Wer nicht hören will, muss fühlen
01.04.2008 | 18:00 Uhr 2008-04-01T18:00:00+0200
Über Orangenhaut, Trekkingsandalen und Arschgeweihe hat sie sich auf dem Album „Weiblich, ledig, 40” ausgelassen. Jetzt knöpft sich Ina Müller unsere Beziehungsnöte vor: „Liebe macht taub” heißt das neue Werk. Carsten Dilly sprach mit der 42-Jährigen.
Ina, vorab müssen wir mal etwas klären: In deinem letzten Programm hast du dich gerne und oft über das Rheinland ausgelassen – was missfällt dir denn an der Region?
Müller: Naja, ich habe oft versucht, mit dem Rheinland warm zu werden. Aber wir mögen uns gegenseitig einfach nicht. Vielleicht ist es auch der Menschenschlag, der mir nicht so liegt. Aber solche Diskussionen sind doch ermüdend, oder?
Wohl wahr. Reden wir also über Musik: Dein erstes Album „Weiblich, ledig, 40” hat mittlerweile Gold-Status erreicht – Gratulation!
Müller: Danke! Das ist schon sehr ungewöhnlich für ein Album, das sich so von hinten angeschlichen hat. Ich bin ja nie mit einem Song bei „Wetten, dass..?” oder so aufgetreten. Umso schöner.
Du bist als Solo-Künstlerin jetzt schon erfolgreicher als in den gut zehn Jahren zuvor mit deinem Kleinkunst-Duo „Queen Bee”. Hast du dich endgültig emanzipiert?
Müller: Ja, aber die Sache mit dem Duo habe ich schon seit 2005 aus dem Kopf. Mein Plan war ja nie, mit „Queen Bee” aufzuhören, um berühmt zu werden. Ich wollte nur einfach etwas anderes machen. Und ich fühle mich jetzt viel freier als damals. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass ein Duo nicht die einfachste Form für die Beteiligten ist. Noch dazu, wenn's zwei Frauen sind! Ihr in NRW kennt das ja von den Missfits her. Da geht es um mehr als bloß um Eitelkeit.
Apropos: Wie eitel bist du?
28.10. Dortmund (Konzerthaus)
29.10. Essen (Philharmonie)
30.10. Münster (Halle Münsterland)
8.12. Düsseldorf (Tonhalle).
Karten gibt es für ca. 23-51 € in unserem TICKET-SHOP, für Düsseldorf: 0211 / 8996123.
Müller: Ein wenig. Heute zum Beispiel habe ich einen Riesenpickel im Gesicht entdeckt. Da könnte ich fluchen! Dann denke ich: So, jetzt bist du über 40, viele Sachen hast du nicht mehr, kannst damit auch gut leben – aber Pickel!? Ich dachte, damit wäre man nach der Pubertät durch.
Du möchtest also nicht noch einmal 18 sein, oder?
Müller: Nö, gerade vom Kopf her nicht. Mit 18 war ich konturlos: weich, rund und gar nicht wissend, was so los ist. Ich bin auch total froh, dass ich erst mit 30 auf die Bühne gefunden habe. Mit 18 wäre ich da vor die Hunde gegangen.
Der Titelsong deines neuen Albums heißt „Liebe macht taub”. Hörst du oft weg?
Müller: Wenn wir ehrlich sind, dann tun wir das doch alle in einer Beziehung. Man sitzt beim Frühstück zusammen, liest sich gegenseitig aus der Zeitung vor und kann dem anderen durch die Augen praktisch bis zur Schädeldecke gucken. Da gibt es nur eine Alternative: Schweigen.
Das klingt so, als hättest du die Situation oft erlebt...
Müller: Stimmt schon. Die neue CD ist deshalb auch so authentisch. Ich war bei den Aufnahmen emotional aufgewühlt – und so ein Song kommt eben dabei heraus.
Das macht mich jetzt neugierig: Was war passiert?
Müller: Du kennst das doch auch: Manchmal ist man verliebt, manchmal getrennt, manchmal weißt du auch nicht, ob du mit einer Beziehung weiter machen sollst oder nicht. Es war ein Wechselbad der Gefühle.
Ein gutes Stichwort: Wie gelingt es dir, bei deinen Auftritten immer die Waage zwischen Melancholie und Komik zu halten?
Müller: Das gelingt mir, weil ich das sehr gerne mache. Ich liebe die Achterbahn der Emotionen, die Lichtwechsel auf der Bühne – wenn auf eine derbe Pointe ein todtrauriges Lied folgt und dem Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleibt.
Das wird auch bei deiner nächsten Tournee so sein?
Müller: Klar. Die neue CD ist zwar ein Schritt weg vom Reden und hin zum Singen. Aber bei den Konzerten werde ich wieder zur Hälfte Musik machen und irgendwas Lustiges erzählen. Man will die Leute ja nicht mit Trauer totklatschen.
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