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Während der Festspiele werben alle mit Wagner

27.07.2010 | 16:28 Uhr

Bayreuth.Die Bayreuther Betriebe nutzen den Lichtspalt überregionalen Interesses, der durch eine ansonsten komplett heruntergelassene Aufmerksamkeitsjalousie schimmert. Ob Wirtin Erika oder Conny, junggebliebene Vierzigerin aus Sachsen.

Bayreuth ist 300 Tage im Jahr unverdächtig, ein Ort zu sein, an dem etwas los ist. Als beim üblichen Presseempfang irgendwie die Luft raus war und jeder das merkte, hat Hans Neuenfels sich darüber sehr munter geäußert. Falls Sie Hans Neuenfels nicht kennen: Er ist der Regisseur des neuen Lohengrin und unverdächtig, ein Mann zu sein, in dessen Nähe nichts los ist. Berühmt sind seine Ausbrüche, aber natürlich auch seine Inszenierungen.

Jedenfalls saßen um ihn herum gut 50 schläfrige Journalisten aus aller Welt und alles war irgendwie gesagt, da hat Hans Neuenfels befreienderweise erklärt, was das Tollste an Richard Wagner sei. „Dass er einen Totaltrottel wie Ludwig Zwo dazu gebracht hat, in dieser Pfütze dieses Theater zu bauen. Das ist doch einfach nur grandios!“

Ein Lichtspalt überregionalen Interesses

Mit der Pfütze war Bayreuth gemeint. Tatsächlich gibt es außerhalb der Festspiele anregendere Orte. Umso mehr nutzen Bayreuther Betriebe diesen Lichtspalt überregionalen Interesses, der durch eine ansonsten komplett heruntergelassene Aufmerksamkeitsjalousie schimmert. Dazu zählt im hiesigen Lokalblatt eine Annonce, die „Rouladen und Pfefferhaxen sowie einen reichhaltigen Mittagstisch“ bewirbt. Austragungsort ist eine Gastronomie mit einem Namen, den auch die beste Werbeagentur nicht guten Gewissens ihren Feinden überließe: „Speisegaststätte Altstädter Sportheim“. Unterzeichnet ist das Inserat mit „Die Wirtin Erika Mathei“. „Die Wirtin“ klingt wie „gez. der Hausmeister“; man wird sehen, wie die Annonce einschlägt.

Alle werben während der Festspiele, auch „Conny, junggebliebene Vierzigerin a. Sachsen“, sie ist „neu in Bayreuth“. In der Lokalzeitung steht nichts von ihren Pfefferhaxen oder was sie sonst kocht. Man soll sie anrufen, dazu fehlt mir wegen der vielen Opern natürlich die Zeit. Außerdem finde ich, dass guter Kulturjournalismus auch Fragen offen lassen muss. In diesem Zusammenhang sei der Vollständigkeit halber noch kurz auf das Fest zum 150-jährigen Bestehen einer Dorf-Feuerwehr bei Heinersreuth hingewiesen. Sein Motto lautet: „Alt, aber heiß“. Noch drei Stunden bis „Rheingold“, es schaut nach Regen aus, eigentlich gar kein schlechtes Wetter für Pfefferhaxen.

Leitmotiv des Tages: „Die Werbung steh’ dem Dichter frei.“, Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg, (3. Aufzug, 5. Szene)

Lars von der Gönna

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