Thorsten Havener kann Gedanken lesen
23.06.2009 | 10:50 Uhr 2009-06-23T10:50:00+0200Dortmund. „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?” Diese Frage, die seit 200 Jahren ein deutsches Volkslied stellt, ist natürlich rein rhetorisch gemeint. Kein Mensch kann wirklich Gedanken lesen. Oder? Ein paar Stunden zusammen mit Thorsten Havener lassen einen ins Grübeln kommen.
Der 36-Jährige hat ein Buch veröffentlicht, das eingeschlagen ist wie eine Bombe. Der Titel des Bestsellers „Ich weiß, was du denkst” hat auch mich neugierig gemacht. Zugegeben. In Haveners Wahlheimat München treffe ich ihn in einem kleinen Schwabinger Theater, wo er der alten Zeiten wegen, als er hier vor 13 Jahren als Zauberer wirkte, noch einmal auftreten wird. Inzwischen füllt der Mann ganz andere Hallen, ist er auf allen großen Show-Bühnen der Republik unterwegs, versetzt Raab und Kerner in Erstaunen, hält Vorträge, schult Manager und – liest aus seinem Buch. In Dortmund tut er das am Mittwoch, 24. Juni, ab 20.15 Uhr in der Mayerschen Buchhandlung.
Die Stecknadel im Theatersaal
Beim Treffen in München will ich es wissen: Kann der Fremde mir hinter die Stirn schauen? Und wäre das nicht furchtbar peinlich? Im dämmrigen Theatersaal an einem kleinen Tisch gehen wir in Position, das Aufnahmegerät läuft. Frage um Frage gedenke ich abzufeuern. Doch der Gedankenleser liest nicht. Nicht einen Gedanken. Er sagt nicht, wen ich zuletzt gewählt habe, nicht, wie mein erster Freund hieß. Der Gedankenleser streikt. Beim Gedankenlesen, so sagt er, werde die Information nicht mal so eben „zack von einer Festplatte auf die andere gebeamt”, Gedankenlesen sei ein Prozess, harte Arbeit.
"... das kann jeder"
Ich bin enttäuscht. Behauptet mein Gegenüber doch, „ich weiß, was du denkst”. „Das weiß ich auch”, sagt Thorsten Havener. Nur vorführen lassen wie ein dressiertes Reitpferdchen will er sich nicht. Lieber erklärt er, wie Gedankenlesen funktioniert und dass es im Grunde jeder lernen kann: „Deshalb habe ich auch das Buch geschrieben. Ich wollte den Menschen das Wissen, das ich über Jahre gesammelt hatte, zur Verfügung stellen. Über die Macht der Sprache, die Kraft der Gedanken, über Beeinflussung und Suggestion Bescheid zu wissen, ist für jeden Menschen hilfreich.”
Wie aber kommt denn nun so ein Gedanke bei ihm an? Sieht er ihn geschrieben, hört er ihn? Besitzt er das fremde Wissen plötzlich wie durch Magie? „Es ist eine Mischung”, erklärt der gelernte Dolmetscher, der sich strikt von jeder Hellseherei abgrenzt, „manche Dinge kann ich spüren. Teilweise kann ich an körperlichen Veränderungen sehen, wie du denkst. Das ist bei jedem anders.”
Aha-Erlebnis
Havener selbst hatte noch als Student sein Aha-Erlebnis: Damals wusste er plötzlich, was die Dozenten gleich sagen würden. Später sei ihm bewusst geworden, dass sie jedes Mal ihr Verhalten verändert hatten, bevor ein neuer Gedanke bei ihm ankam. Ihre Körpersprache und Gestik hatten Havener ungewollt einen tiefen Einblick in ihre (gut gehütet geglaubte) Gedankenwelt erlaubt. Durch langes Schulen seiner Intuition hat der gute Beobachter das „Lesen der Menschen” schließlich so perfektioniert, dass er damit heute eine fünfköpfige Familie ernähren kann.
Ein paar Augenblicke nach unserem Gespräch liefert der Autor - jetzt ganz Showman im schwarzen Anzug - dann doch noch den Beweis, für den ich gekommen war. Er findet eine Stecknadel, die in seiner Abwesenheit in dem Theatersaal versteckt wurde. Zu seinem Ziel - die Socke eines seriös aussehenden Mannes mittleren Alters - war Havener gelangt, indem er den nur in Gedanken formulierten Anweisungen des Mädchens gefolgt war, das die Nadel versteckt hatte. Wie er das gemacht hat? Das bleibt sein Geheimnis. Ein Havener lässt sich nicht hinter die Stirn schauen.
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00:43
http://y.20q.net/anon?o.R5D8nLk5N6T-d7RjRAQlQh.H3aF5-b3bD8PUiid
kann das auch
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