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Verzweiflung hinter Masken

19.08.2008 | 17:57 Uhr

Hagen. Die Erwartung ist gewaltig. Kein Film lief am Startwochenende in den USA auf so vielen Leinwänden, 4366 nämlich. Das Einspielergebnis war gewaltig, fast 160 Millionen Dollar in drei Tagen. ...

... Und die meisten Kritiker überschlagen sich vor Begeisterung. Trotzdem ist "The Dark Knight" nicht der beste Batman-Film aller Zeiten. Nur der bisher erfolgreichste.

Denn wer da vollmundig tönt, düsterer habe Batmans Heimatstadt Gotham City niemals ausgesehen, muss die beiden Filme von Tim Burton vergessen haben. Die liegen inzwischen zwar 19 und 16 Jahre zurück, sind in ihrer expressionistischen Stilistik aber immer noch unerreicht.

Der Regisseur Christopher Nolan hat nun eine neue Batmanserie gestartet, die näher an die Realität rückt. "Batman begins" erzählte von Grund auf, wie der Superheld mit der Fledermausmaske zu dem wurde, was er ist. Nun trifft Batman in "The Dark Knight" auf seinen schlimmsten Feind, den Joker.

Auch diesen Schurken mit der Clownsmaske hat es bei Tim Burton schon gegeben. Damals spielte ihn Jack Nicholson mit unnachahmlichem Grinsen, überlebensgroß im wilden Wahn, gratwandelnd auf der Schwelle zwischen Grauen und Groteske. Heath Ledger, dessen Tod nach Abschluss der Dreharbeiten immer noch Rätsel aufgibt, ist ein ganz anderer Joker. Die weißrote Schminke verläuft ihm im Gesicht, sein irres Lachen setzt er sparsamer ein. Doch wenn es ertönt, tut es wahrhaftig weh. Denn dieser Joker hat nichts mehr von einem Entertainer an sich. Er ist das pure Böse.

Viele Bürger Gothams haben sich auf zwei Boote geflüchtet. Der Joker hat auf beiden Bomben versteckt. Das Perfide: Auf jedem Schiff befindet sich der Zünder, um das jeweils andere in die Luft zu jagen. Bis Mitternacht haben die Menschen Zeit, um das zu tun. Wenn niemand den Knopf drückt, explodieren beide Bomben. Der Joker nennt das ein "soziales Experiment". Heath Ledgers Augen glühen in perversem Hass auf alles Menschliche. Er weiß, dass in diesem Moment sogar Batman hilflos ist.

"The Dark Knight" ist alles andere als ein Popcornspaß. Nur Michael Caine als Batmans Butler Alfred wirft gelegentlich ein paar unterkühlt-ironische Sprüche ins düstere Treiben. Christian Bale zeigt Batman als in purer Verzweiflung verstrickten Kämpfer, den höchstens noch ein kleiner Rest Moral von den Superschurken trennt, die er bekämpft. Wie ein dunkles Schicksalsmotiv zieht sich der Gedanke durch den Film, dass ein Held rechtzeitig aufhören muss, bevor er selbst zum Monster wird.

Eine weitere wichtige Figur der Comics spielt eine prägnante Nebenrolle. Der Staatsanwalt Harvey Dent geht mutig gegen die Gangsterbanden vor, die Gotham beherrschen. Doch der Joker treibt ihn in den Wahnsinn, auf eine so gemeine Art, dass sie hier nicht verraten werden darf. Dent verbrennt halb und wird zu Two-Face, Doppelgesicht. Er wirft eine Münze, um zu entscheiden ob seine gute oder die böse Seite den Vorrang erhält.

Es ist etwas schade, dass dieser faszinierende Charakter neben Heath Ledgers überragender Joker-Darstellung nur die zweite Geige spielt. Aber Two-Face passt natürlich zur Botschaft des Films, dass Gut und Böse so eng verschwistert sind, dass nicht einmal ein Superheld sie noch auseinander halten kann.

Christopher Nolans Film hat Überlänge, und das merkt man "The Dark Knight" im ersten Teil manchmal an. Der Regisseur hat unendlich viel in diesen Film gepackt, "Batman begins" war dagegen stringenter.

Doch der Schluss schnürt nicht nur einem Batman-Fan die Kehle zu. Da schreibt Christopher Nolan den Mythos neu, aus einer finsteren Perspektive. Batman wird wirklich zum dunklen Ritter, zum "Dark Knight".

Von Stefan Keim

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