Warum Stefanie Heinzmann keine deutschen Texte singt

Divenhafte Attitüden sind ihr fremd: Stefanie Heinzmann wirkt nach wie vor wie das Mädchen von nebenan.
Divenhafte Attitüden sind ihr fremd: Stefanie Heinzmann wirkt nach wie vor wie das Mädchen von nebenan.
Foto: Martin Möller

Stefanie Heinzmann live in Dortmund - wir verlosen Tickets

Wir verlosen drei Mal zwei Karten für das Dortmunder Konzert der "Chance of Rain"-Tour.
Di, 19.01.2016, 11.49 Uhr

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Entgegen dem Trend singt Soul-Röhre Stefanie Heinzmann weiterhin englische Texte. Warum das so ist, und ob sie damit mal beim ESC auftreten wird.

Essen.. Am Anfang war das Überraschungsmoment Stefanie Heinzmanns Ass im Ärmel: Sie sieht einfach nicht so aus, wie sie singt. Als die Sängerin 2007 bei Stefans Raabs (Anti-)Castingshow "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" auftauchte, hätte wohl niemand der damals 18-Jährigen mit der Riesenbrille, die irgendwie verloren auf der Bühne wirkte, diese gewaltige Soulstimme zugetraut.

Konzert Inzwischen hat sich ihr Ruf als Soul-Röhre etabliert. Im Gespräch erzählt sie, welche Werbedeals sie ausschlagen würde, und wie man als Promi mit Morddrohungen umgeht. Divenhafte Attitüden sind der Schweizerin übrigens nach wie vor fremd. Im Gespräch besteht sie auf's "Du" ("Ich duze irgendwie immer alle").

Deutschsprachiger Pop ist hierzulande derzeit wahnsinnig erfolgreich. Wann kommt das erste Stefanie-Heinzmann-Album in deutscher Sprache?

Stefanie Heinzmann: Also ich finde deutschsprachige Musik wirklich toll, aber ich mag einfach, wie die englische Sprache klingt, wie sie sich formt. Ich vergleiche das mit Farbe, die ein Maler für Bilder braucht. Ich glaube, ich brauche die englische Farbe.

Wobei du mit deiner alten Band BigFisch auch Songs auf Schweizerdeutsch gesungen hast. „Chumm ins Wallis“ ist in deinem Herkunftskanton ja eine regelrechte Hymne. Welche Rolle spielt Heimat für dich?

Heinzmann: Heimat spielt tatsächlich eine sehr sehr große Rolle. Ich wohne auch immer noch da, wo ich aufgewachsen bin. Das ist der Ort, wo ich mich wirklich zu Hause fühle. Die Landschaft ist irgendwie für mich so unaufgeregt, in den Bergen kann man sich komplett der Welt entziehen. Meine Eltern spielen außerdem eine ganz wichtige Rolle in meinem Leben und auch mein Bruder, der mein Management macht, ist natürlich immer mit mir unterwegs. Wir sind gerade viel auf Reisen, da freue ich mich auch immer total. Ich glaube, ich fühle mich schnell irgendwo ein Stück weit zuhause.

Deinem Bruder hast du den Song „Thank You“ auf deinem letzten Album „Chance of Rain“ gewidmet. Wofür möchtest du dich denn bei ihm bedanken?

Heinzmann: Mein Bruder arbeitet seit acht Jahren mit mir zusammen. Und ich glaube, das ist nicht immer leicht. Zum einen kennen sich Geschwister natürlich so gut, dass sie sich immer mal wieder zoffen. Zum anderen ist mein Bruder selbst Musiker und er hat sein Musiker-Dasein immer wieder zur Seite gestellt, um mir zu helfen und das Ding irgendwie zu wuppen. Und dafür wollte ich mich einfach mal nicht nur irgendwie in Worten bedanken, sondern wirklich mit einem Song, mit einem Geschenk.

Würdest Du sagen, dass deine Karriere ohne deinen Bruder anders verlaufen wäre?

Heinzmann: Ich glaube, ohne meinen Bruder hätte ich vielleicht gar nicht richtig angefangen. Ich war anfangs etwas überfordert. Ich war ja erst 18 Jahre alt und er hat mir wahnsinnig geholfen.

Für dein letztes Album bist du sehr viel gereist, warst in der Rock'n'Roll-Metropole Nashville und in London. Ist es wichtig, an welchem Ort ein Song entsteht?

Heinzmann: Ja, tatsächlich klingen Orte einfach sehr unterschiedlich. Wir haben für dieses Album an total verschiedenen Orten Songs geschrieben, da sind sehr unterschiedliche Sounds entstanden, sehr unterschiedliche Gefühle, die transportiert werden. Ich hab in Nashville zum Beispiel sehr emotionale Songs geschrieben, etwa für meine beste Freundin oder das Lied für meinen Bruder. In Los Angeles sind leichtere Dance-Songs herausgekommen, so was wie "Glad to be alive". Und in London ist "In the End" entstanden. Es klingt schon jedes Land anders.

Kannst du im Internetzeitalter noch vom Albumverkauf allein leben?

Heinzmann: Nur von Albumverkäufen kann man nicht leben. Für mich sind die Touren und die Live-Auftritte sehr wichtig. Manchmal mache ich auch einen Werbedeal. Ich bin natürlich froh, dass ich überhaupt so weit gekommen bin und so etwas machen darf. Dass es Firmen gibt, die mich als Gesicht haben wollen freut mich natürlich. Der Albumverkauf ist natürlich sehr wichtig, aber davon leben kann ich nicht.

Welche Firmen sind das, die dich als Gesicht haben wollen?

Heinzmann: In der Schweiz habe ich zum Beispiel mit dem Weltbild-Verlag zusammen gearbeitet. In Deutschland gibt es den auch, aber in der Schweiz steckt da ein etwas anderes Konzept hinter.

