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Wenn der Sommer mitspielt im Freilichttheater

16.07.2010 | 18:44 Uhr
Wenn der Sommer mitspielt im Freilichttheater
„Peter und der Wolf“, aufgeführt von 170 Kindern in der Freilichtbühne Mülheim.

An Rhein und Ruhr.Theatersommer, das ist nicht nur fesches Salzburg oder nicht enden wollender Wagner in Bayreuth. Theatersommer, das kann eine warme Nacht auf Holzbänken sein, mal Amateur-Klamotte im Dämmerlicht, mal Königsmord auf hoher See. Und ist die Frau Holle da unten nicht die Metzgersfrau von nebenan? Finden Sie’s selbst heraus - bei unserem Blick auf die Freilichttheater der Region.

Höntrop/Wattenscheid

Wo es schon mit dem gekickten Sommermärchen vorbei ist, möchte man mit Kind und Kegel vielleicht trotzdem in jene Welt reisen, in der das Wünschen noch geholfen hat. Zuverlässig reichlich Märchen sind jährlich auf der Waldbühne von Höntrop/Wattenscheid (dont call it Bochum!) zu Gast. Da holen Laien den Knüppel aus dem Sack oder lassen ihr goldenes Haar herab: Gestiefelter Kater, Tischlein deck dich und Rapunzel erwecken Volksbühne Wattenscheid und Kolpingspielschar zum Leben. Außerdem diesen Sommer im Repertoire der Waldbühne, die auch preislich familienfreundlich auftritt: Pinocchio, Froschkönig und Biene Maja. Auf Erwachsene wartet Eichendorffs „Leben eines Taugenichts”. Und weil das der publikumsfreundlicheste Satz ist, den wir je gehört haben, sei ein Motto der Höntroper an dieser Stelle erneut zitiert: „Auch bei ausverkaufter Vorstellung keine Abweisung.”

Vorstellungen (16.30h) bis Ende August. Karten 5/4 €. 50 % Rabatt für Ferienpassbesitzer. Karten an der Tageskasse. Spielplanansage Tel.: 02327 - 786817

Ratingen

Wenn man bei jedem Wetter spielt, darf man den Mund auch mal ein bisschen voller nehmen. Die „wahrscheinlich schönste Naturbühne Deutschlands” nennt sich Ratingens Kulisse am blauen See. Das Wasser muss kein Bühnenbildner schaffen, es ist reichlich vorhanden und das passt prima zum aktuellen Stück 2010. „Mein Freund Wickie” lockt mit zwei Stunden familientauglichem Wikinger-Theater in freier Wildbahn. Nach Informationen dieser Zeitung locken sogar Stunts zu Wasser, zu Lande und, naja, ein bisschen in der Luft. Dazu gibt’s Musik und Tanz und etwas, was wirklich nicht jede Freilichtbühne bietet: Am Ende jeder Vorstellung Schauspieler „zum Anfassen”.

Aufführungen bis 12. September. Tickets (je nach Anfangszeit und Alter 7 bis 12 €) unter: 01805 - 300 411 oder über www.theaterconcept.de.

Coesfeld

Coesfeld ist längst ein Insider-Tipp für Freunde lauschiger Theaternächte. Diesmal könnten sie noch ein bisschen heißer werden als gewöhnlich. Denn das auf Musicals spezialisierte, äußerst ehrgeizige Amateur-Ensemble öffnet die Türen zum legendären „Studio 54”. New Yorks schicke Lasterhöhle der späten 1970er wird zum Vehikel der Songs dieser ziemlich speziellen Club-Ära. Natürlich gibt es auch jugendfreieres: zum Beispiel am gleichen Schauplatz das aktuelle Familienmusical „Der kleine Tag”.

Aufführungen bis 4. September. Karten je nach Stück 6 bis 14 €. Tel. 02541 - 3355

www.freilichtbuehne-coesfeld.com

Hamm-Heessen

Seit 1924 wird im Westfälischen Hamm-Heessen ein ganzes Städtchen mobilisiert, um pralles Freilichttheater zu bieten. Kulissen werden gezimmert, es wird genäht und gesungen, man liebt Theaterdonner und Effekte. Zu denen zählen heuer todsicher satte Kanonenschläge, schließlich machen Cäptn Hook und seine finstre Mannschaft Jagd auf „Peter Pan”. Das verspricht großes Kino unter großen Bäumen - nicht nur, weil in der spaßigen Inszenierung auch Heintjes ”Maamaaaa” gesungen wird. Neben „Peter Pan” sind die insgesamt über 100 Akteure noch im Musical „Oklahoma” und im „Dschungelbuch” zu sehen.

Aufführungen bis 12. September, je nach Stück morgens, nachmittags oder abends. Karten von 8,10 bis 13,10 €.

Tel. 02381-309090

www.waldbuehne-heessen.de

Xanten

Meist ist Freilichttheater diese charmante Mischung aus Blätterrauschen, Mückenstich und einer Prise Kultur. In Xanten aber atmet schon die Bühne selbst Geschichte. Das dortige Amphitheater erzählt selbst ein bedeutendes Stück Besatzungs- und Kulturhistorie. Es handelt sich um einen Nachbau des einstigen Schauplatzes für Brot, Spiele und dergleichen. Die Zeiten der Römer sind natürlich museal, gespielt wird aber weiter. Meist sind Opern- und Operettenproduktionen von Tourneetheatern zu Gast. Die eher konventionellen Inszenierungen kaufen dem Zauber einer Nacht im Archäologischen Park aber nicht den Schneid ab. In diesem Jahr gibt es „Turandot”, „Bettelstudent”, „Die Schöne und das Biest” aber auch eine Elvis-Show. Da hat Rock dann doch die doppelte Bedeutung, wo wir doch auf Stein über den King staunen.

Gespielt wird im August. Karten je nach Stück 38 bis 88 €. Achtung: Einige Veranstaltungen sind im kleinen Amphitheater in Xanten-Birten, eine Waldbühne - beim Reservieren klären!

02801-983011

www.sommerfestspiele.de

Hohensyburg

Sie denken beim Namen Hohensyburg an Spielen? Dann schieben Sie für einen Moment mal alle Gedanken über Roulettetische und einarmige Banditen an die Seite. Die symphatischen Spielsüchtigen finden sich allein im Freien. In Dortmunds Süden erwartet die „Naturbühne Hohensyburg” seit 1952 im Schatten alter Bäume ihr Publikum. Wie immer haben sie beim Programm Wert auf Kinderfreundliches u n d Theater für die Großen gelegt. Das heißt, dass es neben dem zauberhaften Kindermädchen „Mary Poppins” und einer Bühnenfassung von Cornelia Funkes Jugendkultbuch „Tintenherz” am Abend Michal Frayns „Der nackte Wahnsinn” gibt - eine tollkühne Komödie übers Theaterspielen.

Aufführungen bis Mitte September. Karten 5 bis 8 €. Info unter 0172 - 241 2680 oder www.naturbuehne.de

Elspe

Und natürlich wäre es eine wildwestliche Sünde, den berittenen Klassiker unter den Freilichtspektakeln zu unterschlagen: die Karl-May-Festspiele zu Elspe. In diesem Jahr spielen sie im „Tal des Todes”, womit natürlich nie und nimmer die liebliche Naturbühne im Sauerländischen gemeint sein kann. Treu bleibt man sich hingegen im Ensemble: Das Verhältnis Mensch zu Pferd beträgt wie stets 60 zu 40.

Aufführungen bis 5. September,

Tickets 24,90 Euro (Kinder 19,90). Info 02721-94440.

www.elspe.de

Lars von der Gönna

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