Unser „Charlie“

Bis auf sieben Millionen Exemplare wurde die Auflage der Nach-Anschlags-Ausgabe von „Charlie Hebdo“ am Samstag noch gesteigert – und doch waren es viel zu wenige. Hunderte ginge auch hierzulande ohne ein Heft aus, selbst wenn sie stundenlang darauf gewartet haben, dass der Bahnhofskiosk oder Comicladen endlich aufmachte. Der geringste Teil von ihnen wird auf die rasante Wertsteigerung spekuliert haben, die sich schon wenige Stunden später einstellte, als im Internet die neuen, vier Euro teuren „Charlie Hebdo“-Hefte für bis zu 100 Euro angeboten wurden.

Nun wird auch noch eine digitale Fassung des Hefts in vier Sprachen vorbereitet. Aber das ist für die meisten, die da leer ausgingen, kein Ersatz. Zum einen wollten sie ein Dokument in Händen halten, von dem man jetzt schon weiß, dass es historisch ist. Zu Comics gehört für viele eben doch noch die sinnliche Erfahrung von Papier, von Umblättern. Und zum anderen wird für die meisten der Kauf der „Charlie“-Ausgabe ein Bekenntnis, eine politische Demonstration gewesen sein. Dass sie so preiswert war, lag ja nur daran, dass es um Comics ging.