Souterrain des Museums angesiedelt ist.