Uwe Lyko - Der Mann hinter Herbert Knebel
29.08.2009 | 12:37 Uhr 2009-08-29T12:37:00+0200
Essen. Uwe Lyko wird zurzeit für seine Imitation des Qualmkanzlers Helmut Schmidt gefeiert. Beinahe ein bisschen zu viel. Im Interview erzählt er vom Soloprogramm „Ich glaub, ich geh kaputt” und wie viel Gutes in seiner alten Paraderolle steckt.
Holt die Omas von der Straße, Herbert Knebel tourt wieder, solo, aber bestimmt nicht allein, denn viele Auftritte sind ausverkauft. Georg Howahl sprach mit Uwe Lyko, dem Mann hinter dem Kassengestell, über das neue Programm „Ich glaub, ich geh kaputt” und den unverhofften Erfolg des Duos „Loki und Smoky”.
Herr Lyko, mit „Loki und Smoky” in den WDR-Mitternachtsspitzen sind Sie ja weit weg von Herbert Knebel. Steht da eine Zweitkarriere an?
Uwe Lyko: So weit würde ich nun nicht gehen. Aber das ist ja wirklich zu einem Quotenhit geworden und entwickelt langsam Kultstatus.
Was finden Sie denn überhaupt an Helmut Schmidt?
Uwe Lyko: Ich habe eine Dokumentation gesehen über den Deutschen Herbst, da hielt Schmidt diese Rede, in der er an die Terroristen appellierte: „Sie irren, wenn Sie meinen . . .” Mir ist aufgefallen, was für ein toller Rhetoriker Schmidt war. Dieses: „Sie irren, wenn Sie meinen . . .” das war für mich wie ein Ohrwurm. Also habe ich mich in den Sprachduktus eingearbeitet und gemerkt: Das hört sich authentisch an, wenn Du den nachmachst.
Aber von da bis zu einer Kabarettnummer ist es ja ein weiter Weg, oder?
Uwe Lyko: Wie bei allen Sachen, die wirklich gut und witzig sind, kam der Zufall hinzu. Als wir eine Aufzeichnung zu den Mitternachtsspitzen hatten, fragte mich Jürgen Becker: Und, was machst Du gerade so? Und ich sagte aus Quatsch: Och, ich schaff' mir grad den Schmidt drauf. Sagt Jürgen: Mach mal. Dann habe ich zwei Sätze gesprochen. Da sagt Jürgen: Super, da machen wir sofort ne Rubrik draus, drehte sich um und ging weg. Eine Minute später kam er wieder: Hör mal, Uwe, ich hab alles in die Wege geleitet, dann und dann haste nen Termin in der Maske. Ich sag: Bist Du bescheuert? Ich mach das nur so aus Quatsch. Aber dann haben wir herumgesponnen, wir haben uns überlegt, dass Schmidt sich immer mit seiner Frau Loki unterhält, unter der Dunstabzugshaube, und so ist das entstanden. Ein riesiger Quatsch.
Aber etwas, das gar nichts mit Knebel zu tun hat . . .
Uwe Lyko: Irrwitzigerweise gibt es immer noch Leute, die gar nicht wissen, dass ich das bin, der da raucht. Die sagen immer noch: Was, das ist der Knebel? Das hätte ich aber nicht gedacht. Mittlerweile hat sich bei mir sogar schon eine gewisse Eifersucht eingestellt gegenüber Loki und Smoky.
Eifersucht?
Uwe Lyko: Es ist so, dass ich denke: Also Leute, das ist schön, das schmeichelt auch meiner Eitelkeit, dass ihr das toll findet. Weil ich da auch etwas vollkommen anderes bediene und unter Beweis stelle, dass ich nicht nur den Oppa spielen kann. Aber dann denke ich mir auch, ich habe bei den Mitternachtsspitzen auch ganz tolle Knebel-Nummern gespielt. Gelobt werden aber immer nur Loki und Smoky. Mittlerweile nervt mich das fast schon ein bisschen.
Aber wer da etwas verpasst hat, kann ja zu Ihrem Solo-Programm kommen, oder?
Uwe Lyko: Naja, es gibt da ein paar Sachen, die habe ich schon mal in den Mitternachtsspitzen gemacht. Aber im Soloprogramm sind viele ganz neue Nummern, einige haben wir erst in diesem Jahr geschrieben. Und dann sind ein paar dabei, die wir schon länger haben, die ich aber immer in einem Bühnenprogramm spielen wollte. Da ist so eine Geschichte, in der ich zum Tierarzt gehe. Wegen einem Hamster. Die fand ich schon immer total witzig, die hat aber nie in ein Programm gepasst.
Ist es für Sie eine Umstellung, solo zu spielen?
Uwe Lyko: Beim Soloprogramm ist der Sprachanteil wesentlich höher, es ist mehr Text zu lernen. Was aber einen besonderen Reiz hat, denn beim Soloprogramm konzentrieren sich die Leute viel mehr auf die Geschichten.
Sie machen den Knebel-Job seit über 20 Jahren. Warum kommen denn auch relativ viele junge Leute zu ihnen?
Uwe Lyko: Bei manchen denke ich wirklich: Die sind zu einer Zeit geboren, da gab es Knebels Affentheater erst seit drei Jahren. Tatsächlich ist der Knebelsche Humor für junge Leute nicht mehr richtig erlebbar. Ich glaube, dass man eine gewisse Lebenserfahrung braucht, um diese Art von Komik verstehen zu können.
Dabei sieht man aber immer noch genügend skurrile Opas an den Trinkhallen . . .
Uwe Lyko: Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Ich glaub, die wachsen nach. Das ist eine Spezies, die ist wohl einfach nicht kaputtzukriegen.
Herbert Knebel: „Ich glaub, ich geh kaputt”. Premiere am 12. & 13.9. in Krefeld. Termine: 1. & 2.12. Mülheim, 6.12. Kamp Lintfort, 8.1. Dorsten
15:12
.. ich sach nur- pack ma anne Spüle !!
Sein Auftritt am Samstag Abend in Krefeld - große Klasse-
vielen Dank an Uwe Lyko - und natürlich Ozzy -für den tollen Abend.