Viel Kritik an Portigon-Verkäufen in der Küppersmühle

Neujahrsempfang im Museum Küppersmühle mit Direktor Walter Smerling (rechts).
Neujahrsempfang im Museum Küppersmühle mit Direktor Walter Smerling (rechts).
Foto: Stephan Eickershoff
Was wir bereits wissen
Der Jahresempfang im Duisburger Museum Küppersmühle mit Armin Laschet stand ganz im Zeichen der Warhol- und drohenden Portigon-Verkäufe.

Duisburg.. „Kann Wirtschaft Kunst?“ hieß das Leitthema beim Neujahrsempfang im Museum Küppersmühle. Und so provokant die Frage gemeint gewesen sein mag, so einmütig lautete die Antwort in Duisburg „ja“. Was wenig verwundert, weil auf dem Podium neben Museumschef Walter Smerling unter anderem mit Thomas A. Lange (Nationalbank) und Stephan Muschick (RWE-Stiftung) zwei großkalibrige Kunstförderer auf dem Podium saßen.

Zwar hätte wohl auch der ursprünglich als Gastredner eingeladene NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin kaum mit „nein“ geantwortet, aber der hatte abgesagt. So nutzte mit Armin Laschet der CDU-Oppositionsführer die Gelegenheit, die Frage in ein „Kann die Landesregierung Kunst?“ abzuwandeln und vor 200 Zuhörern den geplanten Kunst-Verkauf der WestLB-Sammlung durch die Portigon AG zum Thema zum Thema des Abends zu machen. Dies sei nichts anderes als „eine Bankrotterklärung“.

Nicht nur aus Image- und Vermarktungsgründen müsse, so Laschet, die Kultur oben auf der Agenda stehen. Doch da habe das Land mit dem – aus seiner Sicht unnötigen – Verkauf der Warhol-Werke ein Zeichen „von verheerender Wirkung“ gesetzt. Firmen siedelten sich bekanntermaßen dort an, „wo die Kreativen sind“. So sei es leider eher „hip“ nach Berlin zu ziehen statt nach NRW, wo die Rüttgers-Regierung einst weise den Kultur-Etat verdoppelt habe.

„Kulturpolitische Instinktlosigkeit“

Kaum milder ging Thomas A. Lange mit der Kraft-Regierung ins Gericht. Er nannte die Portigon-Pläne eine „kulturpolitische Instinktlosigkeit“ und erinnerte daran, dass die WestLB-Pleite den Steuerzahler 20 Milliarden Euro gekostet habe. Nun dürfe er nicht auch noch der mit seiner Arbeit erworbenen Kunst verlustig gehen.

Kunstverkauf Zwar war RWE-Mann Muschick bemüht, die Rolle der Wirtschaft bei der Kulturförderung stärker in den Fokus zu rücken. Die sei, vor allem in Krisenzeiten, beileibe keine Selbstverständlichkeit, müsse gut begründet und angesichts wieder wachsender Kirchtürme gezielter eingesetzt werden. Zudem könne sie sich keinesfalls auf Ausfallbürgschaften beschränken.

Aber der Abend stand nun mal unter dem Portigon-Stern, zumal sich im Podium auch noch Rüttgers’ einstiger Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff gegen die Regierung in Stellung brachte und bis zum Norbert-Walter-Borjans-Bashing polemisierte. Er attestierte dem SPD-Finanzminister gar „Charakterlosigkeit“.

Wenig verwunderlich, dass man die Gelegenheit nutzte, demgegenüber die Meriten der Nationalbank, des RWE und, in Gestalt von Kämmerer Lars Klieve, wenn schon nicht den Kunstsinn, so doch die Demokratie in Essens Rathaus zu loben (wo man gerüchteweise – und von Klieve heftig dementiert – ein Auge auf die Folkwang-Sammlung geworfen hat). Nur die Landesregierung lobte keiner. Garrelt Duin wäre besser doch nach Duisburg gekommen.