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Unsere festlichen Seiten – Bücher als Präsente

10.12.2010 | 16:17 Uhr
Unsere festlichen Seiten – Bücher als Präsente
Literatur ist ein Geschenk! Foto: Vasiliy Koval

Essen.Geschenk-Papier der anderen Art: Wir stellen berührende Romane, packende Krimis und informative Sachbücher des Jahres 2010 vor, die sich prächtig als Präsente unterm Tannenbaum eignen.

Für leidenschaftliche Sammler

Was bleibt, wenn eine Beziehung zerbricht? Die New Yorkerin Leanne Shapton stellte einen fiktiven Auktions-Katalog zusammen, der die Geschichte einer Liebe in Fundstücken erzählt. „Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck” (Berlin Verl., 144 S., 19,90 €) ist frisch, originell - und sehr, sehr lustig.

Für Ge- und Vertraute

Arno Geiger: Alles über Sally.

Die Ehe ist tot, es lebe die Ehe. Die Heldin in Arno Geigers Roman „Alles über Sally” (Hanser, 368 S., 21,50) ist die moderne Variante von Anna K., Effie B. und Madame B.: Ihre Ehe schloss sie im leichtlebigen Überschwang der 70er-Jahre, nun leidet sie an der eigenen Bürgerlichkeit. Ein wunderbares Porträt einer Frauengenerationen. (Für Romantiker: Es geht gut aus!)

Nicht nur für Frauen!

Das Küstenstädtchen Crosby in Maine ist Schauplatz von Elizabeth Strouts bewegenden Panorama „Mit Blick aufs Meer” (Luchterhand, 352 S., 19,90 €), das in den USA den Pulitzer-Preis gewann. Ein Schicksals-Reigen um Heldin Olive Kitteridge wird zum grandiosen Ball einer Gesellschaft – auf dem rutschigen Parkett der Post-Bush-Ära.

Für Feministinnen der ersten Stunde

Die Altmeisterin der Kurzgeschichte in ihren Anfängen: Kanadierin Alice Munro erzählt in „Tanz der seligen Geister” (Dörlemann, 384 S., 23,90) historische Emanzipationsgeschichten: vom ersten eigenen Büro, dem Abschlussball, von „der Macht des Sex”. Die Stories von 1968 wurden erstmals ins Deutsche übersetzt – und sind eine gute Erinnerung an alte Kämpfe.

Für Sparbuchbesitzer

Kristof Magnusson: Das war ich nicht. Foto: Kunstmann-Verlag

Komisch, rasant, absurd: Der Deutsch-Isländer Kristof Magnusson lässt seinem Helden Jasper im Roman „Das war ich nicht” (A. Kunstmann Verl., 288 S., 19,90 €) als „Rockstar” im Händlersaal freien Lauf: Und die Finanzwelt crasht, dass es kracht – in Sprockhövel ebenso wie in Chicago. Ein Trost: Der Kauf des Buches ist eine sichere Anlage. Garantiert!

Für Hartgesottene

Das Ende ist so traurig, dass es einen schüttelt, und doch auf eine dunkle Weise tröstlich. Die argentinische Autorin Carla Guelfenbein begleitet in „Der Rest ist Schweigen” (S. Fischer, 335 S., 19,95 €) den Jungen Tommy, der mit einem Aufnahmegerät erschütternde Wahrheiten aufzeichnet: Seine Mutter starb nicht an einer Krankheit, sie tötete sich selbst. Familiendrama mit literarischem Tiefgang.

Für Vorstädter

Bjarte Breiteig gilt in seiner Heimat Norwegen als aufregende Stimme der jüngeren Generation – mit Recht. Erstmals erschien nun ein Erzählband auf Deutsch: „Von nun an” (Luftschacht, 109 S., 14,90 €). Einsame in gesichtslosen Vorstädten; Krankheit, Gewalt, Tod – Hoffnung wartet in diesen spröden, kargen Texten zwischen den Zeilen. Entdeckenswert.

