Unterm Stetson wird gejodelt

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Essen..  Vor 13 Jahren entschied sich Garth Brooks zum Ausstieg. Keine Konzerte mehr, keine Platten. Ende. Er wolle seinen Kindern ein guter Vater sein, sagte die Ikone der Countrymusik, die in den USA fast so viele Platten verkaufte wie Elvis. Doch das Geldzählen im Vorruhestand war ihm offenbar doch auf Dauer zu langweilig, und die Kinder haben mittlerweile die High School absolviert. Brooks, inzwischen fast 52, kehrt jetzt also mit einem neuen Album zurück. „Man Against Machine“ (Sony Music) dürfte auch der deutschen Countrymusikgemeinde erhebliche Freude bereiten.

Obwohl das unerwartete Comeback ausgesprochen irritierend beginnt. Der Titelsong ist heftig rockig ausgefallen, die Brettgitarrenharmonien klingen ein bisschen nach „White Room“ – und sehr wenig nach Brooks.

Doch der biegt dann recht zügig, schon mit dem folgenden Song, ab nach Nashville. Und fortan wird fröhlich unterm Stetson gejodelt. Die Pedalsteel darf wimmern, die Fiddle innig singen, unverkennbar ist das wunderbare Dobro-Spiel von Gaststar Jerry Douglas bei „Wrong About Me“, und die Chöre unter der Regie von Garth Brooks waren schon Legende, als der Meister vor knapp 30 Jahren damit begann, traditionelle Countrysounds mit Popelementen zu mixen.

Der Bariton des Chefs selbst steht voll im Saft, kein bisschen Substanzverlust, Hut ab. Und weil das Album gleich 14 Titel enthält, wird stilistisch fast alles bedient, was man in der Country & Western-Ecke zusammenfegen kann. Schwebender Walzersound („Cowboys Forever“), zarte, hemmungslos an die Kitschgrenze heransingende Balladen (Brooks gibt den Heintje und trällert ein Lied für alle Mütter: „Mom“), lässiger Countryswing („Rodeo And Juliet“) und etliches zumindest in den USA stadiontaugliches Zeug wie „Midnight Train“.