Todesursache: Rock´n´Roll
28.02.2009 | 00:25 Uhr 2009-02-28T00:25:00+0100
Gronau. Das Rock´n´Pop-Museum in Gronau zeigt mit über 200 Plattencovern die dunkle Seite des Glitzerbusiness. Mit Jim Morrison, Janis Joplin und Jimi Hendrix zog der Tod als Mythos in die Rockgeschichte ein.
Erst durch seinen Tod ist Jim Morrison unsterblich geworden. Mit ihm, mit Janis Joplin und Jimi Hendrix zog der Tod als Mythos in die Rockgeschichte ein. Bis dahin war er nur ein Gespenst: Als der Rock´n´Roll noch so jung war, wie er heute noch tut, wollte er ja das schiere Gegenteil von Tod sein: Verschwendung! Leichtsinn! Sex! "Ich hoffe, ich sterbe, bevor ich alt bin", rotzten The Who in "M-m-m-my Generation" den Eltern vor die Füße.
Buddy Holly, Ritchie Valens und Eddie Cochran waren durch böse Unfälle ums Leben gekommen - Morrison, Hendrix und Joplin dagegen starben an Rock. Am Grund-Trieb einer Musik, die nicht nur Schallmauern, sondern auch Grenzen und Tabus im Akkord sprengen will: "My only friend, the End", hatte Morrison geraunt, und das war nun beglaubigt.
Komik, Nostalgie, Staunen Der Psychedelic Rock wollte mit Drogen nur das Bewusstsein erweitern und nahm dafür achselzuckend den Tod in Kauf. Aber als aus dem Rock´n´Roll ein Glitzerbusiness wurde, dienten LSD, Heroin & Co. im Handumdrehn als Aufputschmitteln: Immer schneller, schriller, länger sollten die Konzerte sein und die Tourneen monatelang.
Immer mehr davon spielten seit dem Rock´n´Roll-Heldensterben von 70/71 mit Todesmotiven. Skelette, Schädel, Grabsteine wurden Stammgäste auf LP-Covern. Klar, sagt der Kenner - doch selbst der dürfte schwer beeindruckt sein von den über 200 Plattenhüllen, die das Gronauer Rock´n´Pop-Museum zu seiner neuen Ausstellung zusammengetragen hat: "The Sun Ain´t Gonna Shine Anymore - Tod und Sterben in der Rockmusik", und zusammengestellt von der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen - ab morgen.
Man liest Songtexte, in deutscher Übersetzung mit unfreiwilliger Komik, und es wimmelt vor Toten, auch dort, wo man sie ("Bohemian Rhapsody" von Queen!) gar nicht in Erinnerung hatte. Gegen depressive Schübe helfen die Audio-Guides der Ausstellung, die Songs der Alben einspielen - eine Mischung aus Nostalgie und Staunen, die rockt.
Leben, Sterben und Musik sind eins
Im Punk wird der Tod zur schärfsten Form des Protestes gegen eine ausweglos verkommene Gesellschaft, und die Dead Kennedys tragen ihn gleich im Namen, schockhaft beglaubigt durch den Heroin-Tod von "Sex Pistol" Sid Vicious. Aber schon bei den Dark-Wave-Nachfolgern verkehrt sich die Weltverachtung zu romantischer Todessehnsucht als Lebenshaltung - "Joy Division"-Sänger Ian Curtis erhängte sich, als die Band berühmt wurde.
Im HipHop-Kugelhagel mit Heavy- und Death-Metal wiederum wird der Tod zum Skalp, der bei Freund und Feind bis heute den größtmöglichen Schrecken verbreiten soll, in der "Neuen Deutschen Härte" von Oomph! bis Rammstein noch garniert mit diversen Schockeffekten.
Wirklich tödlich geht allerdings der Hip Hop für etliche seiner bösen Helden aus, die im Kugelhagel der notorischen "Shootings" sterben - Leben, Sterben und Musik sind eins. Und auch den Grunge der 90er Jahre überleben nicht alle: Wer in Gronau den Text von Pearl Jams "State of Love and Trust" liest, wird darin einen inneren Monolog von "Nirvana"-Kopf Kurt Cobain lesen, der wie Joplin und Hendrix mit 27 ums Leben kam, als er sich eine Schrotladung in den Schädel jagte. Gestorben aber ist er an einer Überdosis Rock´n´Roll. (NRZ) Bis 26. April. Rock´n´Pop-Museum Gronau, Udo-Lindenberg-Platz 1, mi-so: 10-18 Uhr, Zur Ausstellung ist ein kluger, reich illustrierter Katalog mit 250 Seiten erschienen.
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Die letzten Songs: http://tinyurl.com/bmykv7