Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Bühne

Trauer um Peter Zadek

30.07.2009 | 13:09 Uhr
Trauer um Peter Zadek

Hamburg. Mit Peter Zadek ist einer der profiliertesten deutschen Theaterregisseure gestorben. Er wird der Bühnenwelt fehlen, beteuern Künstler und Politiker. Bochums Intendant Elmar Goerden: "Er wird fehlen. Schmerzhaft!"

Der Tod des legendären Theatermachers Peter Zadek bewegt viele Menschen - in der Bühnenwelt der Republik, selbstverständlich auch in Bochum, wo er in den 70ern das Schauspielhaus prägte, das Elmar Goerden heute leitet: „Seine wilden Ufer, seine Unbedingtheit, sein Irrsinn, seine Sturheit, seine unheilbare Liebe zum spielenden Menschen", will der Intendant erinnert wissen und spricht fürs gesamte Team: „Er wird fehlen. Schmerzhaft!"

Abgründiger Humor und bitterer Ernst

Video
Lebenskünstler Fips aus Bochum, 56 Jahre alt, hat mit 13 sein erstes Stück des damaligen Intendanten Peter Zadek am Bochumer Schauspielhaus gesehen. Video: Marc Wolko

„Es ist ein großer Verlust für die gesamte Kulturszene", sagt Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz zum Tod des Regisseurs; „Zadek hat Bochum als eine der wichtigsten Theaterstädte im deutschsprachigen Raum im öffentlichen Bewusstsein verankert.”

Bundespräsident Horst Köhler kondolierte Peter Zadeks Lebensgefährtin Elisabeth Plessen. In dem Kondolenzschreiben heißt es: "Wir verlieren mit Peter Zadek einen der bedeutendsten Regisseure unserer Zeit und eine herausragende Künstlerpersönlichkeit. Seine Inszenierungen haben die deutschsprachige Theaterlandschaft geprägt. Er verstand es, sein Publikum immer neu zu begeistern, auch weil er es gelegentlich provozierte."

Das Publikum tief berührt

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb an Plessen: "Mit unermüdlicher kreativer Energie hat Peter Zadek über Jahrzehnte hinweg insbesondere das Theater im deutschen Sprachraum durch seine Inszenierungen bereichert und geprägt. Immer gelang es ihm, sein Publikum tief zu berühren. Seine unverwechselbare Ästhetik war radikal, komisch und sensibel zugleich."

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Zadek als einen der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart. Wie kaum ein anderer Künstler habe er die deutsche Bühnenlandschaft seit den 60er Jahren geprägt und verändert. „Die künstlerische Energie seiner Inszenierungen war beispiellos", erklärte Neumann. „Wie Shakespeare, in dessen Tradition er sich sah, gelang es Zadek, populäres Theater mit hohem intellektuellem Anspruch zu verbinden." Seine Inszenierungen voll „abgründigem Humor und bitterem Ernst” seien „rasant, grell und plakativ”, aber auch „leise, poetisch und empfindsam” gewesen.

Brutal und verletzlich

Ulrich Waller, Intendant des St. Pauli Theaters in Hamburg, hatte als einer der ersten vom Tod Zadeks erfahren: „Wir trauern um einen Freund und einen der größten Regisseure des deutschen Theaters."

Das empfindet auch Luc Bondy, Intendant der Wiener Festwochen so: „Er war eine der größten Persönlichkeiten am Theater. Ich war sein Freund und empfand Wärme für ihn. Er war brutal und verletzlich, zweifelte als deutscher Jude an den Deutschen. Aber die Sprache und Deutschland waren seine Kultur.” (moi/AP/ddp)

  • Der Kultursender Arte strahlt anlässlich des Todes von Theaterregisseur Peter Zadek am Samstag (1. August, 14 Uhr) die Dokumentation "Mein Leben - Peter Zadek" aus.

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/146806/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schweden gewinnt ESC
Bildgalerie
Fotostrecke
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Aus dem Ressort
Künstler wirft der Documenta-Leitung Zensur vor
Ausstellung
Streit um die Documenta in Kassel: Die evangelische Kirche wollte zur Documenta-Zeit vor einer Kirche ebenfalls Kunst zeigen. Dagegen wehrte sich die Documenta-Leitung - und muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, Zensur zu betreiben.
Türkischem Pianisten Fazil Say droht Haft wegen Tweet
Regierungskritiker
Dem bekanntem türkischen Pianisten Fazil Say drohen eineinhalb Jahre Haft. Say soll auf Twitter den Islam beleidigt haben. Die türkische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Say hat auch eine Verbindung nach NRW.