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Wagner in der Datenwelt

20.07.2013 | 00:17 Uhr

Bayreuth/Hagen. Mit Richard Wagners Oper „Der Fliegende Holländer“ werden die Bayreuther Festspiele am 25. Juli eröffnet. Der 31-jährige gebürtige Hagener Jan Philipp Gloger führt Regie bei dem Werk, das jetzt in der zweiten Spielzeit auf dem Grünen Hügel zu sehen ist. Monika Willer sprach mit Gloger über seine Erfahrungen mit der Werkstatt Bayreuth.

Im vergangenen Jahr wurde Ihre Inszenierung von einem Skandal überschattet: Der Holländer-Interpret trat zurück, nachdem seine Tätowierungen mit Nazi-Symbolen öffentlich wurden. Sie mussten in anderthalb Tagen einen neuen Titelhelden einarbeiten. Was wird diesmal anders?

Jan Philipp Gloger: Wir haben uns über die Figur noch einmal Gedanken gemacht. Uns hat es interessiert, den Holländer ein bisschen mehr aus dem wirtschafts- und arbeitsweltlichen Kontext herauszulösen und ein wenig allgemeiner als einen reichen Reisenden unserer Zeit zu zeigen. Dieses übermächtige Meer aus Lichtern, Daten und Informationen auf der Bühne betrifft uns ja alle – Stichwort Abhörskandal. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Enthüllungen sieht man, wie der Mensch heute von Zahlen und Informationen abhängig ist.

Beeinflusst die Erfahrung Bayreuth Ihre künstlerische Arbeit?

Wenn man noch so relativ frisch ist in der Oper wie ich, wird man natürlich aus jeder Inszenierung schlauer – und aus der Begegnung mit Wagner sowieso. Ich habe gelernt, dass in seinem „Holländer“ Geheimnisse bestehen bleiben, die man nicht in allerletzter Konsequenz ausdeuten kann. Ich habe auch die Chorproben mit 100 Menschen auf der Bühne wieder als unglaublich euphorisierend und lustvoll empfunden und freue mich schon auf Verdis „Simon Boccanegra“, den ich 2014 mit Christian Thielemann als Dirigenten in Dresden inszeniere. In dieser Oper ist der Chor auch ein begeisterndes Ausdrucksinstrument. Und diese Möglichkeiten, über den Chor das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, Einzelnem und Masse zu untersuchen – ein Urthema des Theaters – hat man ja im Sprechtheater kaum.

In Bayreuth ist das Publikum berüchtigt für seine aggressiven Buhrufe. Haben Sie sich dagegen inzwischen ein dickes Fell wachsen lassen?

Das hat mich nicht in eine tiefe Krise als Regisseur gestürzt, ich war ja auch von Kollegen vorgewarnt, dass gewissermaßen traditionell heftig gebuht wird. Ich stehe hinter meiner Inszenierung, und das werde ich dieses Jahr ganz besonders können, weil wir sie unter etwas normaleren Bedingungen zeigen können.

Monika Willer



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