Trauer um Peter Zadek
30.07.2009 | 13:09 Uhr 2009-07-30T13:09:00+0200
Hamburg. Mit Peter Zadek ist einer der profiliertesten deutschen Theaterregisseure gestorben. Er wird der Bühnenwelt fehlen, beteuern Künstler und Politiker. Bochums Intendant Elmar Goerden: "Er wird fehlen. Schmerzhaft!"
Der Tod des legendären Theatermachers Peter Zadek bewegt viele Menschen - in der Bühnenwelt der Republik, selbstverständlich auch in Bochum, wo er in den 70ern das Schauspielhaus prägte, das Elmar Goerden heute leitet: „Seine wilden Ufer, seine Unbedingtheit, sein Irrsinn, seine Sturheit, seine unheilbare Liebe zum spielenden Menschen", will der Intendant erinnert wissen und spricht fürs gesamte Team: „Er wird fehlen. Schmerzhaft!"
Abgründiger Humor und bitterer Ernst
„Es ist ein großer Verlust für die gesamte Kulturszene", sagt Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz zum Tod des Regisseurs; „Zadek hat Bochum als eine der wichtigsten Theaterstädte im deutschsprachigen Raum im öffentlichen Bewusstsein verankert.”
Bundespräsident Horst Köhler kondolierte Peter Zadeks Lebensgefährtin Elisabeth Plessen. In dem Kondolenzschreiben heißt es: "Wir verlieren mit Peter Zadek einen der bedeutendsten Regisseure unserer Zeit und eine herausragende Künstlerpersönlichkeit. Seine Inszenierungen haben die deutschsprachige Theaterlandschaft geprägt. Er verstand es, sein Publikum immer neu zu begeistern, auch weil er es gelegentlich provozierte."
Das Publikum tief berührt
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb an Plessen: "Mit unermüdlicher kreativer Energie hat Peter Zadek über Jahrzehnte hinweg insbesondere das Theater im deutschen Sprachraum durch seine Inszenierungen bereichert und geprägt. Immer gelang es ihm, sein Publikum tief zu berühren. Seine unverwechselbare Ästhetik war radikal, komisch und sensibel zugleich."
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Zadek als einen der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart. Wie kaum ein anderer Künstler habe er die deutsche Bühnenlandschaft seit den 60er Jahren geprägt und verändert. „Die künstlerische Energie seiner Inszenierungen war beispiellos", erklärte Neumann. „Wie Shakespeare, in dessen Tradition er sich sah, gelang es Zadek, populäres Theater mit hohem intellektuellem Anspruch zu verbinden." Seine Inszenierungen voll „abgründigem Humor und bitterem Ernst” seien „rasant, grell und plakativ”, aber auch „leise, poetisch und empfindsam” gewesen.
Brutal und verletzlich
Ulrich Waller, Intendant des St. Pauli Theaters in Hamburg, hatte als einer der ersten vom Tod Zadeks erfahren: „Wir trauern um einen Freund und einen der größten Regisseure des deutschen Theaters."
Das empfindet auch Luc Bondy, Intendant der Wiener Festwochen so: „Er war eine der größten Persönlichkeiten am Theater. Ich war sein Freund und empfand Wärme für ihn. Er war brutal und verletzlich, zweifelte als deutscher Jude an den Deutschen. Aber die Sprache und Deutschland waren seine Kultur.” (moi/AP/ddp)
- Der Kultursender Arte strahlt anlässlich des Todes von Theaterregisseur Peter Zadek am Samstag (1. August, 14 Uhr) die Dokumentation "Mein Leben - Peter Zadek" aus.
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