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Von Mutter ist schwer loszukommen

31.08.2007 | 19:53 Uhr

Es ist ein wahrhaft seltsamer Held, den uns David Mackenzie in seinem Film "Hallam Foe" präsentiert. Der junge Schotte gleichen Namens schleppt einen Sack voller Psychosen durchs Leben. Die meisten haben mit dem angeblichen Freitod seiner Mutter zu tun.

Deren Porträt hat Hallam (starke: "Billy Elliot"-Darsteller Jamie Bell) in Form eines übergroßen Filmposters an der Wand in seinem Baumhaus hängen. Sie ist für ihn zu einer fixen Idee geworden: Er probiert ihren Lippenstift aus, trägt hin und wieder ihre Kleider - und wird später im Film mit einer Doppelgängerin der Verstorbenen endlich auch seinen Traum vom mütterlichen Sex verwirklichen.

Im Baumhaus bastelt er an seiner Theorie, dass nicht Selbstmord die Todesursache war, sondern Verity (Claire Forlani), die zweite Frau seines Vaters und Musterbild der "bösen Stiefmutter", hier einen perfiden Mordplan realisiert hat. Bis er das beweisen kann, bricht der Spanner nachts zu Späh-Exkursionen auf, deren Erkenntnisse er in einem Tagebuch festhält.

Mackenzies Kunststück besteht darin, dass der Zuschauer sich nicht von diesem Einzelgänger abwendet, sondern sich für dessen Schicksal interessiert. Vor allem, wenn er aus dem schottischen Hochland nach Edinburgh flieht, dort in der Hotelangestellten Kate (Sophia Myles) das Ebenbild seiner Mutter trifft und die Erfüllung intimster Wünsche erlebt.

In den bisherigen Filmen von David Mackenzie war Sex immer mit Düsternis gekoppelt. Ob in "Young Adam", wo es um eine heimliche Dreiecksbeziehung geht, oder in "Stellas Versuchung", wo die Frau eines Psychiaters körperliche Lust ausgerechnet bei einem Gattinnenmörder findet. Im Vergleich dazu erscheint "Hallam Foe" fast leichtfüßig. Garniert mit fein ausgearbeiteten Nebenfiguren, ist dies der Entwicklungsroman eines jungen Mannes, der lernt, die Geister seiner Vergangenheit zu vertreiben. Franz Ferdinand und andere schottische Gruppen spielen dazu die passende Musik.

Von Arnold Hohmann

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