Für Hauptstädter

Alexander Osangs Nachwenderoman „Königstorkinder” (S. Fischer, 320 S., 19,95 €) porträtiert den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg und die Gescheiterten hüben und drüben. Eine Love-Story zwischen Ost und West; ein Rollenspiel, das eine ganz eigene Wendung nimmt – klug gedacht, grandios erzählt.

Für Immobilienhäie

Griffin will auf keinen Fall so werden wie seine Eltern, aber – Sie ahnen es. Pulitzer-Preisträger Richard Russo hat in „Diese alte Sehnsucht“ (Dumont, 352 S., 19,95 €) einen Generationenroman im Akademiker-Milieu geschaffen, der die Leser erst erschreckt, dann amüsiert, zum Schluss versöhnlich stimmt: Es lebe die Ehe! (Schon wieder.) Warum aber die Sommer- und Sehnsuchts-Häuser am Cape Cod so teuer sein müssen, erklärt er nicht.

Für Meeresfreunde

US-Autor John Irving. Foto: Natalie Nollert/dapd

Ein Jahrhundert auf knapp 200 Seiten, dies gelingt nur einem Präzisionserzähler wie Hans Joachim Schädlich: „Kokoschkins Reise” (Rowohlt, 190 S., 17,95 €) beschreibt oberflächlich eine Kreuzfahrt auf dem Atlantik. Das Meer aber, auf dem seine Geschichte dahingleitet, ist die ewig wandelbare Historie selbst.

Für Vergessliche

Manches belletristische Hoch des Jahres ist eine Weile her. Ohne große Worte, mit dringenden Empfehlungen einige adipöse (gewichtige) Werke: Jonathan Franzen, „Freiheit”. John Irving, „Letzte Nacht in Twisted River”. Ian McEwan, „Solar”. Paul Auster, „Unsichtbar”.

Für Hobbyköche

Vorspeise: Gratinierte Grünschalmuscheln aus Neuseeland. Hauptgang: Hähnchen in Schokosauce aus Mexiko. Köchin Petra Diaz reiste in zwölf Wochen um die Welt und aß. Heraus kam – nein, kein Kochbuch. Sondern eine „Kulinarische Weltreise” (edition Büchergilde, Box mit Rezeptfaltkarten, 22,95 €).

Für Banausen

Moderator und Bestseller-Autor Frank Schätzing auf hoher See. Foto: ZDF

Ein Geschenk nur für gute Freunde. Andere könnten „Kultur für Banausen” (Lübbe, 320 S., 16,90 €) unschön missdeuten. Dabei haben die Journalisten Markus Reiter und Tim Schleider beste Absichten: Sie erklären, warum es Kunst, Literatur, Musik gibt – und wer sie macht. Ein Buch als Türöffner.

Für Tieftaucher

Ein Ozean an Wissen – der Witz über Frank Schätzings „Nachrichten aus einem unbekannten Universum” ist so alt wie das Buch selbst. Jetzt aber gibt es die illustrierte Ausgabe passend zum ZDF-Film (Kiepenheuer & Witsch, 336 S., 29,95 €).

Für Hochhinausträumer

Margarete Mitscherlich lacht laut und jung über die Frage nach dem Glück. Toni Ungerer wischt es gleich als „Illusion“ beiseite: Die Journalistin Ursula von Arx hat es nicht immer leicht gehabt in den Gesprächen über „Ein gutes Leben” (Kein & Aber, 223 S., 18,90 €). Zwanzig Menschen erzählen von Glückssuche und Unglücksbekämpfung: zwanzig wahre Romane.

Britta Heidemann

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Kommentare
11.12.2010
14:53
Unsere festlichen Seiten – Bücher als Präsente
von Realisto | #1

Arno Geigers Buch Alles über Sally habe ich gerade gelesen. Das kann ich empfehlen, weil es anspruchsvoll und doch leicht zu lesen ist. Eine unterhaltsame Lektüre. Jonathan Frantzen lese ich gerade, habe aber erst 100 Seiten durch - mit gemischten Gefühlen. Von Paul Auster verschlinge ich jedes Buch.

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