Walter Sittler liest Dieter Hildebrandts "Letzte Zugabe"

Walter Sittler hat sich neben schauspielerischen Leistungen auch durch sein Engagement einen Namen gemacht.
Walter Sittler hat sich neben schauspielerischen Leistungen auch durch sein Engagement einen Namen gemacht.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Ein Gespräch mit Schauspieler Walter Sittler über den großen Satiriker Dieter Hildebrandt, seine Rollenauswahl und sein politisches Engagement.

Hagen.. Er ist einer der besten deutschen Schauspieler, beliebt, massenkompatibel, erfolgreich. Aber der 62-Jährige kann auch anders als nett sein, was man spätestens seit seinem öffentlichen Eintreten ge­gen „Stuttgart 21“ weiß. Am 16. Januar gastiert er mit einer Dieter-Hildebrandt-Lesung im Großen Haus des Theaters Hagen: Walter Sittler. Mit ihm sprach Jörg Bartel über den großen Satiriker.

Guten Tag, Herr Sittler. Wieso ei­gentlich Hildebrandt?

Walter Sittler: Weil mich der Verlag gefragt hat, ob ich die „Letzte Zugabe“ einlesen will. Das ist das Buch, an dem Dieter Hildebrandt seit 2013 bis zu seinem Tod gearbeitet hat.

Wie ist man auf Sie gekommen?

Sittler: Weil man wusste, dass ich ein großer Hildebrandt-Fan bin. Außerdem hat Dieter Hildebrandt, wie ich heute weiß, mein Engagement ge­gen Stuttgart 21 beeindruckt. Und er war, wie ich, ein Bewunderer von Erich Kästner.

Über den Sie schon zwei Programme gemacht haben.

Sittler: Die er kannte und mit denen ich immer noch auf Tour bin.

Was hat Sie an Dieter Hildebrandt besonders beeindruckt?

Nachruf Sittler: Die ganz eigene Art, wie er die Sachen zusammengebaut und das Große neben das Kleine gestellt hat. Seine Art zu sprechen . . . Die kann ich natürlich nicht wiedergeben – das kann niemand. Aber unser Programm ist eine Verbeugung vor ihm, und ich denke, dass wir darin seinen Geist rüberbringen, auch seine poetische Seite.

„Mangelndes Demokratieverständnis“ hat Hildebrandt jedenfalls niemand vorgeworfen, im Ge­gensatz zu Ihnen.

Sittler: Nein, aber bei Kabarettisten und Satirikern scheint ja zu gelten: Die dürfen auch mal nicht nett sein, sie sind schließlich Satiriker. Und andere dürfen das nicht. Das sehe ich anders. Wir haben zwar eine gewählte Regierung, aber das heißt ja nicht, dass sie in allem recht hat. Nur weil einer Minister ist, ist er noch nicht klug.

Starker Satz...

Sittler: Ja, aber den habe ich geklaut und abgewandelt. Von Otto von Bismarck, 1886 oder 1888.

Sie scheinen eine Schwäche für Satire mit Herz zu haben.

Sittler: Die habe ich immer noch. Wobei Satire auch böse sein kann und darf und alles andere als freundlich sein. So, wie unsere Welt ist, kommt man leider nur mit Freundlichkeit nicht durch.

Dann sind Sie immer noch ein „Wutbürger“?

Literatur Sittler: Ach, das ist wieder so eine Schublade. Jetzt kommen ja auch die Leute von Pegida als „Wutbürger“ daher. Das könnte ei­nen allerdings schon wütend machen. Das bin ich aber nicht. Ich sehe da nur Dummheit.

Was Ihre Filmrollen betrifft, scheinen Sie aber vor gar nichts fies zu sein: „Schwarzwaldklinik“, „Rivalinnen der Liebe“, 69 Folgen „girl friends, „Der Mustervater“, „Soko 5113“, und für „Nikola“ ...

Sittler: 111 Folgen, die immer noch laufen...

...haben Sie den Grimme- und den Deutschen Fernsehpreis bekommen. Wonach wählen Sie Ihre Rollen aus: eher nach Qualität oder nach Kassenlage?

Sittler: Bis auf die wenigen Male, wo ich danebengegriffen habe, wähle ich nach der Qualität und der Produktionsfirma aus. Ich höre auf Menschen, denen ich vertraue. Außerdem hatte ich bisher das Privileg, nie nach Kassenlage entscheiden zu müssen. Und ich möchte, dass das auch so bleibt.