Von Aufstieg und Fall

Bochum..  Alles beginnt damit, dass sechs junge Leute in grauen Schuluniformen an einem Spielgerüst stehen und sich munter die Zeit vertreiben. Sie necken sich, sie ärgern sich, das geht eine Weile so dahin. Bis einer kommt, der anders ist als die anderen. Der ein feuerrotes Kleid und Rastalocken trägt. Dessen Bewegungen großspuriger sind und dessen Lächeln sonderbarer ist. Seine Aura zieht die anderen in den Bann. Erst beäugen sie ihn, dann umgarnen sie ihn, später vergöttern sie ihn – und schließlich lassen sie ihn fallen.

Es sind eindringliche Bilder, die Regisseur Neco Celik für seinen Tanzabend „Ruhm“ findet, der unter tosendem Applaus seine Uraufführung in den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses erlebte. Die Herner Tanzkompanie Renegade scheint eine treue Fangemeinde gefunden zu haben. Die pulsierenden Choreografien aus dem Hause Renegade reihen sich damit nahtlos ein in die spannende Historie des Bochumer Tanztheaters.

Gewiss ist „Ruhm“ und seine Flüchtigkeit nicht erst seit dem berühmten Satz von Andy Warhol („In Zukunft wird jeder 15 Minuten berühmt sein“) keineswegs taufrisch. Doch Regisseur Celik ist klug genug, dem abgegriffenen Thema völlig frei zu begegnen. Geschickt versteht er es, den lediglich mit einer weißen Stoffbahn geschmückten Raum von Berit Schog zu nutzen und das fabelhafte Spiel seiner Tänzer punktgenau zu arrangieren.

Das Ensemble ist erstklassig, wobei besonders Alexis Fernandez Ferrera zu nennen ist, dessen roter Tanzteufel nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers bleibt. Wenn die Tänzer am Ende des knapp einstündigen Spiels völlig verschwitzt übereinander liegen, dann ahnt der Sportmuffel im Saal, welch konditionellen Höchstleistungen er soeben beiwohnen durfte.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Musikerin Anna Suda, die Fans der Electro-Szene unter ihrem Künstlernamen „An On Bast“ kennen. Im hinteren Teil der Bühne hat sie Computer und Mischpult aufgebaut und arrangiert zu den pulsierenden Tanzszenen einen atemberaubenden Klangteppich. Die Melodien fließen ineinander, die Beats peitschen, einmal weht sogar ein Hauch Strawinsky durch die Boxen. Live hat sie dies nur bei der Premiere gespielt, doch auch vom Band sind Anna Sudas Kompositionen bei den kommenden Vorstellungen gewiss ein Genuss.

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