Videos aus der Wohlstandsgesellschaft

Düsseldorf..  „Real Humans“ ist der Titel einer seit 2012 im schwedischen Fernsehen laufenden Drama-Serie mit Science-Fiction-Elementen, in der es um menschenähnliche Roboter geht. Sie können staubsaugen, Mahlzeiten zubereiten und sogar Auto fahren. Zugleich ist „Real Humans“ der Titel einer Ausstellung, in der drei junge US-amerikanische Künstler sich über etwas Gedanken machen, das Philosophen gern die „conditio humana“ nennen: die Bedingung des Menschseins. In der Düsseldorfer Kunsthalle zeigen Ian Cheng, Wu Tsang und Jordan Wolfson in je einem Raum, wie sie das Menschsein in der Gegenwart erleben: als eine rasche Abfolge von Video-Schnipseln, in denen Menschen oft wie Roboter wirken.

Im „Kinosaal“ der Kunsthalle hat der gebürtige Amerikaner Ian Cheng drei Projektoren mit Video-Sequenzen und eine Schrifttafel aufgestellt. In einer der Animationen fließen Tiere und Dinge per Zufallsgenerator ineinander, in einer anderen Bilderfolge sprechen zwei Computer miteinander. Es geht um künstliche Intelligenz, auch um die Formbarkeit von Individuen durch Klonen. Die Quintessenz dieser auf den ersten Blick wirren, zugleich lauten Installation heißt: Alles verändert sich. Und wir verändern uns mit. Das ist keine Kritik, sondern eine Feststellung. Auch Wu Tsang ist entgegen seinem Namen gebürtiger Amerikaner. Im Seitenlichtsaal des Hauses, der jetzt abgedunkelt ist, taucht er in einer Video-Arbeit ins Thema Autismus ein.

Im Nebenraum tanzt ein Star mit glitzerndem Gesicht über eine Großleinwand, bis die Gestalt sich aufzulösen scheint. So etwas trifft augenscheinlich den Nerv eines social-media-erfahrenen jungen Publikums, das sich mit der Transgender-Szene ebenso auskennt wie mit dem Milieu amerikanischer Einwanderer. Jordan Wolfson schließlich verbindet in seinen Videos Ausschnitte aus der realen Welt mit Animationen.

Überdimensionierte, mit Figuren gefüllte Kondome fliegen da durchs vollgestopfte Zimmer. In Assemblagen aus Materialien der Popkultur sucht der Künstler zudem die Wohlstandsgesellschaft zu spiegeln. „In einer Welt voller Wahlmöglichkeiten“, so heißt es dazu in einem erläuternden Text, „artikuliert sich ein zerrissenes Individuum zwischen einer Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Intimität und einem Bedürfnis nach Abgrenzung und Einzigartigkeit.“ Im Kunstverein nebenan geht es erheblich ruhiger zu, obwohl auch dort bewegte Bilder die Vermittler sind. Auch die italienische Künstlerin und Filmemacherin Anna Franceschini bedient sich der Endlosschleife, hängt kurze Szenen aneinander und lässt den Zuschauer oft raten.

Bilder reflektieren

Doch gegenüber den drei Video-Schöpfern in den Räumen der Kunsthalle wirkt sie fast klassisch, rückwärtsgewandt – was sich auch darin spiegelt, dass sie gern auf der Grundlage von 16-Millimeter- und Super-8-Filmen arbeitet. Ob auf dem Rummelplatz oder in der Neusser Skihalle – Dinge und Räume verselbstständigen sich und nehmen surreale Züge an. Alles scheint sich mit allem zu mischen. Aus Visionen und Klängen entstehen dabei ungeahnte Welten, die nebenbei auch die Entstehung des bewegten Bildes reflektieren.

„Real Humans“ in der Kunsthalle und „Mechanically Yours“ im Kunstverein am Grabbeplatz 4 laufen beide bis zum 19. April. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Eintritt: sechs Euro, ermäßigt drei Euro.

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