Inwiefern?

Fantastival Heinzmann: In Deutschland ist das glaube ich noch etwas mehr mit Religionsbezug, als in der Schweiz. In der Schweiz ist das einfach ein Onlineshop für Bücher und DVDs und so weiter. Es macht einfach Spaß, von der Bühne auch mal runter zu kommen, und so einen Werbespot zu drehen oder ein Fotoshooting zu machen. Also Dinge zu machen, von denen ich nicht gedacht hätte, dass die für mich möglich sind.

Du betonst, dass Weltbild in der Schweiz nicht so viel mit Religion zu tun hat. Wäre das denn ein Problem für dich gewesen?

Heinzmann: Ich bin ein total gläubiger Mensch, aber ich möchte mich nicht auf die Seite einer bestimmten Religion stellen. Weil ich jede Form von Glauben total respektiere. Ich bin eher kein religiöser Mensch. Ich bin aber ein sehr gläubiger Mensch.

Woran glaubst du denn?

Heinzmann: Ich glaube für mich an etwas – ja ich nenne das schon auch Gott, würde ich sagen. Wenn auch eher ein bisschen der Einfachheit halber. Ich glaube an die Menschen und an mich und an die Liebe.

Das klingt nach Spiritualität?

Heinzmann: Ja, total. Ich bin super spirituell.

Schon 2008, nach dem Gesangswettbewerb bei Stefan Raab, gab es viele, die dich gern beim ESC gesehen hätten. Ist das mal eine Option?

Heinzmann: Früher wollte ich das irgendwie gar nicht. Aber mit dem Alter ist diese Anti-Haltung aber verschwunden. Es ist nicht so, dass ich sage, ich muss da unbedingt hin. Ich gucke aber mal in den nächsten Jahren, ob sich mal eine Chance auftut, und ob mir das dann gefällt. Aber da ist dann noch die Frage, ob man das für die Schweiz macht, oder für Deutschland, wenn man überhaupt die Chance kriegt. Hmm, also so richtig nah dran bin ich an der Entscheidung nicht.

Hättest du denn eine Tendenz? Würdest du lieber für Deutschland oder die Schweiz auftreten?

Heinzmann: Die Schweiz ist meine Heimat und da möchte man natürlich niemanden enttäuschen. Aber in Deutschland bin ich auch total viel unterwegs und ich mag Deutschland sehr gern. Deswegen wäre ich ganz froh, wenn man mir die Entscheidung abnehmen würde.

In der Schweiz und in Deutschland ist deine Musik erfolgreich. Gibt es Pläne, mal woanders durchzustarten? In den USA zum Beispiel?

Heinzmann: Die USA sind direkt so super weit weg. Das ist so ein Riesen-Kontinent. Ich hätte erst mal Bock auf Europa. Also Frankreich und Holland und Polen vielleicht. Wir wollen nächstes Jahr starten die Fühler in diese Richtung auszustrecken.

Beim letzten Album hast du dich vom Motown-Sound, der deine anderen Alben prägt, wegbewegt. Warum?

Song-Contest Heinzmann: Reine Neugier. Ich bin total offen, was Musik angeht, mein Musikgeschmack ist sehr breit gefächert. Mein Herz ist zwar immer beim Soul und beim Funk. Aber schon vorher gab es ja mal eher rockige Nummern wie etwa das Cover vom Metallica-Song „The Unforgiven“. Beim letzten Album wollten wir versuchen, das ein bisschen weiterzuentwickeln. Als ich den ganzen Sommer live unterwegs war, hat mir der Soul aber lustigerweise ein bisschen gefehlt.

Wenn man in der Öffentlichkeit steht, gibt es meist zwangsläufig auch mal Häme oder Kritik. Eingefleischte Metal-Fans fanden dein Metallica-Cover zum Beispiel gar nicht gut, ein paar sind da im Netz recht beleidigend geworden. 2009 hast du sogar mal Morddrohungen erhalten. Wie gehst du damit um?

Heinzmann: Am Anfang war ich schon sehr erschrocken. Als ich das noch nicht gewohnt war und nicht wusste, wie das ist, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Da nimmt man das nicht auf die leichte Schulter, ehrlich gesagt. Aber heute kann ich so was nicht richtig ernst nehmen. Und ich kann mich gut davon trennen, weil ich es lächerlich finde, wenn sich Leute über Dinge so maßlos aufregen, die eigentlich nicht lebenswichtig sind. Das ist wie mit diesen Shitstorms bei Facebook oder Twitter und so. Da gibt es ja manchmal so unfassbar extreme Reaktionen. Ich glaube, es gibt Leute, die sind einfach frustriert und hängen vielleicht zu viel im Netz rum.

Wie ist das denn mit deinem eigenen Facebook-Auftritt? Managst du den selbst?

Heinzmann: Ich hab das ein bisschen geteilt. Mein Bruder und mein Büro sind auch mit Administratoren, das ist eine große Hilfe. Weil ich manchmal etwas verpeilt bin, wenn es zum Beispiel um Termine geht. Da bin ich froh, wenn das Büro Tourdaten postet. Aber alles andere mache ich selbst. Die ganzen Fotos und das Private, was da so steht, das übernehme ich. Und so ein Facebook-Profil ist für Künstler heutzutage sehr wichtig. Denn das ist die direkte Verbindung zu den Fans. Und ohne die Leute, die deine Musik hören, gibt es die Musik einfach nicht.

Info: Am Samstag, 30. Januar, ist Stefanie Heinzmann live im FZW in Dortmund zu sehen und zu hören. Los geht es um 20 Uhr - und wir verlosen drei Mal zwei Tickets. Hier geht es zum Gewinnspiel.