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Tödliche Dramen vor Lampedusa

21.02.2016 | 18:00 Uhr
Tödliche Dramen vor Lampedusa
Trine Dyrholm und Gianfranco Rosi bei der Berlinale-Siegerehrung.Foto: Sean Gallup

Berlin.   Der italienische Dokumentarfilm „Fuocoammare“ hat den Goldenen Bären bei der Berlinale gewonnen.

„Wir wurden überwältigt von der besonderen Kraft eines Films, der Kunst und politische Einsichten miteinander verbindet. Das ist das Herz der Berlinale.“ Mit diesen starken Worten hat Jury-Präsidentin Meryl Streep die Entscheidung begründet, den Goldenen Bären der 66. Internationalen Filmfestspiele von Berlin an das italienische Doku-Drama „Fuocoammare“ (Feuer auf See) zu vergeben.

Regisseur Gianfranco Rosi, selbst einst aus Eritrea geflohen, hat für seinen Flüchtlingsfilm rund um Lampedusa ein Jahr lang recherchiert und gedreht. In Berlin sagte er bei der Preisverleihung: „In diesem Augenblick gehen meine Gedanken an all jene Menschen, die es nie geschafft haben, auf Lampedusa anzukommen.“

Niemals zuvor ist ein Film dichter und beklemmender an die Flüchtlingstragödie im Mittelmeer herangekommen. Und Rosi hat sich nicht gescheut, dem Tod buchstäblich ins Auge zu schauen. Dass er dabei dennoch nicht den unbedingten Respekt vor der Würde des Menschen verloren hat, ist eine weitere große Leistung seines Films, der beim Zuschauen so sehr unter die Haut geht.

„Größte Tragödie nach Holocaust“

Rosi nennt das Flüchtlingselend vor Lampedusa, das schon etwa 500 000 Afrikaner durchlitten habe, „die größte Tragödie nach dem Holocaust“. Viele tausend Menschen sind bei dem Versuch ertrunken, die italienische Insel auf heillos überfüllten und oftmals völlig seeuntüchtigen Schiffen zu erreichen. Dem diesjährigen Berlinale-Motto „Recht auf Glück“ wird „Fuocoammare“ damit in ganz besonderer Weise gerecht.

Der tunesische Schauspieler Majd Mastoura („Hedi“) und seine dänische Kollegin Trine Dyrholm („Die Kommune“) wurden als beste Darsteller des Festivals ausgezeichnet. In ihren Rollen als postrevolutionärer Lebenssinnsucher und als enttäuschte Hippie-Frau in den 70er Jahren interpretierten auch sie in eindrucksvoller Art ein jeweils ganz privates Suchen nach dem „Recht auf Glück“.

Die Berlinale-Jury um Meryl Streep war ohnehin offenbar angetreten, die Preisbären möglichst breit zu verteilen. So wurden unter den 18 Wettbewerbsfilmen immerhin acht ausgezeichnet; der einzige deutsche Beitrag „24 Wochen“ ging leider leer aus. Hier hatten sich vor allem die beiden Schauspieler Julia Jentsch und Bjarne Mädel durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen Preis gemacht.

Acht-Stunden-Film ausgezeichnet

Zur Überraschung vieler Beobachter wurde dafür aber der achtstündige (!) Film „Ein Wiegenlied für das schmerzhafte Geheimnis“ des Philippinen Lav Diaz mit einem Spezialpreis geehrt. Die Schwarzweiß-Produktion habe als Spielfilm ganz neue Perspektiven eröffnet, hieß es bei der Jury-Bewertung dazu. Weitere Preise gingen unter anderem an den französischen Streifen „L’avenir“ mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle sowie an die bosnische Produktion „Tod in Sarajewo“ von Danis Tanovic.

Andreas Thiemann

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Tödliche Dramen vor Lampedusa
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2016-02-21 18:00
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