Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Berlinale

Unvollendeter Film mit River Phoenix ist Beitrag auf der Berlinale

15.02.2013 | 14:29 Uhr
Unvollendeter Film mit River Phoenix ist Beitrag auf der Berlinale
Die Schauspieler Judy Davis und River Phoenix in dem Film „Dark Blood“.Foto: Berlinale

Berlin.   Noch nie ist ein 20 Jahre alter Film im Wettbewerbsprogramm der Berlinale gelaufen. George Sluizers „Dark Blood“ wurde tatsächlich schon im Jahre 1993 gedreht - doch niemals beendet. Denn der Hauptdarsteller River Phoenix starb zehn Tage vor Abschluss der Dreharbeiten an einer Überdosis Heroin und Kokain.

Noch nie ist ein 20 Jahre alter Film im Wettbewerbsprogramm der Berlinale gelaufen. George Sluizers „Dark Blood“ wurde tatsächlich schon im Jahre 1993 gedreht - doch niemals beendet. Denn der Hauptdarsteller River Phoenix starb zehn Tage vor Abschluss der Dreharbeiten an einer Überdosis Heroin und Kokain. Phoenix galt damals als eine der größten Hoffnungen Hollywoods, eine Art James Dean der neuen Zeit. Filme wie „Flucht ins Ungewisse“, „Little Nikita“, My Private Idaho“ und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ hatten ihn bereits mit 23 Jahren zur Kino-Ikone werden lassen - ein Ruhm, dem er offenbar nicht standhalten konnte.

Jetzt ist Regisseur George Sluizer mit dem nicht ganz fertigen Film „Dark Blood“ nach Berlin gekommen und zeigt ihn außer Konkurrenz. Er selbst spricht ein paar erklärende Worte zu Beginn, die fehlenden Szene füllt er jeweils mit einem Standbild und dem eingesprochenen Drehbuchtext. Das macht die Produktion noch interessanter; ein behutsamer Verfremdungseffekt: Das Unfertige des Films wird auf diese Weise geradezu zu einem dramaturgischen Geniestreich.

Film mit River Phoenix gehört jetzt einer Versicherungsfirma

Sluizer ist inzwischen selbst todkrank; auf Krücken begegnet er dem Publikum an der Spree. Doch es erfüllt ihn jetzt auch eine tiefe Zufriedenheit, das lang vergessene Filmmaterial endlich in einer passende Form gegossen zu haben. Die Besitzer, eine Versicherungsfirma, die nach dem tragischen Drehabbruch die Rechte übernahm, muss aber noch grünes Licht für den großen Kinostart geben.

„Dark Blood“ ist eine Art moderner Western, der in einer von Nukleartests verseuchten Wüste Amerikas spielt. River Phoenix ist der eigenbrötlerische Jung-Eremit, zu dem sich ein Ehepaar verirrt, dessen Wagen liegen geblieben ist. Es entwickelt sich eine amouröse Beziehung zwischen der Frau und ihrem Wüsten-Gastgeber, die mehr und mehr in Spannungen zwischen allen drei Beteiligten ausartet. Am Ende kommt es zu einem regelrechten Showdown, und River Phoenix’ letzte Worte lauten: „Ich weiß, dass ich sterbe.“

Wie ein Vermächtnis mutet „Dark Blood“ an, wie eine Mahnung, die aus der Vergangenheit doch noch in unsere Gegenwart hinüber gerettet worden ist. Die Wiederbegegnung mit einem Toten, der vor der Kamera abermals den eigenen Tod darstellt, hat etwas wirklich Berührendes. Dass daraus ein eigenständiges, überzeugendes Kunstwerk geworden ist, bleibt Sluizers Verdienst.

Andreas Thiemann



Kommentare
15.02.2013
18:51
Ende von Filmen verraten ist eine Unsitte
von SoerenHL | #1

In solchen Artikeln oder Rezensionen wird neuerdings einfach viel zu viel verraten. Was soll das? Ja, es juckt in den Fingern.... Aber für alle Menschen die den Film vielleicht irgendwann noch sehen können und wollen ist es sehr unschön vorher schon das Ende zu kennen.

Aus dem Ressort
Orson Welles' letzter Film soll endlich erscheinen
Kino
Vier Jahrzehnte wurde um den Film gestritten, lange galt er als verschollen. Jetzt soll Orson Welles' letztes Werk "The Other Side of the Wind" doch noch ins Kino kommen - zum 100. Geburtstag des Filmemachers am 6. Mai 2015.
Ben Howard – Mister Schwermut kehrt zurück
Interview
Mit seinem Debütalbum „Every Kingdom“ überraschte der joviale Akustikgitarrenjunge Ben Howard vor zwei Jahren Fans und Fachwelt. Dass ein Typ mit der Gitarre, der gerne surft, über eine Million Alben verkauft, „ist in der heutigen Zeit eigentlich nicht vorgesehen“, sagt der 27-jährige Brite im...
Warum Buchhändler das Ende der Buchpreisbindung fürchten
Freihandel
Buchhändler machen mobil gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Ihre Angst: Bei den Verhandlungen könnten die Europäer die deutsche Buchpreisbindung opfern. Aber sind die festen Preise überhaupt noch zeitgemäß - und was wäre, wenn die Preisbindung verschwände?
Comedian Ingo Appelt findet Männer "grausam peinlich"
Comedy
Der Comedian Ingo Appelt hat sein aktuelles Programm "Frauen sind Göttinnen" runderneuert und kommt damit zurück nach Mülheim in die Stadthalle. Im Interview erzählt er von dem Prügel-Gen der Männer, den Vorteilen von Frauen in der Chefetage und warum seine Programme stets "Patchwork" sind.
Die Sozialkomödie "Pride" hat das Potenzial zum Kultfilm
Komödie
In der britischen Komödie "Pride" unterstützt eine Gruppe von Schwulen und Lesben aus London streikende Bergarbeiter in Wales – heraus kommt ein Geschenk für das Kino fernab aller Klischees. Regisseur Matthew Warchus vereinigt die Story zu einem wunderbaren Gemisch der Charaktere.
Umfrage
Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos