Verheddert im Gefühlsgeflecht - Arcadi Volodos in Essen

Arcadi Volodos beim Klavier-Festival Ruhr 2015.
Arcadi Volodos beim Klavier-Festival Ruhr 2015.
Foto: Frank Mohn /KFR
Was wir bereits wissen
Kirchenmann oder Tastenlöwe: Die Auftritte des Starpianisten Arcadi Volodos sind von besonderer Art. Jetzt war er in Essens Philharmonie zu hören.

Essen.. Wie er sich verbeugt, mit breitem Lächeln, wie er die Hände gütig vor dem Bauch verschränkt und auf sein Publikum blickt, hat der russische Pianist Arcadi Volodos, im schwarzen Ornat des Künstlers, etwas von einem Kirchenmann. Gleich wird er uns strenge Exerzitien auferlegen: die des absolut genauen Hinhörens, der unbedingten Geduld, der Seelenschau aus dem Geiste der Musik.

Er spielt, nein zelebriert Werke von Brahms und Schubert. Er macht es sich bisweilen bequem auf seinem Lehnstuhl, lässt dann die melodischen Fortgänge in aller Seelenruhe aus den Fingern fließen. Doch geht es Volodos nicht in erster Linie, etwa in Schuberts später B-Dur-Sonate, ums Auskosten der vielbeschworenen himmlischen Längen. Vielmehr ist der Pianist beständig auf der Spur beseelter Klanginseln.

Konzerte Schon das 14. Mal beim Klavierfestival

So wird sein nunmehr 14. Auftritt beim Klavierfestival Ruhr, diesmal in der Essener Philharmonie, zu einem Akt der Selbstbeschränkung. Das musikalische Fließen bremst der Pianist oft aus, die Form entsteht durch ein Aneinanderreihen von Ausdruckswelten. Volodos grübelt schwermütig mit Brahms (Klavierstücke op. 118), lässt den Bass grollen und Höhen zärtlich aufklingen, versinkt indes bisweilen im konturlosen Spiel. Abrupte Tempoverzögerungen lassen sogar kurz Chopin durchblicken – seltsamer Ausflug in eine fremde Welt.

Sein Spiel nimmt Schubert Leben

Ähnliches gilt für den langsamen Satz der Schubert-Sonate: Das Melos gefriert zu Eis, ein Totenglöckchen läutet, und alles klingt so wunderbar wie falsch impressionistisch. Volodos musiziert unsagbar leise, nimmt dem Andante dabei soviel Leben, dass die beiden folgenden Sätze wie angepappt wirken.

Einst begann der Russe als wild virtuoser Tastenlöwe. Mit den Jahren aber hat er zweifellos an Klang wie Ausdruck gewonnen. Und doch verheddert er sich im Gefühlsgeflecht, denkt in Episoden, das große Ganze aus dem Blick verlierend.