Über den Wolken mit Wolf-Dietrich Kadach
04.09.2009 | 15:08 Uhr 2009-09-04T15:08:00+0200
Abgehoben? Nein, abgehoben ist Wolf-Dietrich Kadach nicht. Er setzt mehr auf das Abheben. Denn abheben, das ist die Passion des 56-jährigen Werlers. Wolf-Dietrich Kadach ist begeisterter Ballonfahrer.
„Begeistert ist nicht falsch, aber es ist zu wenig, zu klein. Es beschreibt nicht den Enthusiasmus, mit dem ich für das Ballonfahren entflammt bin”, umreißt er die Leidenschaft, mit der er sein Hobby betreibt.
Jetzt ist der 56-Jährige mit seinem Team auf dem Weg von Werl nach Welver. Dort soll der Kadach-Ballon „D-OKWD” in die Luft steigen. „Die Bedingungen sind heute günstig”, erklärt der Aeronaut, „der Abendwind weht sehr mäßig und die Sicht ist weit.”
Jeder Handgriff sitzt
Beim Ballon-Team Werl sitzt jeder Handgriff. Ohne Eile laden Susanne, Kathrin, Bernhard, Bernd und Moritz den Korb vom Transportanhänger. Im Korb ist Platz für vier Fahrgäste und den Piloten. Doch bevor der Luftschiffer zur Fahrt über die Börde einladen kann, muss die Passagiergondel aus Weidengeflecht erst einmal bestückt werden: Vier Gasflaschen, ein Stützgestell, darauf zwei Brenner und jede Menge Luftfahrt-Equipment für die Navigation, die Temperatur-Messung, die Fahrtrichtung und die Standortbestimmung. Nicht zu vergessen das Funkgerät, mit dem der Ballöner Kontakt zur Flugüberwachung und zu seiner Verfolgercrew hält.
Inzwischen hat die Mannschaft die Ballonhülle des schwarz-rot-gelben „Cameron N120” - so die Hersteller-Bezeichnung - auf der Wiese ausgebreitet. Ein vierfacher Klick. Die Drahtseile, die die Hülle durchziehen, sind am Korb befestigt. Der Motor des Ventilators springt an. Knatternd blasen seine rotierenden Flügel frische Landluft in das tragende Element des Luftschiffes. Wie eine riesengroße Leberwurst wälzt sich die bunte Ballonhaut behäbig über das Stoppelfeld. Von rechts nach links - und wieder zurück.
Volle Power
Jetzt ist die Stunde des Team-Chefs gekommen. Mit einem fauchenden Zischen entzündet sich der Brenner. Eine gut zwei Meter lange Gasflamme züngelt in die Öffnung des Ballons. Mit voller Power lässt Wolf-Dietrich Kadach das heiße Gas in die Hülle krachen. Nach wenigen Minuten richtet sich der 3400 Kubikmeter große, prallgefüllte farbenfrohe Ball über dem Korb auf. Nun muss es schnell gehen. Rein in den Korb und ab geht die Post - besser der Ballon.
Mit zehn Metern in der Sekunde steigt „D-OKWD” in den Abendhimmel und nimmt Fahrt auf in Richtung Soest. Die Augen des 56-jährigen Luftschiffers glänzen hinter der kleinen Brille: „Jede Fahrt ist anders, aber es ist immer wieder schön.”
Späte Berufung zum Aeronauten
Er kann sich noch sehr gut an seine Ballöner-Anfänge erinnern: „Zum 40. Geburtstag habe ich meine erste Ballonfahrt geschenkt bekommen.” Drei Jahre musste er auf das große Ereignis warten. Die Termine passten nicht übereinander. Dann stieg er mit dem damaligen Weltmeister Benedikt Haggeney über Ennigerloh in die Luft. „Von da an war ich vom ,Virus Ballonus' befallen”, schwärmt Wolf-Die-trich Kadach immer noch, „ich wollte selbst den Ballonfahrerschein machen.”
Der Werler setzte sich auf die Aeronauten-Schulbank, lernte alles über Tragkraft, Heben, Senken, Wetter, Navigation und Passagierverhalten. Dazu 20 Fahrstunden und 50 Landungen, unter Null und über 20 Grad. 1997 war endlich das Ziel erreicht. Pilot Wolf-Dietrich hielt den begehrten Schein in der Hand.
Und dann hatte ihn sein Lehrer gefragt: „Hasse auch 'n Ballon?” „Bin ich Krösus?”, fragte Kadach zurück. „Musse nich sein!”, meinte der Lehrer und berichtete dem frisch gebackenen Luftschiffer von einem Komplettabgebot über 28 000 D-Mark. Das war ein Angebot, das Wolf-Dietrich nicht ablehnen konnte: „Schon hatte ich meinen ersten Ballon, das war der ,Meisterpreis'.”
Eine ganze Flotte Luftschiffe
Es dauerte nicht lange, dann gründete der Werler, der hauptberuflich ein Immobilienbüro mit Hausverwaltung betreibt, das Luftfahrtunternehmen „Ballonteam Werl”. Aus einem Ballon sind inzwischen drei Luftschiffe geworden. Neben Wolf-Dietrich Kadach sind noch die Piloten Thomas Ruchay, Achim Mohr und Andreas Knoblich im Einsatz. „Das Ballonfahren bleibt ein Hobby. Geld kannst du damit in unseren Breitengraden nicht verdienen”, unterstreicht Wolf-Dietrich Kadach, „allenfalls fährst du einen Teil der Kosten ein.” Trotzdem ist und bleibt der 56-Jährige weiterhin mit ganzem Herzen für „seine Luftschiffe” entbrannt. 700 Fahrten in vielen Ländern rund um den Erdball sind ein kaum zu steigernder Beweis für seine Leidenschaft. Neben ganz Europa ging Wolf-Dietrich Kadach auch in Syrien, auf den Phillipinen und in den USA an den Start. „Dabei sind wir immer als Team unterwegs, und wir sind alle aufeinander angewiesen”, erklärt Kadach, „Ballonfahren ist ein Mannschaftssport - nichts für Einzelkämpfer.”
Und als wolle er diese These bestärken, setzt Wolf-Dietrich Kadach unweit von Soest zur Landung an in unmittelbarer Nähe warten bereits seine Verfolger. Susanne, Kathrin, Bernhard und Moritz halten sich bereit, um „D-OKWD” in Empfang zu nehmen. Bernd ist im Ballon mitgefahren. Noch wenige Meter, dann ein kurzer Ruck, ein leichter Hüpfer, der Ballonkorb steht auf dem Boden. Über eine Reissleine öffnet sich die Ballonkappe. Die Heissluft entweicht. Die Hülle sinkt in sich zusammen. Wolf-Dietrich Kadach sinniert: „Heute haben wir uns mal wieder treiben lassen.”
- Niederrheinischer Maimorgen. Mit der Fotokamera im Ballon unterwegs.
- Herr der Wetterdaten bei der Montgolfiade
- Ein Geburtstag mit Aussicht
Luftige Ansichten:
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