Walküre-Verfilmung: Augenzeuge ist tief enttäuscht
26.01.2009 | 23:59 Uhr 2009-01-26T23:59:00+0100
Dortmund. Tief enttäuscht zeigt sich der ehemalige Wachsoldat Kurt Salterberg von "Operation Walküre". Der Zeuge des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler spricht beim WR-Talk im Cinestar Dortmund über den Kinofilm und seine Erinnerungen.
„Mit so einem Kitschfilm habe ich nicht gerechnet. Viele historische Fakten sind falsch wiedergegeben”, verkündet Kurt Salterberg den 200 Teilnehmern, die sich nach der Aufführung von "Operation Walküre" im Cinestar Dortmund zum WR-Talk eingefunden haben.
Es sind nur wenige Minuten, die im Kinostreifen das zeigen, was Kurt Salterberg einst mit eigenen Augen erlebte. Ausgerechnet hier hat sich der gröbste Fehler eingeschlichen. Der 86-Jährige stand damals Wache am Zugang zum inneren Sperrkreis des Führerhauptquartiers Wolfsschanze in Rastenburg. Wer am 20. Juli zur berühmten Lagebesprechung wollte, musste an ihm vorbei.
Der Film zeigt, dass Stauffenberg gemeinsam mit seinem Adjutanten von Haeften die Wache passiert. „Dabei ging er damals mit einer Gruppe um den Generalfeldmarschall Keitel rein”, sagt Salterberg. Und: „Man muss wissen, dass ihm die Anwesenheit Keitels als Chef des Führungsstabs das Schmuggeln des Sprengstoffs erleichterte. Unsere Order damals: Wer in Begleitung Keitels kommt, wird nicht kontrolliert!” Die falsche Szene trage nichtmal zur Dramatisierung bei.
Auch der am Talk teilnehmende Historiker Dr. Stefan Mühlhofer sah im Film einige Fakten, die so nicht stimmen: „Stauffenberg hat kein Tagebuch geführt, in dem er seinen Weg in den Widerstand beschrieb. Für uns Historiker wären diese Aufzeichnungen ein unbezahlbarer Schatz.” Es gäbe weitere Kleinigkeiten, die der Phantasie der Drehbuchautoren entsprungen seien. So habe sich Stauffenberg zwar unter dem Vorwand, er müsse sein Hemd wechseln, in einen Nebenraum begeben, um den Zeitzünder des Sprengsstoffs zu aktivieren – „Dass er sich dafür aber extra beim Rasieren geschnitten hat, um einen blutigen Hemdskragen vorweisen zu können, stimmt so nicht.”
Ob Salterberg von den Verbrechen des Regimes etwas ahnte, fragte das Publikum. „Ich habe mit Erschrecken erst nach dem Krieg von den Untaten gehört”, antwortete er. Mühlhofer bestätigte: „Der einfache Soldat war in der Wolfsschanze isoliert.” Sie seien zu weit von der Front entfernt gewesen, um etwas von den Massenerschießungen zu erfahren, gleichzeitig zu unbedeutend, um in der Machtzentrale von Befehlen Kenntnis zu erhalten.
Am Ende stimmten Salterberg und Mühlhofer überein: „Die Besetzung der Rolle Stauffenbergs mit Tom Cruise als bekennender Scientologe ist nicht glücklich. Aber wenn er auf der ganzen Welt Jugendliche in die Kinos lockt, die vom deutschen Widerstand erfahren, hat es doch etwas Gutes.”
22:17
Die Vorgänge des 20. juli 1944 muß man angesichts der drohenden Kriegsniederlage und der militärischen Unfähigkeit des Gefreiten Hitlers als Ausrottungskampf unter den Würdenträgern des III. Reichs werten.
Niemals jedoch als die von heutigen Konservativen bewußt betriebene Geschichtsfälschung von einem sogenannten Aufstand des Gewissen.
Gewissenlos hatten diese Offiziere Europa 5 Jahre in Schutt und Asche gelegt, millionen Kriegstote hingenommen, die Völker Osteuropas als Untermenschen der Vernichtung zugeführt und seit 10 Jahren die Existens der KZ gewährleistet.
Heutige Rechtsradikale loben diese dilettantischen Attentäter nicht umsonst als Reformnazis.
