Unterwegs mit Wagners Camping-Bus
30.07.2010 | 16:56 Uhr 2010-07-30T16:56:00+0200
Bayreuth.Während der Bayreuther Festspiele ist das Publikum empfänglich für Wagner-Reliquien. Das wissen auch die Händler. So vermietet ein Hotelier einen Bus, mit dem Wagner früher zum Camping gefahren ist. Lars von der Gönna hat nachgefragt.
Bayreuth-Publikum ist empfänglich für Wagner-Reliquien. Richard Wagners Klavier oder Grabstein seines Hundes werden mit selbstverständlicher Bewunderung heimgesucht. Natürlich muss man Acht geben, dass die Reliquien echt sind, dafür wiederum muss man gut in Geschichte sein.
Bekanntermaßen ist vor Jahren ein wichtiger deutscher Kulturjournalist rausgeflogen, weil er Goethe und den Frankfurter Hauptbahnhof zu guten Bekannten gemacht hat. In der Nähe von Bayreuth vermietet neuerdings ein Hotelier einen VW-Bus, mit dem Wagner angeblich früher zum Camping gefahren ist. Natürlich stöhnte man zunächst auf, an einen PR-Coup ohne historisches Fundament glaubend. Dann aber stellte sich heraus, dass es der Bus ist, den Wolfgang Wagner (Enkel Richards, Anm. d. Red) früher lenkte, wenn er die ganzen Opern ab und zu einfach mal hinter sich lassen wollte.
Die eigentlich interessante Nachricht daran, ist dass Wolfgang Wagner Camping mochte. Mir war das neu. Dieser kleinwüchsige cholerische Gralshüter mit Luftmatratze und Blechgeschirr, das ist eine irgendwie befreiende Vorstellung. Kratzer machen Mythen im Grunde noch größer. Den Wagner-Bus kann man leihen. Der Hotelier sagt, es laufe ganz gut. In der aktuellen „Siegfried“-Inszenierung gibt es ein Zelt. Bayreuth ist voller Bezüge, mit Glück versteht man einen Bruchteil davon.
Leitmotiv des Tages: „Wild rasseln die Räder“ (Richard Wagner, Die Walküre, 2. Aufzug, 1. Szene)
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