„We Will Rock You“: Die haarigen Männer sind zurück

„We Will Rock You“ feiert jene Zeiten, „als haarige Männer mächtige Instrumente spielten und Mädchen ihre Höschen warfen“.
„We Will Rock You“ feiert jene Zeiten, „als haarige Männer mächtige Instrumente spielten und Mädchen ihre Höschen warfen“.
Foto: Nilz Böhme
Was wir bereits wissen
Die Neufassung des Queen-Musicals „We Will Rock You“ geriert sich modern – und feiert doch die guten alten Zeiten.

Köln.. Als das Queen-Musical „We Will Rock You” Ende 2004 in Köln seine Deutschlandpremiere erlebte, hatte eine Britin namens Amy Winehouse zwar schon den ersten Plattenvertrag in der Tasche, aber der weltweite Durchbruch mit „Back To Black“ kam erst drei Jahre später. Der Kurznachrichtendienst Twitter war noch nicht erfunden, auch das IPad nicht, und kein Mensch hätte damals gewusst, was zum Teufel denn „Loom“-Bändchen sind. All das hat nun in die Neufassung von „We Will Rock You“ Eingang gefunden. Am Sonntag hatte sie Premiere im Kölner Musical Dome.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei unangepasste Schüler, ein Junge und ein Mädchen, die in einer gleichgeschalteten Zukunft versuchen, ihr Recht auf Selbstbestimmung, Glück und Liebe zu verwirklichen. Was ihnen, via Musik, auch gelingt, wobei sie dann prompt noch die Welt retten. Für Christopher Brose als Galileo Figaro und Jeannine Wacker als Scaramouche sind das Paraderollen. Mimisch und stimmlich gleichermaßen stark, können sie nur gewinnen. Anders sieht das für die Macher des Musicals aus. Zwischen Köln damals und Köln heute liegen zwar „nur“ gut zehn Jahre, aber dahinter verbirgt sich ein Quantensprung.

Realität überholt Fiktion

Die Neufassung geriert sich modern – und feiert doch zugleich die guten alten Zeiten, „als haarige Männer mächtige Instrumente spielten und Mädchen ihre Höschen warfen.“ Zur Erinnerung: die Band „Queen“, die mit 21 teils eingedeutschten Songs das musikalische Unterfutter für „We Will Rock You“ liefert, wurde 1970 gegründet. Frontmann Freddie Mercury starb 1991, Gitarrist Brian May wird bald 68, Drummer Roger Taylor ist 66. Menschen, die miterlebten, wie „Killer Queen“ (1974), „Another One Bites The Dust“ (1980) oder „Radio GaGa“ (1984) die Charts eroberten, sind heute um die 50 oder älter. Kann ein junges, ein richtig junges Publikum mit dieser Musik noch etwas anfangen? Anstelle der Pop-Plasma-Welten von Cyrus, Grande und Co.?

Musical Zum Teil hat die Realität die Fiktion (und bei der deutschen Erstaufführung 2004 war die Story von „We Will Rock You“ noch Fiktion) heute schon eingeholt. Boygroups sind gecastete Bands, die kein Instrument spielen, Playback gehört zum digitalen Ton und wenn die Lehrerin im Stück ihren Abiturienten rät: „Geht nach Hause, macht die Vorhänge zu, bestellt euch Pizza und geht online“, dann ist das keine Ironie, auch wenn’s so klingen soll.

Neben Brose und Wacker profitiert das Musical von weiteren exzellenten Darstellern wie Martin Berger (Kashoggi), Goele de Raedt (Killer Queen) oder Markus Neugebauer (Brit). Auch die Tanzszenen und die überarbeiteten Videoeinspielungen sind unbedingt sehenswert.

Nach drei Stunden (mit Pause) tobt das Premierenpublikum. Und hält die Handys hoch.

Bis Sonntag, 16. August, Musical Dome, Goldgasse (Breslauer Platz). Spielzeiten: Di. bis Fr. 19.30 Uhr, Sa. 14.30 und 19.30 Uhr, So. 14.30 Uhr. Mo. spielfrei. Tickets 25,90 bis 89,90 Euro, zzgl. Geb. (50 Prozent Erm. für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre). www.wewillrockyou.de