Theater-Rebell Peter Zadek ist tot
30.07.2009 | 14:07 Uhr 2009-07-30T14:07:00+0200
Wien. Er hat das Nachkriegstheater in Deutschland maßgeblich mitgeprägt und zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Regisseuren - Peter Zadek ist in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 83 Jahren gestorben. Neben seinen Regiearbeiten war Zadek 1972-1975 Generalintendant in Bochum.
Der deutsche Theaterregisseur Peter Zadek ist tot. Der 83-Jährige sei in der Nacht zu Donnerstag nach langer Krankheit in einer Hamburger Klinik gestorben, teilte das Sankt Pauli Theater in Hamburg mit, wo Zadek häufig gearbeitet hatte. Seine letzte Inszenierung "Major Barbara" von George Bernhard Shaw hatte im Februar 2009 in Zürich Premiere, in den Hauptrollen waren die deutschen Schauspielstars Julia Jentsch, August Diehl und Jutta Lampe zu sehen.
Mit seinem Namen verbinden sich Schlagzeilen über Theaterbühnen in Bochum, Hamburg, Berlin oder Wien. Er inszenierte Shakespeare, Ibsen, Fallada oder Brecht. Er revolutionierte das Theater in Deutschland in den 60er und 70er Jahren und schockte - oder begeisterte - sein Publikum mit wilden Inszenierungen und nackten Schauspielern. Peter Zadek hat das Nachkriegstheater in Deutschland mitgeprägt und zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Regisseuren. In der Nacht zum Donnerstag ist Zadek gestorben.
Wilde Inszenierungen
Der mit zahlreichen Preisen und Ehrungen bedachte Regisseur feierte noch im Februar Erfolge mit der Inszenierung von George Bernard Shaws "Major Barbara" am Schauspielhaus Zürich.
Zadek wurde 1926 in eine gut-bürgerliche jüdische Familie in Berlin geboren. die 1933 nach Großbritannien emigrierte. Nach einer Ausbildung zum Regisseur hatte er seinen ersten großen Erfolg 1957 in London mit der Uraufführung von Jean Genets "Der Balkon". 1958 übersiedelte Zadek nach Deutschland und arbeitete zunächst in Ulm und in Bremen. Zadek machte sich einen Namen als junger Regisseur, der gegen Konventionen verstieß, improvisierte und seine Schauspieler improvisieren ließ.
Präzise Auskunft über Menschen
1972 bis 1979 arbeitete er als Intendant in Bochum. Hier entdeckte er den inzwischen verstorbenen Schauspieler Ulrich Wildgruber für seine Stücke. Wildgruber spielte fortan in allen Shakespeare-Inszenierungen Zadeks.
In den folgenden Jahren arbeitete Zadek als freier Regisseur an mehreren Bühnen und übernahm 1985 bis 1988 die Intendanz am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Seit Hamburger Zeiten spielte die Schauspielerin Eva Mattes Zadek-Inszenierungen. Auf "Othello", in dem sie 1976 mit Wildgruber auf der Bühne stand, habe das Publikum "geradezu hasserfüllt reagiert: es hieß, 'das ist nicht unser Shakespeare, es würde nur gebrüllt und geschwitzt'... 'Nach einem halben Jahr dann sind die Leute gepilgert.'" Mattes sagte dazu, Zadek "überrascht mich eigentlich bei jeder Produktion, immer mit dem Gleichen, er kann so präzise über Menschen Auskunft geben, über das, was zwischen ihnen geschieht".
Gebrüllt und geschwitzt
Nach Hamburg folgten Arbeiten in Wien, Paris und München. 1992 bis 1995 arbeitete Zadek im Leitungsteam des Berliner Ensembles. Hier brachte er mit "Die Jasager und der Neinsager" sein erstes Stück von Bertolt Brecht auf die Bühne. Zadek drehte auch Filme, darunter "Ich bin ein Elefant, Madame", der auf der Berlinale 1969 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde.
Im letzten Jahrzehnt hat Zadek unter anderem mit Tschechows "Der Kirschgarten", Shakespeares "Hamlet" und "Richard III" sowie Henrik Ibsens "Rosmersholm" Erfolge gefeiert und Auszeichnungen erhalten. Zadek war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er hat eine zweiteilige Autobiografie veröffentlicht: "My Way" (1998) und "Die heißen Jahre. 1970 - 1980" (2006). (AFP/AP/ddp)
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nu isse doet.
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Die Zeit in Bochum: viele schöne Erinnerungen an Revue-Theater (Kleiner Mann, was Nun?...), Bo-Weekend und vieles mehr.
Danke!