Wandel lässt sich nicht einkaufen

So gut die Belebung und der Imagewandel einer Stadt durch Kultur im baskischen Bilbao gelungen ist, so sehr ging das Vorhaben im ungleich größeren Valencia den Bach hinunter. Im trockengelegten Bett des Flusses Turia, dessen Hochwasser gestoppt werden sollten, etablierte man nach Plänen des ortsansässigen Architekten Santiago Calatrava eine „Stadt der Kunst und der Wissenschaften“ mit monumental ausgreifenden futuristischen Bauten.

Nach den üblichen Bau-Verzögerungen erwies sich die Füllung der Gebäude mit angemessenem Inhalt als Problem – trotz einer Subventionierung, die neben den milliardenschweren Baukosten die (europäischen) Steuerzahler weitere Hunderte Millionen Euro kostete. Im Planetarium funktioniert vor allem das 3D-Kino; im „L’Oceanogràfic“, dem größten Aquarium Europas, tauchen wenig Besucher auf. Und der als extravagantes Konzert- und Opernhaus dienende Palau de les Arts macht weniger durch musikalische Höhepunkte Schlagzeilen als durch Finanzskandale. Jetzt hat die Justiz Ermittlungen gegen die österreichische Intendantin Helga Schmidt eingeleitet. Wo man den Wandel einer Stadt mit massivem Geld-Einsatz für kulturelle Infrastruktur einzukaufen versucht, scheint weniger das Publikum angelockt zu werden als kriminelle Energie.