Ihre offen antisemitische, antidemokratische, kriegsbejahende und rassistische Geisteshaltung geht eindeutig aus dem Bericht des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Ernst Kaltenbrunner, an den Leiter der Parteikanzlei, Martin Bormann, vom 16.10.1944 hervor:
Zu den Zielen und der Anknüpfung an NS-Grundsätze sowie der Rassenfrage äußerten die Brüder Stauffenberg nach dem Attentat folgendes:
Auf innenpolitischen Gebiet hatten wir die Grundidee des NS zum größten Teil durchaus bejaht: Der Gedanke des Führertums (...) verbunden mit dem einer gesunden Rangordnung und der der Volksgemeinschaft, (...) der Kampf gegen den Geist der Großstädte, der Rassegedanke und der Wille zu einer neuen, deutsch bestimmetn Rechtsform erschien uns gesund und zukunftsträchtig.
Der Antifaschist Goerdeler: Die wesentlichen Grundsätze der Partei (gemeint ist die NSDAP) (...) waren Forderungen, die mir schon im Elternhaus vorgelebt waren.
Der Widerständler von Popitz: Ich bejahe in jeder Weise den NS-Staat und sehe in ihm die geschichtliche Notwendigkeit gegenüber dem Internationalismus und der Verjudung der Systemzeit (gemeint ist die Weimarer Republik) und gegenüber der unerträglichen Krise der politischen Parteien, das gesamte deutsche Volk in seinen gesamten nationalen Grenzen zu vereinen.
Folglich ist die Gleichsetzung der Parafaschisten des 20. Juli mit dem wahren antifaschistischen Widerstand eine Verhöhnung der ermordeten Widerstandkämpfer.
18:29
Vielleicht hat nicht jeder gewusst, wieviele Juden auf welche Art umgebracht wurden - aber dass die Juden und viele andere Teile der Bevölerung drangsaliert und verfolgt wurden, das wird wirklich JEDER mitbekommen haben. Dafür musste man noch nicht mal Zeitung oder Volksempfänger haben...
15:58
Einen alten Nazi zu dessen Meinung über einen Scientologen zu befragen ist unerträglich! Dass dieser Lump nichts von den Morden an den Juden gewusst haben will, ist gelogen.
14:51
Der Film ist meines Wissens eine deutsch-amerikanische Co-Produktion. Das sollten alle Kritiker bedenken wenn sie jetzt Hollywood verteufeln..
Außerdem halte ich den Film für wichtig, und es ist gut, dass auch mal in den Staaten vom deutschen Widerstand etwas berichtet wird.
14:26
Hat jemand was anderes erwartet?
Deutsche Geschichte als Actionfilm...soweit ist die Einfallslosigkeit der Amis schon gekommen.
Wir brauchen diesen Ami Mist nicht, die sollen mal lieber Filme darüber machen, wie sie die Ureinwohner Amerikas fertiggemacht haben und immer noch diskriminieren...
14:10
@snoopboy
Niemand macht Ihnen die Gnade der späten Geburt streitig. Toben Sie sich aus, geniessen Sie Ihr Leben; sie müssen solche Diskussionen wie diese hier ja nicht lesen bzw. auch noch kommentieren.
Wenn Ihr Beitrag aber eher dazu gedacht war, einen Meinungsaustausch unter erwachsenen Menschen mit einem (faktisch falschen, denn wir haben alle immer noch mit den Folgen des Krieges zu leben) Totschlagsargument zu beenden, dann zeigt das nur, wie wichtig solch eine Diskussion *immer noch* ist.
14:06
Ich finde die Amerikaner sollten von einem solchen Thema generell die Finger lassen, da die meisten Menschen in den USA sowieso keine Ahnung davon haben, was in der Geschichte des 2.Weltkriegs passiert ist, außer, dass sie ihn gewonnen haben.
Außerdem sollte so ein Film nicht unterhalten, sondern die Jugend von heute aufklären...
13:49
Tom hätte besser mal Lincoln spielen sollen.
Der Film ist was er ist: Hollywood.
11:55
@19 Revierfan
So wie es aussieht, wird Ihr Beitrag auch zu den 90% negativen einsortiert werden.
10:55
Tom Cruise spielt grottenschlecht. Wie immer!