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Interview

Vince Ebert: Freiheit ist alles

06.10.2010 | 13:57 Uhr
Vince Ebert: Freiheit ist alles

Er ist der Beweis, dass sich Wissenschaft und Witz nicht abstoßen müssen wie die identischen Pole zweier Magnete: Vince Ebert studierte Physik, bevor er begann, als Kabarettist Erkenntnisse der Forschung auf ihre Komik zu untersuchen. Derzeit stellt er sein neues Programm "Freiheit ist alles" vor.

Sie gelten als Deutschlands lustigster Physiker. Erklären Sie doch mal jemandem, der nur in Chemie noch schlechter war als in Physik, was Physik mit Humor zu tun hat!

Ebert: In der Physik geht es ja darum, die Realität aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten – um dann oft herauszufinden, dass sich die Wirklichkeit ganz anders verhält, als wir annehmen. Und genau das ist ja auch die Technik des Humoristen: Der schaut sich eine Sache an, die zuvor niemandem als sonderlich witzig aufgefallen ist. Durch einen anderen Blickwinkel wird das Ganze aber auf einmal sehr skurril.

Gibt’s eigentlich Physikerwitze?

Ebert: Eine Menge sogar, zum Beispiel den: Sagt die Magnetin zum Magneten: Ich weiß überhaupt nicht, was ich heute Abend anziehen soll.

Sie haben ihr Studium mit dem Notendurchschnitt 1,7 abgeschlossen. Sind Sie ein Streber?

Ebert: Ich war schon immer fleißig, das muss ich zugeben. Journalisten sind auch häufig überrascht, dass ich bei Interviews am Morgen immer pünktlich auf der Matte stehe.

Fleißig und gut in Physik – da liegt der Verdacht nah, dass Sie schlecht in Sport waren...

Ebert: Nein, ich war sogar relativ gut in Sport – also physikalisch gesehen ein Messfehler. Ich habe sogar mal in der 2. Bundesliga Volleyball gespielt.

Weil Sie so gut die Flugbahn des Balles berechnen konnten?

Info
„Freiheit ist alles“ - die Termine

23.11. Essen (Lichtburg)*, 25.11. Duisburg (Kleinkunstbühne Meiderich), 26.11. Gelsenkirchen (Kaue)*, 11.2.2011 Brilon (Kolpinghaus), 12.2. Witten (Werk-Stadt)*, 24.3. Wesel (Bühnenhaus), 27.3. Wattenscheid (Stadthalle)*

Karten (ca. 20 €) für die Termine mit (*) gibt’s im TICKET-SHOP: www.DerWesten.de/Tickets

Ebert: (lacht) Ich glaube, da funktioniert die menschliche Intuition doch besser als die Physik...

Ihr neues Programm heißt „Freiheit ist alles“.Welche Freiheit ist denn für Sie persönlich am wichtigsten?

Ebert: Im Prinzip die Freiheit, tun zu können, was man will – solange man keinem schadet. Ich kann alles sagen, alles machen und werde für meine Meinungsäußerung nicht ins Gefängnis gesteckt.

Was können Sie als Naturwissenschaftler denn Erhellendes zum Thema Freiheit beitragen?

Ebert: Eine ganz Menge. „Freiheit ist alles“ ist zwar nicht mehr so stark physikalisch orientiert. Aber wenn wir über Freiheit reden, müssen wir natürlich über den freien Willen reden – und da sind wir sofort bei der Hirnforschung.

Sie schlagen im Programm einen Bogen vom Dalai Lama zu David Hasselhoff...

Ebert: (lacht) Ich erkläre zu Beginn des Programms, dass Freiheit im Grunde so ein männliches Ding ist. Männer wollen frei sein, wissen aber eigentlich nicht wozu. David Hasselhoff, der einst „I’ve Been Looking For Freedom“ sang, ist dafür ein tragisches Beispiel. Als der 2006 geschieden und damit frei war, war er jeden Abend voll wie ein Eimer. Er hatte die Freiheit gesucht und die Sucht gefunden.

Letzte Frage: Könnten Sie mir freundlicherweise kurz die Relativitätstheorie erklären?

Ebert: Klar. Sie besagt im Kern, dass die Zeit in Abhängigkeit vom Ort mal schneller und mal langsamer vergeht. Oder wie Einstein es formuliert hat: Wie lange eine Minute ist, hängt empfindlich davon ab, auf welcher Seite der Klotür man sich befindet.

Stefan Moutty

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