Turins Ägyptisches Museum im neuen Glanz

Im neuen Glanz zeigt sich das Ägyptische Museum in Turin. Mit fast zweihundert Jahren ist es das älteste seiner Art.
Im neuen Glanz zeigt sich das Ägyptische Museum in Turin. Mit fast zweihundert Jahren ist es das älteste seiner Art.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Saniert für 50 Millionen: Das Ägyptische Museum Turin zeigt bedeutendste Sammlung außerhalb Kairos – vier Jahrtausende, ganz jung.

Turin.. Draußen fließt träge der Nil vorbei, saftig grün leuchtet üppige Flusslandschaft. Drinnen, zwischen weidenden Gazellen, bringen Träger und Lasttiere die Schätze dieses Landes ein: Korn in vollen Körben, Vieh, das Milch und Fleisch gibt, große Fische.

Das hier ist zwar „nur“ ein Grabmal, erstmals wieder so aufgebaut und mit Hilfe moderner Videotechnik so angereichert, wie es die Erbauer selbst vor dreitausend Jahren in der Original-Umgebung gesehen haben. Aber eigentlich ist das Ganze hier viel mehr: eine einzigartige Oase in der europäischen Kulturlandschaft. Denn wo sonst und wann hätte je ein Museumsdirektor den Satz gesagt: „An Geld fehlt es uns nicht“?

50 Millionen Euro hat die italienische Stadt Turin in den Generalumbau seines Ägyptischen Museums gesteckt. Es ist mit fast zweihundert Jahren das älteste seiner Art, es gilt als die bedeutendste Sammlung außerhalb von Kairo, als ein Bezugspunkt ersten Ranges für die Wissenschaft. Nach fünf Jahren Arbeit präsentiert sich das „Museo Egizio“ nun in deutlich verjüngter Gestalt – und ganz selbstbewusst auch als Symbol für den Wandel einer grauen Stadt der Autoindustrie hin zur lichten Kulturmetropole.

Fundstücke aus aller Welt virtuell vereinigt

Ganz Italien, meinte Kulturminister Dario Franceschini zur Neueröffnung, hätte einen solchen Aufbruch nötig – nicht zuletzt aus einer an Häusern reichen, aber schlecht gepflegten Museumswelt. Überall fehlt das Geld, auch, weil das Einbeziehen privater Träger in den staatlichen Kulturauftrag noch immer als „Ausverkauf von Nationalschätzen“ verpönt ist. Auch darin geht Turin neue Wege: Trägerin des Museo Egizio ist eine Stiftung privaten Rechts, in der zwei traditionsreiche, geldschwere Bankstiftungen mehr als die Hälfte des Bedarfs für die Restaurierung beigesteuert haben.

Fund Den Grundstein fürs Museum gelegt haben piemontesische Savoyer-Könige. Zur Zeit der allgemeinen Ägypten-Mode nach Napoleons einschlägigen Eroberungen und besessen von dem Spleen, sie selbst seien pharaonischen Geblüts, kauften sie 1824 die private Sammlung ihres Landsmanns Bernardino Drovetti, der als französischer Konsul am Nil das Beste zusammengerafft hatte, was noch vor den großen Ausgrabungen zu finden war. Die Sammlung schwoll erheblich an durch eigene italienische Ausgrabungen zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Nahe Luxor wurde ein komplettes Dorf – Deir el-Medina – freigelegt. Das Grab des pharaonischen Bauleiters Kha, völlig unberührt aufgefunden, stellt eines der Glanzstücke der Turiner Sammlung dar.

Und was an Fundstücken zerstreut wurde über die Museen der Welt, das bekommen Turiner Besucher heute virtuell vereinigt: mit Tablets, auf denen Fotos und Live-Webcams aus dem Louvre, aus Leyden, aus London etc. eingespielt werden.

Sonnengöttin mit Löwenkopf

Wem das Ganze trotz seiner Anschaulichkeit am Ende zu nüchtern wird, der kommt zum Schluss im „Saal der Könige“ und der löwenköpfigen Sonnengöttin Sekhmet voll auf seine Kosten. Dieses Ensemble gewaltiger, tonnenschwerer Statuen hat Dante Ferretti gestaltet, der italienische Szenenbildner, den Hollywood mit drei Oscars beschenkt hat.

Es ist ein Spiel mit gruftartiger Dunkelheit, einzelnen Lichtern und Spiegelwänden, das Christian Greco auch für Tagungen, Feste, Bankette vermieten will. Mit 81 Prozent Eigenfinanzierung, bestritten durch die zuletzt 568 .000 Besucher pro Jahr – das Haus war während der Restaurierung keinen einzigen Tag geschlossen – steht das Museo Egizio zwar heute schon besser da als die anderen in Italien, aber warum dabei aufhören?