Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Theater

Viel Geschrei bei „Kabale und Liebe“ in Oberhausen

21.01.2013 | 07:52 Uhr
Viel Geschrei bei „Kabale und Liebe“ in Oberhausen
„Kabale und Liebe“ in der Inszenierung von Peter Caro am Theater Oberhausen.Foto: Axel J. Scherer

Oberhausen.   Gleich fünf Theater in NRW von Dortmund bis Düsseldorf bringen derzeit Schillers „Kabale und Liebe“ auf die Bühnen. Peter Carp schiebt dem „bürgerlichen Schauspiel“ am Theater Oberhausen gleich noch einen Fall von Missbrauch innerhalb der Familie unter.

So viel Kabale auf einen Haufen gab es wohl noch nie auf den Bühnen von NRW. Fünf Theater von Dortmund bis Düsseldorf haben seit Beginn der Spielzeit ihre Sicht auf Schillers „bürgerliches Trauerspiel“ abgeliefert, um all jenen Abiturienten Hilfestellung zu leisten, die diesen Stoff demnächst vor sich haben werden.

Doch wo so viel Angebot, da führt der Wunsch zur Unterscheidung gelegentlich auf seltsame Wege. Wie jetzt in Oberhausen, wo Peter Carp dem hoch emotionalen Plädoyer für die Rechte des Gefühls und gegen allen Standesdünkel kurzerhand auch noch einen Fall von Missbrauch in der Familie unterschiebt.

So sind es diesmal also nicht nur die sozialen Unterschiede und die Ränke bei Hofe, die das junge Glück des Präsidentensohnes Ferdinand und der Musikanten-Tochter Luise Miller bedrohen. Carp sieht da vielmehr auch Gefahr von Seiten des Stadtmusikus Miller (Jürgen Sarkiss), dessen innige Beziehung zu seiner Tochter hier wohl sehr tief geht. Nicht umsonst greift er ihr lustvoll ans Gesäß, schleift er sie gelegentlich in einen heimischen Beichtstuhl (!) und hängt an ihrem Hals wie ein Vampir.

Kritik
„Kabale und Liebe“ in Mülheim mit vielen kalten Fischen

Es gibt in dieser Saison kaum ein Theater zwischen Dortmund und Düsseldorf, das den Abiturstoff „Kabale und Liebe“ nicht auf dem Spielplan hat. In Mülheim gibt es eine Fassung des Schiller-Dramas, die nicht nur ein wenig anders ist. Es darf auch gelacht werden.

Man stürmt und drängt lautstark

Ansonsten zeichnet sich die Inszenierung hauptsächlich dadurch aus, dass der „Sturm und Drang“ beim Wort genommen wird. Dass Ferdinand (Sergej Lubic) dabei oft wie ein hemdsärmeliger Freibeuter auf Brautraub wirkt, mag man hinnehmen. Dass aber alles Emotionale mit großer Lautstärke und Geschrei verhandelt wird, verhindert leider, dass man die komplexe Gefühlswelt der Luise (Ellen Céline Günther) befriedigend ergründen kann. So kommt es, dass in dieser Mixtur schließlich Manja Kuhl ihrer Lady Milford als abgelegter Mätresse des Fürsten die stärksten Konturen verleihen kann.

In der beeindruckenden Bühnenbild-Schräge von Caroline Forisch meint man immerhin das soziale Gefälle jener Tage manifestiert zu sehen. Im vielfachen Flügelschlag vorbeijagender schwarzer Vögel jedoch nur eine Todesbotschaft aus dem Standard-Repertoire.

Termine: 25. Jan.; 2., 17., 20., 28. Feb. Karten: 0208 / 8578-184

Arnold Hohmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Bewegendes Drama mit Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard
Drama
In dem neuen Film "Zwei Tage, eine Nacht" der Regisseure Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne spielt Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard ("La vie en rose") die Mitarbeiterin einer kleinen Firma, die ihren Job zu verlieren droht. Allerdings könnten ihre Kollegen die Entlassung noch verhindern.
Warhol-Bild bekommt Ausfuhrgenehmigung erst nach der Auktion
Ausschuss
Die Aufregung um die Versteigerung von zwei millionenschweren Warhol-Bildern aus Besitz des landeseigenen Casino-Betreibers Westspiel ist groß. Am Donnerstag ist das Geschäft erneut Thema im NRW-Landtag. Außerdem werfen die befristeten Ausfuhrpapiere des Kunstwerks Fragen auf.
Mülheimer CDU fordert Ende der Doppelspitze in der Kultur
Stellenabbau
Die Stadt Mülheim steht unter Druck: Weitere Stellen sollen abgebaut werden. Die CDU-Fraktion fordert vor dem Hintergrund daher ein Beenden der Doppelspitze im Kulturbetrieb. „Reiner Luxus“, so die Partei. Im kommenden Jahr liegt das Defizit der Stadt erneut bei rund 80 Millionen Euro.
Sebastian Fitzek verstört raffiniert mit "Passagier 23"
Thriller
Eine Mutter und ihre Tochter verschwinden spurlos auf einem Kreuzfahrtschiff. Wochen später taucht das Mädchen wieder auf, gezeichnet von schrecklichen Narben. Mit "Passagier 23" präsentiert Sebastian Fitzek wieder einen raffinierten Thriller, der selbst abgeklärte Hobby-Ermittler verstören dürfte.
Der letzte Hobbit-Film feiert am 1. Dezember Premiere
Mittelerde
Die zweite Trilogie geht zu Ende: Am 1. Dezember startet der dritte Hobbit-Film des Regisseurs Peter Jackson in den Kinos. Eine kleine Vorschau haben die Schauspieler nun auf Facebook gegeben. Die ersten drei "Herr der Ringe"-Filme gelten als kommerziell erfolgreichste Filmtrilogie aller Zeiten.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

 
Fotos und Videos